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HILFSDIENSTE: Digitale Diener für alle Fälle

Wer einen Wunsch hat — möge er noch so speziell sein —, der kann inzwischen auch auf virtuelle Dienste zählen. Wir stellen die wichtigsten digitalen Hilfeleister vor.
Die Unterschiede von computerbasierten und menschbasierten Butlerdiensten. (Bild: Lea Siegwart)

Die Unterschiede von computerbasierten und menschbasierten Butlerdiensten. (Bild: Lea Siegwart)

Andreas Lorenz-Meyer

Mittlerweile kann man mit seinem Smartphone auch reden. Ihm sagen, was es machen soll, statt den Befehl einzutippen. Spracherkennungssoftware wie Microsofts Cortana, Apples Siri oder Google Now von Google machen es möglich. Die digitalen Assistenten liefern zu Fragen passende Antworten oder führen Kommandos aus. Etwa: Stell den Wecker auf sieben Uhr! Jedoch beschränken sich die Fähigkeiten von Siri und Co. noch auf einfachere Vorgänge.

Mit Facebook startet jetzt der nächste Internet-Riese seinen eigenen digitalen Assistenten. Erst einmal dürfen ihn aber nur einige Personen in den USA ausprobieren. M nennt sich der Dienst kurz und knapp. Aufrufbar ist er über den Messenger, Facebooks Kurznachrichtendienst, der mehrere hundert Millionen Nutzer hat.

Angereicherte künstliche Intelligenz

Im Gegensatz zu Cortana oder Siri werden Befehle bei M schriftlich eingegeben, eine Spracherkennung kommt aber vermutlich bald dazu. Zweiter Unterschied: Das System verlässt sich nicht allein auf künstliche Intelligenz. Speziell für M zuständige Mitarbeiter prüfen, was die Software ausspuckt, bevor die Antwort an die Nutzer geht. Ist alles in Ordnung, wird sie unverändert weitergeleitet. Hat die Maschine jedoch Probleme, helfen so genannte M-Trainer aus. Sie verfassen die Antwort. Von ihnen lernt M auch, immer brauchbarere Ergebnisse zu liefern. So plant es Facebook. Nutzer wissen jedoch nicht, wer auf eine Anfrage reagiert hat – Mensch oder Maschine.

Reise buchen, Tisch reservieren

Was ist dem neuen Dienst zuzutrauen? Thomas Hutter, Schweizer Facebook-Experte: «M ist mit Sicherheit eine ganz starke Konkurrenz für die bestehenden Produkte. Ein Vorteil ist, dass M plattformübergreifend funktioniert: auf iOS, Android und übers Web. Siri zum Beispiel läuft nur auf Apple-Geräten.»

Und das ist nicht alles. M steckt zwar noch in der Testphase. Aber Facebook kündigte schon an, dass der Dienst mit der Zeit auch komplette Aufgaben erledigen kann. Das bedeutet, M erinnert den Nutzer nicht nur an einen Geburtstag oder gibt das Wochenendwetter durch. Es wird auch in der Lage sein, Reisen vorzubereiten und Tische im Restaurant zu reservieren. Mit dem digitalen Assistenten will Facebook also einen Schritt weiter gehen als Microsoft oder Apple. Hutter beschreibt es so: «M soll sich vom reinen Informationsrückgeber zum digitalen Butler entwickeln.»

Über 50 000 Wünsche erfüllt

Nicht nur die IT-Grössen nehmen den Nutzern alltägliche Besorgungen ab. Auch kleinere Unternehmen tun dies. GoButler, ein Unternehmen aus Berlin, gehört zu den so genannten Butlerdiensten. Der Service ist rund um die Uhr verfügbar. Anfragen werden per SMS abgeschickt. Sie landen dann bei den über 120 Mitarbeitern, von denen sich 15 ausschliesslich um Schweizer Kunden kümmern.

In der Schweiz hat GoButler bislang mehr als 50 000 Aufträge erledigt. Wie sie ausgeführt werden, erklärt Gründer Navid Hadzaad: «Wir kombinieren menschliche Arbeit und künstliche Intelligenz. Ein Grossteil der Anfragen wird im ersten Schritt automatisch bearbeitet. Wenn der Computer nicht weiterkommt, nimmt sich ein Spezialist aus dem jeweiligen Bereich der Sache an.»

