Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HNA: Konglomerat weckt Misstrauen

Das Image der chinesischen HNA-Gruppe ist angekratzt. Die Mutterfirma von Swissport, SR Technics und Gategroup ist hochverschuldet. Nun wurde sie von der Übernahmekommission gerügt.
Daniel Zulauf
Was sich hinter der Fassade der chinesischen HNA-Gruppe abspielt, ist nicht immer transparent. (Bild: Qilai Shen/Getty (Peking, 9. August 2017))

Was sich hinter der Fassade der chinesischen HNA-Gruppe abspielt, ist nicht immer transparent. (Bild: Qilai Shen/Getty (Peking, 9. August 2017))

Daniel Zulauf

«Ich habe die Chinesen als ausgesprochen langfristig orientierte Eigentümer kennen gelernt», sagt Peter Moser, langjähriger Personalchef bei der weltgrössten Kofferträgerfirma Swissport in Zürich. «Die Übernahme durch HNA im Sommer 2015 war ein wohltuendes Kontrastprogramm zu dem, was uns die auf kurzfristige Ergebnismaximierung ausgerichteten Private-Equity-Investoren zugemutet hatten», findet der Manager, der jetzt für den Textilmaschinenhersteller Saurer und damit erneut für eine chinesische Eigentümerschaft tätig ist. Mosers letzte Erfahrungen bei Swissport liegen allerdings bereits neun Monate zurück, und seither hat auch bei HNA die Hektik Einzug gehalten.

Die Gesellschaft ist innerhalb von wenigen Jahren von der Airline-Betreiberin auf der südchinesischen Ferieninsel Hainan zu einem weltweiten, breit diversifizierten Unternehmenskonglomerat mutiert. Swissport, SR Technics und Gategroup – die drei Servicegesellschaften, welche die ehemalige Swissair vor vielen Jahren aufgebaut hatte, um die Risiken des unkonstanten Fluggeschäfts abzufedern – gehören seit Ende 2016 allesamt zur HNA-Gruppe. Die 6 Milliarden Franken, welche die Chinesen für den Kauf der drei Betriebe aufgeworfen haben, sind nur ein Bruchteil dessen, was HNA sonst noch ausgegeben hat. Nicht weniger als 80 «Deals» im Wert von über 40 Milliarden Dollar habe HNA seit Anfang 2015 angekündigt, heisst es in einem Bericht des «Wall Street Journal» vom vergangenen Montag, der den vielsagenden Titel «Ein chinesisches Konglomerat fällt in Ungnade» trägt.

Intransparente Eigentumsverhältnisse

Die hochverschuldete HNA kämpft am internationalen Kapitalmarkt mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Soeben hat die Gesellschaft eine einjährige Anleihe über mindestens 200 Millionen Dollar mit einer Verzinsung von fast 9 Prozent aufgenommen. HNA zahlt damit mehr als Argentinien, das unlängst eine hundertjährige Anleihe für weniger als 8 Prozent aufnehmen konnte. HNA beschaffte sich mitunter auch Kredite, für die es die oft teuer eingekauften Aktien westlicher Firmen auch bei westlichen Banken als Sicherheit hinterlegen konnte. Dabei gingen die Chinesen offensichtlich so systematisch vor, dass selbst vertragliche Kreditbedingungen, die eine Verpfändung explizit verbieten, übergangen wurden. Eine entsprechende Transaktion mit Swissport-Aktien musste HNA im Mai auf Verlangen der Gläubigerbanken von Swissport rückgängig machen.

Ungeachtet dieser Episode heisst es heute bei Swissport: «Swissport pflegt sehr gute Beziehungen zu seinen Banken und hat im August 2017 erfolgreich seinen Term Loan B refinanziert.» Doch wie es scheint, sind die Geschäftsbedingungen für Firmen aus dem HNA-Universum seit August noch schwieriger geworden. Mitverantwortlich sind dafür offenbar die wenig transparenten Eigentumsverhältnisse des Konzerns. Im September legte Goldman Sachs die Vorbereitungsarbeiten für die Börseneinführung einer HNA-Tochter auf Eis – wegen Bedenken über die unklaren Eigentumsverhältnisse, wie das «Wall Street Journal» schreibt.

«Unwahre Angaben» zu Gategroup-Deal

Auf die Frage nach den Auswirkungen der Presseberichte über die intransparente Eigentümerstruktur von HNA gibt sich ein Gategroup-Sprecher auf den ersten Blick zwar ganz entspannt: «Gategroup wird operativ eigenständig geführt und verfügt über ein stabiles Geschäftsmodell und eine solide Finanzierung. Die Berichterstattung über HNA hat keinen unmittelbaren Einfluss auf unsere Geschäftstätigkeit.» Doch man beachte das Wort «unmittelbar». Aus dem inneren Kreis einer Schweizer HNA-Tochterfirma tönt es ganz danach, als würden die mittelbaren Auswirkungen die Geschäfte durchaus behindern. Selbst simpelste Transaktionen wie die Eröffnung eines Firmenkontos seien ein bürokratischer Albtraum, sagt ein Insider. Die Banken verweisen auf die sogenannte «Know-your-customer-Regel», unter der sie verpflichtet sind, bei jedem Geschäft den wirtschaftlich Endberechtigten zu kennen. «Die Banken verlangen Dokumente und Registrierungen, die oft kaum beizubringen sind.» Ob die Banken die behördlichen Auflagen nur vorschützen, um sich elegant aus dem Risikogeschäft mit HNA zurückziehen zu können, ist eine Frage, die offen bleiben muss.

Derweil hat HNA die von der Übernahmekommission im September geforderten Angaben im Zusammenhang mit dem Gate-group-Kauf geliefert, wie diese am Freitagabend mitteilte. Es wurde festgestellt, dass die erforderlichen Angaben über den Anbieter im Angebotsprospekt vom 20. Mai 2016 «unwahr beziehungsweise unvollständig» waren. HNA muss laut der Verfügung nun eine Gebühr von 50 000 Franken bezahlen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.