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HILFE: Freiwilligenarbeit – unentgeltlich und unverzichtbar

Millionen Schweizer leisten gemeinnützige Freiwilligenarbeit. Viele sammeln dabei auch wichtige Erfahrungen und Referenzen für ihre Bewerbungsmappe.
Andreas Lorenz-Meyer
Freiwillige des Bergwaldprojekts pflanzen Tannen zur Sanierung der Lawinenverbauung auf dem Alpoglerberg ob Giswil im vergangenen Juni. (Bild Corinne Glanzmann)

Freiwillige des Bergwaldprojekts pflanzen Tannen zur Sanierung der Lawinenverbauung auf dem Alpoglerberg ob Giswil im vergangenen Juni. (Bild Corinne Glanzmann)

Andreas Lorenz-Meyer

Am Brutvogelatlas 2013–2016 haben über 3000 Freiwillige der Vogelwarte Sempach mitgewirkt. Bei der Feldarbeit jeweils im Frühjahr und Sommer legten sie zusammen mehr als 400 000 Kilometer zu Fuss zurück. Es ist das grösste vogelkundliche Projekt, das es hierzulande bisher gab, und der Schutz der Vögel soll künftig darauf aufbauen. Die freiwilligen Helfer bekamen für ihren Einsatz im Mammutprojekt den Prix Benevol 2015. Damit würdigt die regionale Fachstelle für Freiwilligenarbeit, Benevol, Luzern, besonderes Engagement.

Jeder Zehnte hat ein Amt inne

Die Preisträger gehören zu den Millionen Schweizern, die unbezahlt zum Wohle der Gemeinschaft arbeiten. Sie packen im Naturschutz an, engagieren sich in Vereinen, im sozialen oder kulturellen Bereich. Laut Schweizer Freiwilligen-Monitor 2016, herausgegeben von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, war im Jahr 2014 rund ein Viertel der Wohnbevölkerung über 15 Jahre innerhalb von Vereins- und Organisationsstrukturen engagiert (siehe Grafik). Jeder Zehnte in Form eines gewählten Amtes. Insgesamt verzeichnet man eine leicht rückläufige Tendenz im Vergleich zu den vorigen Erhebungen 2006 und 2009.

Aber neben der formellen gibt es die informelle Freiwilligenarbeit, also spontane Nachbarschafts- und Freundeshilfe ohne Kontaktvermittlung durch eine Organisation. Auch diese wird in dem Bericht erfasst. 38 Prozent der Schweizer engagierten sich informell. Der Wert ist angestiegen, jedoch wendet man für die informelle Arbeit auch weniger Zeit auf als früher.

Online-Freiwilligenarbeit nimmt zu

Welche Art Freiwilligendienste jemand wählt, hängt auch vom Alter ab. «Ältere Menschen bevorzugen die konventionellen Formen», sagt Elsbeth Fischer-Roth von Benevol Schweiz, der Dachorganisation der regionalen Fachstellen. Sie unterstützen Menschen in schwierigen Situationen oder engagieren sich in Vereinen. Bei jungen Erwachsenen zwischen 15 und 34 Jahren sieht es anders aus. Hier nimmt die Online-Freiwilligkeit einen hohen Stellenwert ein. Zum Beispiel werden die Websites gemeinnütziger Einrichtungen gepflegt. Wobei jeder dritte junge Erwachsene seine Online-Freiwilligkeit mit einem Engagement in der realen Welt kombiniert. Beispiel: Der Webmaster des Internetauftritts eines Turnvereins hilft auch bei der Organisation des Turnfests.