Der Butler macht sogar Schluss

Bei der Hälfte der Aufträge geht es um Tischreservierungen und Essensbestellungen. Ein typischer Kundenwunsch: «Ich möchte eine Pizza Salami und eine Cola Light.» Die Antwort: «Pizza und Cola kann ich dir in 45 Minuten für 12 Franken bestellen. Okay?» 30 Prozent der Anfragen drehen sich ums Reisen. Jemand will einen Flug, ein Hotel oder ein Taxi buchen. Darüber hinaus bestellt GoButler auch Kino- und Konzertkarten oder vermittelt Reinigungskräfte.

Aussergewöhnliche Aufträge nimmt der Dienst ebenso an. Ein Nutzer bat mal darum, seiner Freundin mitzuteilen, dass er Schluss mache. Er sei schüchtern, gab er als Begründung an. Selbst die Organisation eines Hubschrauberflugs übernahm der Dienst. Versteckte Extrakosten oder Preisaufschläge gibt es keine, so das Versprechen. Zur Registrierung wird ein verschlüsselter Link als SMS an Nutzer gesendet. Die klicken ihn an und geben alle nötigen Bezahlinformationen ein. Die Bezahlung der Pizza et cetera läuft dann über Braintree, das zu Paypal gehört.

Vor allem Männer holen Hilfe

Sixtyone Minutes nennt sich ein zweiter in der Schweiz aktiver Butlerdienst. Hier zahlen Nutzer rund 10 Franken monatlich. Dieser Dienst läuft über eine App. Aufträge landen auch hier bei Mitarbeitern, die täglich von 10 bis etwa 20 Uhr erreichbar sind. Zu den Dienstleistungen zählen: Geschenke für jeden Anlass finden, Arzt- oder Friseurtermin abmachen, Taxi bestellen, Hotelzimmer oder Flug buchen, Baby- oder Hundesitter suchen, Ernährungscoach vermitteln, Kraftstoffpreise vergleichen. Weckanrufe und Hausaufgaben gehören nicht zum Service, betont der Anbieter.

In den letzten zwölf Monaten nahmen rund 3000 Schweizer den Service in Anspruch. Im August kamen mehr als 2500 Anfragen aus der Schweiz. Vor allem Männer melden sich bei Sixtyone Minutes: 72 Prozent der Anfragen kommen von ihnen, nur 28 Prozent von Frauen. Gründer Michael Gnamm erklärt das so: «Männer geben Aufgaben leichter ab als Frauen.»

Heiratsantrag mit Wiener Walzer

Meist geht es um Hotelbuchungen, Tischreservierungen und Mietwagen. Häufig wird auch ein passendes Geschenk für die Lieben gesucht. Ein Nutzer schreibt: «Möchte meine Freundin mit Blumen überraschen. Habe allerdings keine Ahnung, was sie so mag. Kannst du mir was Schönes raussuchen?» In der Regel sei ein Auftrag innerhalb von 20 Minuten erledigt, sagt Gnamm. Wobei der Tisch im Restaurant schon nach 3 oder 4 Minuten reserviert sein kann. Die Suche nach einer günstigen Flugverbindung von Zürich nach Madrid dauert dagegen etwas länger. Es kommt auch darauf an, wie dringend das Anliegen ist. Braucht jemand den Mietwagen am gleichen Tag oder in einer Woche? Danach richtet sich das Bearbeitungstempo.

Manchmal haben die Leute ziemlich ungewöhnliche Anliegen. Im Frühjahr unterstützte der Dienst einen Mann beim Heiratsantrag. Zehn Wiener Walzer tanzende Paare mussten für den grossen Moment organisiert werden. Bei häufig eintreffenden Anfragen greifen die Mitarbeiter auf Internetseiten zurück, welche erfahrungsgemäss die besten Ergebnisse liefern. Teilweise hilft auch die hauseigene Datenbank, welche ständig erweitert wird. Dort steht etwa, welche Geschenke für Mütter geeignet sind.

Zeitersparnis als Hauptgrund

Thomas Hutter schätzt Butlerdienste so ein: «Hier wird auf den Faktor Mensch gesetzt. Dadurch ist das Vergrössern der Reichweite aber schwierig. Die Zahl der erreichbaren Nutzer bleibt anders als bei Facebooks M begrenzt.» Fragt sich, warum überhaupt so einfache Vorgänge an andere delegiert werden. Weil es das Leben vereinfache, antwortet Hutter. Neulich wollte er eine Kiste Schweizer Schokolade ins Ausland verschicken. Hätte er das selber erledigt, wären mit Einkauf, Verpacken und den Formalitäten schnell 20 bis 40 Minuten zusammengekommen. Über einen Butlerdienst war alles in 10 Minuten abgehakt.

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