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Hirslanden-Abschreiber zeigt Marktwandel an

Mediclinic hat den Wert ihrer Schweizer Privatklinik-Gruppe reduziert. Sie ist weniger rentabel als auch schon, aber immer noch überdurchschnittlich erfolgreich. Die Wertberichtigung sagt mehr über das Umfeld aus.
Balz Bruder
Die Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern. Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 8. März 2017)

Die Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern.
Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 8. März 2017)

Der neue Finanzchef der Privatklinikgruppe Hirslanden, Pierre-Antoine Binard, wird Anfang September ein Unternehmen antreffen, das zwar immer noch viel wert ist – aber viel weniger als auch schon. Grund dafür ist nicht die Tätigkeit seines Vorgängers Andreas Kappeler, sondern eine Abschreibung der an der Londoner Börse kotierten Muttergesellschaft Mediclinic.

Konkret: In der aktuellen Bilanz scheinen erstens die Immobilien mit einem Minus von 100 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr auf. Zweitens wurde der Goodwill um fast 400 Millionen Franken abgesenkt. Und drittens wurde der Markenwert um 340 Millionen Franken reduziert. Macht summa summarum 850 Millionen Franken, wie die «Handelszeitung» vorrechnet.

Hirslanden-CFO Kappeler kommentierte den Abschreiber so: «Wir erzielen weiterhin guten Cashflow, aber die Lage ist nicht mehr mit früher zu vergleichen.» In der Tat: Allein die Ebitda-Marge sank zwischen 2011 und 2017 von paradiesischen 23,4 auf 18,3 Prozent. Das im Vergleich mit der Konkurrenz zwar immer noch ein sehr gutes Ergebnis, aber die zuverlässig sprudelnden Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe dürften keine Selbstverständlichkeit mehr darstellen. Entsprechend muss sich Hirslanden strecken: Effizienz heisst das Rezept, wie COO Daniel Liedtke dem «Tages-Anzeiger» sagte. Das bedeutet mehr ambulante statt stationäre Medizin, straffe Behandlungspfade, Zentralisierung des Overheads und anderes mehr.

Bedeutender Player nicht nur für Grundversicherte

Alle Effizienz wird allerdings nicht ausreichen, um die Auswirkungen der politischen Rahmenbedingungen auf das Geschäft aufzufangen. Zum einen beginnt der Trend zur ambulanten Behandlung durchzuschlagen. Zum andern hat der Bundesrat den Ärztetarif gesenkt. Zudem spitzt sich der Kampf um Patienten zu – nicht nur um Zusatzversicherte, sondern auch um Grundversicherte. Und diese sind für Häuser mit Leistungsaufträgen von Kantonen vital. Auch für die Hirslanden-Gruppe, die sich mit ihren 17 Kliniken in 11 Kantonen als bedeutender Player in der Spitallandschaft etabliert hat. Und das bei sich veränderndem Marktumfeld auch bleiben will.

Wie ist die Bilanzkorrektur bei Hirslanden vor diesem Hintergrund zu bewerten? Guido Schommer, Generalsekretär Privatkliniken Schweiz (PKS), sagt es so: «Private Spitäler und Spitalgruppen, die börsenkotiert sind und Kapital auf den globalen Märkten beschaffen, sind sehr unmittelbar exponiert.» Das bedeute, dass sie mögliche Entwicklungen rasch antizipierten. Konkret: «Betriebswirtschaftliche Entscheide müssen vorausschauend getroffen werden, viel früher als bei Spitälern, die von der öffentlichen Hand getragen werden.»

Mehr als dies treibt Schommer das Folgende um: «Die Gesundheitspolitik reguliert zunehmend interventionistisch und unberechenbar», sagt er. Für den PKS-Generalsekretär steht fest, dass die Kantone ihr Governance-Problem als spitalpolitische Multitasker lösen und endlich Transparenz über die offenen und verdeckten Subventionen herstellen müssen, «die sie einseitig den öffentlichen Spitälern zuhalten». Das ist für Hirslanden ebenso wie für andere private Player ein Problem, das sich in den Zahlen niederschlägt. Und ein Krankheitssymptom für eine Branche ist, deren Wandel mitunter eine Wertberichtigung anzeigt.

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