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Hire und Fire hat bei ABB Tradition

Die Entlassung des langjährigen CEOs Ulrich Spiesshofer ist ein Zeichen, dass die Investoren um die Familie Wallenberg ihre Macht zurückgewonnen haben.
Daniel Zulauf
Führungswechsel hat bei ABB Tradition. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Führungswechsel hat bei ABB Tradition. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Die gestrige Nachricht über die Entlassung von ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kam zwar wie der Blitz aus heiterem Himmel, doch überraschende Personalmanöver haben bei ABB eine lange Tradition. Eine Schlüsselrolle spielte zuletzt wieder die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg, deren Beteiligungsgesellschaft Investor AB mit 10,7 Prozent aller Aktien rund doppelt so viele Anteile hält wie der zweitgrösste und deutlich lauter auftretende Investor Cevian Capital (5,3 Prozent). Über Jahre hinweg monierten Cevian-Exponenten öffentlich die schwache Kursentwicklung der ABB-Aktien und forderten strategische Massnahmen. Immer wieder nahmen die Geldmanager direkt auch Spiesshofer ins Visier. Dieser sass aber fest im Sattel bis zum Tag, als auch die Wallenbergs ihre Meinung änderten. Das war irgendwann im vergangenen Jahr der Fall, als der Verwaltungsrat doch noch der alten Cevian-Forderung nachkam, das traditionsreiche Stromübertragungsgeschäft zu veräussern.

Keine schwedische Abnickerequipe mehr

Obschon Spiesshofer gegen seine ursprüngliche Überzeugung auch diesen Auftrag ausführte, muss er nun über die Klinge springe. Er sei zu langsam und seiner Aufgabe nicht gewachsen, liess ein Investor am Mittwoch sinngemäss verlauten. Von den insgesamt sechs CEO der vergangenen 20 Jahre erging es vielen ähnlich. 1997 beerbte Göran Lindahl seinen engen Freund Percy Barnevik in dessen Rolle als (erster) ABB-Chef. Nur knapp vier Jahre später war Lindahl wieder weg. «Nicht gut genug», kommentierte dessen Nachfolger Jörgen Centerman die Leistung seines Landsmannes.

Der Wechsel erfolgte wenige Tage vor Barneviks eigener Entlassung als Verwaltungsratspräsident. Zum neuen starken Mann im ABB-Aufsichtsgremium rückte der Deutsche Jürgen Dormann auf. Dieser sagte dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» vor fünf Jahren in einem Interview: «Bei ABB habe ich dafür gesorgt, dass der Verwaltungsrat keine schwedische Abnickerequipe mehr war. Selbst Jacob Wallenberg habe ich nur behalten, weil ich ihn für die Refinanzierung brauchte.» Aus der einstigen Abnickertruppe wurde quasi über Nacht ein überaus entscheidungsfreudiger Verwaltungsrat. Auch für Centerman war die Uhr nach 20 Monaten abgelaufen. Zu langsam und viel zu wenig konsequent, stand auch bei ihm in der Leistungsbeurteilung und dies sicher nicht zu Unrecht. ABB steckte in jenen Tagen in einer existenziellen Krise. Die Zukunft des 125-jährigen Industriekonzerns hing an einem seidenen Faden. Dormann nahm die operative Führung selber in die Hand und brachte das Unternehmen mit Hilfe seines Finanzchefs und derzeitigen Präsidenten Peter Voser wieder auf Kurs.

2005 liess Dormann den jungen Liechtensteiner Fred Kindle ran. Doch dieser war Dormanns Nachfolger im Präsidium, Hubertus von Grünberg, zu aufmüpfig und vor allem zu wenig mutig bei Übernahmen. Im Februar 2008 kam es zum Eclat. Bald darauf fand Grünberg Gefallen am Amerikaner Joe Hogan, der ABB bis 2013 führte und dann unvermittelt die Rückkehr in die USA «aus familiären Gründen» ankündigte. Möglicherweise ahnte Hogan, dass er nach Grünbergs absehbarem Rücktritt aus Altersgründen einen schweren Stand mit dem Nachfolger haben könnte. Es wird gemunkelt, ABB-Vizepräsident Jacob Wallenberg sei bei Spiesshofers Wahl mit seinem eigenen Wunschkandidaten unterlegen. Nun scheinen die Wallenbergs die Macht bei ABB zurückgewonnen zu haben.

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