Hochdorf erklärt den Pharmalys-Deal und erhält Schützenhilfe der ZMP 

Mit der Beantwortung einer Reihe von Fragen will Hochdorf eine ausserordentliche Generalversammlung verhindern. Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) unterstützen den Verwaltungsrat

Hören
Drucken
Teilen
Blick in die Produktion des Milchverarbeiters Hochdorf.

Blick in die Produktion des Milchverarbeiters Hochdorf. 

Pius Amrein (19. Dezember 2019)

(sda/mim) Der finanziell angeschlagene Milchverarbeiter Hochdorf führt eine zur Klärung von Fragen geplante ausserordentliche Generalversammlung nicht durch. Er beantwortet stattdessen die von seinem Grossaktionär Stichting General Holdings gestellten Fragen schriftlich. «Sodass alle Aktionäre sofort Zugang zu den Antworten haben und so die Gleichbehandlung der Aktionäre bezüglich Informationen vollumfänglich sichergestellt wird», teilt das Unternehmen mit.

Im Dezember hatte Stichting einen Antrag zur Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung gestellt, um vom Fragerecht Gebrauch machen zu können. Im Schreiben dazu sei eine Liste mit 20 Fragen an den Verwaltungsrat gerichtet worden, so Hochdorf. Diese habe man nun schriftlich beantwortet und die Antworten dazu auf der Webseite publiziert.

In den Antworten auf die Fragen von Stichting nimmt Hochdorf vor allem detailliert zu den Vorkommnissen rund um Kauf und Verkauf der Pharmalys-Beteiligung Stellung. Unter anderem geht es um die Berechnung des Preises, den man 2016 an den Verkäufer Amir Mechria bezahlt hatte. Mechria war es auch, der die Pharmalys-Titel im vergangenen Jahr für weniger Geld zurückgekauft hat. Weiter werden auch Fragen zu Vertragsdetails bezüglich der Pharmalys-Transaktion oder auch zur schwachen Geschäftsentwicklung beantwortet. Der Verwaltungsrat sei sich «der schwierigen Lage der Gesellschaft bewusst und unternimmt alles, um ihre Existenz zu sichern und eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten», heisst es in der Mitteilung. Der Verkauf der Pharmalys-Beteiligung sei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg gewesen.

Es sei zwar unerfreulich, dass der Verkauf zu einem Preis stattfand, der deutlich unter dem 2016 vereinbarten Kaufpreis lag. Dies sei aber darauf zurückzuführen, dass der Wert in der Zwischenzeit gesunken sei, da Umsatz und Ertrag 2018 und 2019 stark zurückgegangen seien. Hochdorf erklärt zudem ausführlich, warum man das Geschäftsmodell von Pharmalys nicht erfolgreich führen und kontrollieren konnte. Grund dafür sei das «weitreichende Outsourcing aller geschäftlichen Aktivitäten» gewesen. Pharmalys sei eine reine Handelsgesellschaft. «Ihr einziges Aktivum sind die Marken, mit denen ihre Produkte ausgezeichnet werden. Pharmalys verfügt über keinerlei Personal, da sie ihre Tätigkeit vollständig an Dritte ausgelagert hat», heisst es.

Zahlen werden im März veröffentlicht

Stichting General, die 17,6 Prozent der Hochdorf-Aktien hält, hatte auch eine Sonderprüfung zu den Vorkommnissen rund um die Pharmalys verlangt. Hochdorf hält in der Mitteilung jedoch fest, dass eine Sonderprüfung erst dann beantragt werden könne, wenn das Fragerecht der Aktionäre ausgeübt worden sei und die Fragen «nicht richtig oder nicht ausreichend» beantwortet worden seien.

Stichting hat sich bislang nicht zu den Antworten geäussert. Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) sind mit ihrer ZMP Invest AG zweitgrösster Hochdorf-Aktionär mit einem Anteil von rund 12 Prozent. ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer erklärt auf Anfrage, man sehe angesichts der Veröffentlichung der Antworten «keinen Grund mehr, eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen.» Der heutige Verwaltungsrat habe glaubhaft aufgezeigt, warum und unter welchen Bedingungen er Pharmalys Ende 2019 verkauft habe. Die Antworten von Hochdorf zeigen laut Furrer, «dass der aktuelle Hochdorf-Verwaltungsrat die Probleme eruiert hat, anpackt und Lösungen herbeiführt.»

Der Geschäftsbericht und die Jahresrechnung sollen am 19. März 2020 veröffentlicht werden, die ordentliche Generalversammlung findet am 17. April statt.

Mehr zum Thema