Vermittlung über das Internet

Durchs Internet haben sich die technischen Möglichkeiten, Freiwilligenarbeit zu vermitteln, enorm vereinfacht. Entsprechend wird dieser Kanal von den Organisationen – Kirchen, Stiftungen, Alters- und Pflegeeinrichtungen – intensiv genutzt. Auf benevol-jobs.ch sind aktuell über 1400 Einsatzmöglichkeiten zu finden und mehr als 10 000 Freiwillige registriert. Wer sich engagieren will, kann auf einer interaktiven Schweizer Karte die lokalen Angebote überfliegen. In Luzern sucht man jemanden, der älteren Menschen etwas vorliest oder einfach mit ihnen plaudert. An anderer Stelle werden Freiwillige für den Fledermausschutz benötigt. Momentan beeinflusst auch das Flüchtlingsthema das freiwillige Engagement im Land. Wobei die mediale Aufmerksamkeit schwankt. Wendet sich der Fokus von den Flüchtlingen ab, melden sich auch weniger zum Einsatz. Dennoch: Immer mehr Schweizer tun etwas im Asyl- und Flüchtlingsbereich. Zum Beispiel als Sprachpaten.

Der «Kitt der Gesellschaft»

Fischer-Roth betont, dass es ohne Freiwilligenarbeit bei uns allgemein weniger menschlich zuginge. Sie sei der Kitt, der Gesellschaft und Staat zusammenhält. Neben dem gesellschaftlichen hat soziales Engagement auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung. Und zwar keine geringe. Für das Jahr 2013 ergibt sich ein Gesamtvolumen von geschätzt 665 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit, rechnet Fischer-Roth vor. Das entspricht ungefähr der gesamten bezahlten Arbeitsleistung im Baugewerbe.

Warum engagieren sich die Leute? Hier sieht Fischer-Roth altruistische Motive nach wie vor an erster Stelle. Jedoch folgen gerade jüngere Menschen mit höherem Bildungsniveau verstärkt auch dem Wunsch, eigene Kenntnisse, Erfahrungen und Netzwerke auszubauen. Sie wollen Referenzen erlangen und die Freiwilligenarbeit für die berufliche Laufbahn nutzen. Hier kann das «Dossier freiwillig engagiert» gute Dienste leisten. Die Umschlagmappe gibt es seit 2012. Sie beinhaltet unter anderem einen Nachweis für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement, welcher die Kompetenzen der Person dokumentiert. Insgesamt erfüllt das Dossier seine Aufgabe, findet Fischer-Roth: «Es stärkt die Anerkennung der Freiwilligenarbeit in der Gesellschaft wie auch in der Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen legen Wert auf engagierte Mitarbeitende, die soziale Verantwortung tragen und entsprechend handeln. Das Dossier bekommt auch in den Bewerbungsunterlagen immer mehr Bedeutung.»

Firmen: Besser ohne Zwang

Auch Unternehmen zeigen Engagement, indem sie Mitarbeitende für gemeinnützige Zwecke einspannen. So stellen zum Beispiel zwei Bankinstitute ihre Angestellten jedes Jahr für das Schweizerische Rote Kreuz Luzern ab. Sie helfen beim Auspacken, Sortieren und Abgeben von Paketen im Rahmen der Aktion «2x Weihnachten». Diese Form der Freiwilligenarbeit nennt sich Corporate Volunteering. Man kann aber auch einfach betriebliches Freiwilligenprogramm sagen. «Die Erkenntnis, dass Engagement dieser Art unternehmerisch relevant ist, nimmt in den Firmen zu», so Fischer-Roth.

Das Ganze sei aber eine komplexe Angelegenheit, die man strategisch angehen muss. Die Entscheidung, sich zu engagieren, sollte auf der Führungsebene getroffen werden. Zweck und Absicht des sozialen Einsatzes müssen klar, die nötigen Ressourcen verfügbar sein. Leider sind Einsätze von Unternehmen oft sehr kurzfristig, kritisiert Fischer-Roth. Zudem habe von oben erzwungenes Engagement mit Freiwilligenarbeit wenig zu tun. Dabei besitzen viele Unternehmen hohes Potenzial. So sind 30 Prozent der Mitarbeitenden schweizweit bereits privat freiwillig engagiert. Unternehmen könnten dieses schon bestehende Engagement stärker fördern und würdigen.

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