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Hilft China Glencore aus dem Dilemma?

Der Zuger Rohstoffkonzern Glencore wagt die Umgehung scharfer US-Sanktionen. Die USA könnten ein Interesse daran haben, beide Augen zuzudrücken.
Daniel Zulauf
Der Minen-Investor und Glencore-Geschäftspartner Dan Gertler bei einer Mine im Kongo. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg, Katanga, 1. August 2012)

Der Minen-Investor und Glencore-Geschäftspartner Dan Gertler bei einer Mine im Kongo. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg, Katanga, 1. August 2012)

Was sich kaum eine Bank dieser Welt trauen würde, wagt nun der Baarer Rohstoffgigant Glencore. Im Rahmen einer heute bekannt gegebenen Vereinbarung will der Konzern offene Rechnungen in Millionenhöhe gegenüber den Firmen des Geschäftsmannes Dan Gertler begleichen, obwohl dieser mit scharfen US-Sanktionen belegt ist. Noch im laufenden Jahr will Glencore über ihre kongolesische Minengesellschaft Mutanda 10,5 Millionen Euro pro Quartal an die von Gertler mehrheitlich kontrollierten Firmen «Ventora» und «Africa Horizons Investments Limited» (AHIL) abführen.

2019 soll auch eine zweite kongolesische Glencore-Tochter, die Kamoto Copper Company (KCC), dreimonatige Zahlungen an AHIL im Umfang von 16,5 Millionen Euro aufnehmen.

Keine Zahlungen in US-Dollar

Gertler war Glencore vor zehn Jahren beim Kauf von Schürfrechten in den kongolesischen Kobalt- und Kupfervorkommen behilflich. Daraus stehen ihm hohe, vertraglich vereinbarte Zahlungen zu, die Glencore wegen der Sanktionsbestimmungen seit Dezember aber nicht mehr leisten kann. Ende April verlangte Gertler deshalb in Kinshasa auf gerichtlichem Weg Glencore-Gesellschaften im Kongo im Wert von 3 Milliarden Dollar einzufrieren. Doch Gertler ist nach Darstellung des US-Finanzministeriums ein internationaler Geschäftsmann und Milliardär, der sein Vermögen mit undurchsichtigen und korrupten Minen- und Erdölgeschäften im Wert von Hunderten von Millionen Dollars gemehrt habe. Er habe seine enge Freundschaft mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila benutzt, Einnahmen des kongolesischen Staates in Milliardenhöhe abzuzweigen. Die USA setzten Gertler auf die schwarze Liste mit dem Ziel, ihn vom amerikanischen Finanzsystem abzuschneiden und seine Vermögenswerte in den USA einzufrieren. Zwar gibt es in Europa und in der Schweiz keine solche Liste, auf der Gertlers Name steht. Doch massgebend ist ohnehin die US-Sanktionsliste, an die sich die hiesigen Firmen und Banken aus Angst vor hohen Strafen sklavisch zu halten pflegen.

Glencore betont nun, die Vereinbarungen mit Gertler sähen vor, dass keine Zahlungen in Dollar getätigt würden und dass keine US-Banken, US-Firmen oder US-Privatpersonen in die Abwicklung involviert würden. Die US-Behörden werten solche Vereinbarungen erfahrungsgemäss aber als Versuch, die Sanktionen zu umgehen. Trotzdem schreibt Glencore, man sei der Ansicht, dass die Vereinbarung die Sanktionen in geeigneter Weise adressieren würden. Auf Anfrage erklärte eine Firmensprecherin, man habe mit den zuständigen Behörden in der Schweiz und in Amerika über die Vereinbarung gesprochen.

Was steckt hinter dieser Lösung? Möglicherweise haben die Amerikaner selber kalte Füsse gekriegt, denn sollten die Glencore-Minen im Kongo gerichtlich beschlagnahmt werden, könnten sie in chinesische oder russische Hände gelangen. Das ist eine unangenehme Vorstellung für Washington und alle alten Industrieländer. Denn 60 Prozent der weltweiten Kobalt-Vorkommen liegen in kongolesischem Boden. Und sieben der zehn grössten Kobalt-Minen befinden sich im Besitz chinesischer Konsortien.

Kobalt ist ein unverzichtbares Element in jedem Akku und in jeder Batterie. Und wachsende Nachfrage nach Elektroautos macht das Schwermetall zu einem der begehrtesten Rohstoffe überhaupt. Die Aussicht, dass China in einem Schlüsselrohstoff der Zukunft in eine monopolartige Stellung gelangen könnte, mag die US-Behörden veranlasst haben, bei der Umsetzung ihres Sanktionsregimes beide Augen zuzudrücken.

Auch für Glencore steht im Kongo viel auf dem Spiel. Nach Schätzungen von Analysten soll mehr als die Hälfte des bis 2020 prognostizierten Gewinnwachstums aus den für die Elektromobilität unerlässlichen Rohstoffen Kobalt, Kupfer und Zink kommen, die der Zuger Konzern vornehmlich im Kongo und in Sambia abbaut.

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