Hilferuf
Wegen Flugzeug-Verschiebung nach Deutschland: Swiss-Crew wendet sich an Luftfahrtstiftung

Der Transfer von zwei Edelweiss-Maschinen zu einer Lufthansa-Tochter wirft beim hiesigen Personal Fragen auf. Nun erhofft es sich Rückendeckung.

Benjamin Weinmann
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Die Flotte der Swiss-Schwester Edelweiss wird verkleinert: Zwei A330-Maschinen gehen zur neuen Lufthansa-Tochter Eurowings Discover.

Die Flotte der Swiss-Schwester Edelweiss wird verkleinert: Zwei A330-Maschinen gehen zur neuen Lufthansa-Tochter Eurowings Discover.

Walter Bieri / KEYSTONE

Der Bund wollte sicher gehen. Als die Regierung vergangenes Jahr den Lufthansa-Töchtern Swiss und Edelweiss rund 1,3 Milliarden Franken an Bankkrediten verbürgte, pochte sie auf gewisse Sicherheitsmassnahmen. Schliesslich soll das Geld nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz eingesetzt und später wieder zurückbezahlt werden. Der Schweizer Markt müsse beim Wiederaufbau des Fluggeschäfts genauso berücksichtigt werden wie die Lufthansa-Hubs, so die Bedingung aus Bern.

Um die künftige Entwicklung zu überwachen, hat der Bund die Schweizer Luftfahrtstiftung ins Leben gerufen, mit Vertretern der Lufthansa und solchen aus der Schweiz. Präsidiert wird sie von der ehemaligen Nationalrätin Brigitta Gadient, die auch Schweiz Tourismus vorsteht. Nun ist sie ein erstes Mal gefordert.

Swiss-Chef bestätigte die Pläne

Wie die Kabinenpersonal-Gewerkschaft Kapers intern kommuniziert, hat sie sich zusammen mit dem Pilotenverband Aeropers und den Flight Attendants der Edelweiss an die Stiftung gewandt. Anlass für den Unmut ist der Transfer von zwei Edelweiss-Langstreckenflugzeugen an die neue Lufthansa-Ferienairline Eurowings Discover, die indirekt aus den untergegangenen Sun Express und Germanwings entstanden ist. Ein Aeropers-Sprecher bestätigt das Schreiben auf Anfrage: «Wir haben die Stiftung darauf hingewiesen, darauf zu achten, dass es zu keiner Verschiebung der Kapazitäten zu Lasten des Standortes Schweiz kommt.» Noch warte man auf eine Antwort.

Swiss-Chef Dieter Vranckx.

Swiss-Chef Dieter Vranckx.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Vor zwei Wochen hatte Swiss-Chef und Edelweiss-Präsident Dieter Vranckx Informationen von CH Media bestätigt, wonach über eine solche Flugzeug-Verschiebung nachgedacht werde. Nun ist der Entscheid definitiv, was dem hiesigen Personal nicht gefällt. So schreibt die Kapers gegenüber ihren Mitgliedern, es stelle sich die Frage, «ob die Verschiebung von zwei Langstreckenflugzeugen ein Abbau von Langstrecken in der Schweiz und einen gleichzeitigen Ausbau in Deutschland bedeutet.» Dies wäre aus Kapers-Sicht ein Verstoss gegen die Bedingungen der Kredit-Bürgschaft des Bundes. «Eine Bedingung besagt, dass ein Ausbau an einem Hub in Deutschland nicht auf Kosten des Hubs Zürich gehen darf.»

Überraschende Helvetic-Gespräche

Die Kapers nennt die Arbeitskonditionen bei Eurowings Discover «miserabel». Die Angestellten von Sun Express und Germanwings seien entlassen worden, um sich nun bei der neuen Airline zu schlechteren Anstellungsbedingungen neu zu bewerben. «Es ist offensichtlich, dass es bei dem Aufbau von Eurowings Discover rein darum geht, die Krise nachhaltig zu nutzen, um Arbeitsbedingungen zu verschlechtern.»

Sind Helvetic-Flugzeuge schon bald ab Deutschland im Einsatz?

Sind Helvetic-Flugzeuge schon bald ab Deutschland im Einsatz?

Tobias Siebrecht / Helvetic Airways

Überraschend ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Schweizer Regionalfluggesellschaft Helvetic offenbar schon bald Flüge für Eurowings übernehmen könnte, wie das Branchenportal Aerotelegraph berichtet. Dies, obwohl die Lufthansa selber zahlreiche Flugzeuge herumstehen hat. Die Lufthansa-Tochter befindet sich demnach in Gesprächen mit der Airline des Schweizer Investors Martin Ebner. Für die Hochsaison im Sommer prüfe Eurowings, einzelne Jets von Helvetic zu mieten.

Helvetic ist und bleibt der einzige so genannte Wet-Lease-Partner in der gesamten Lufthansa-Gruppe. Im Zuge der Corona-Krise hatte der deutsche Konzern sämtliche Kooperationen dieser Art beendet, mit Ausnahme der Swiss-Helvetic-Partnerschaft. Dabei führt die günstigere Helvetic im Namen der Swiss Flüge aus, mit eigenen Flugzeugen und eigenem Personal.