Kredit verlängert: Hochdorf kann vorläufig aufatmen

Die Banken haben den Kredit verlängert. Nun geht der Milchverarbeiter die Restrukturierung an.

Maurizio Minetti
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Der Hauptsitz von Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Der Hauptsitz von Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Wie ein Damoklesschwert hing das Datum des 31. Oktober 2019 über Hochdorf. An diesem Tag wäre ein überlebenswichtiger Bankkredit abgelaufen. Der börsenkotierte Milchverarbeiter hatte nach diversen operativen und finanziellen Schwierigkeiten die Bedingungen der Banken verletzt und wartete auf eine Kreditverlängerung, die dem Unternehmen wieder Luft zum Atmen geben sollte. Nun ist dieser ersehnte Kredit abgeschlossen worden. Am Mittwochabend teilte Hochdorf mit, dass der bestehende Konsortialkredit angepasst und mit einer zusätzlichen Kredittranche versehen worden sei. Neu umfasst der angepasste Kreditvertrag einen Maximalbetrag von 178 Millionen Franken und verfügt über eine Laufzeit bis Ende September 2023, mit der Möglichkeit zur Verlängerung um zwei Jahre.

Damit ist Hochdorf fürs Erste gerettet. Firmensprecher Christoph Hug sagt, dass bis auf weiteres keine weiteren Kredite notwendig seien.

Operativer Umbau geht weiter

Doch mit dem Kredit sind die operativen Schwierigkeiten von Hochdorf nicht vorbei. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen bekanntlich einen Verlust von 63,6 Millionen Franken ausgewiesen. Hochdorf selbst schrieb Ende August von einer «ernst zu nehmenden Krise». Im Halbjahresbericht hatte der Milchverarbeiter die Kreditverlängerung sowie die «erfolgreiche Umsetzung von Restrukturierungsmassnahmen» als erhebliche Unsicherheiten für den Weiterbestand des Unternehmens bezeichnet. Das heisst, dass Hochdorf nun die Restrukturierung in Angriff nehmen muss.

Was dies für das Personal bedeutet, ist noch unklar. Schon in den letzten Monaten war die Fluktuation hoch gewesen; die Unsicherheit im Unternehmen hat viele Mitarbeitende dazu veranlasst, die Firma zu verlassen. Insgesamt beschäftigt Hochdorf 700 Personen. Am Hauptsitz sind es rund 200.

Hochdorf schreibt in der Mitteilung weiter, dass die Arbeiten an der Fokussierung auf die Geschäftsbereiche Baby Care und Dairy Ingredients weiterhin im Gange seien. Aktuell würden unter anderem Verhandlungen zum Verkauf der ausländischen Tochtergesellschaften sowie einzelner Geschäftsbereiche geführt. Details nannte Hochdorf nicht.

Neuer Verwaltungsrat versucht den Turnaround

Das Hauptproblem von Hochdorf ist, dass sich die 51-Prozent-Tochter Pharmalys deutlich schlechter als erwartet entwickelt. Deshalb musste Hochdorf wegen einer Neubeurteilung der Geschäftsrisiken bei Pharmalys erhebliche Debitorenrückstellungen bilden und Wertberichtigungen vornehmen. Der Milchverarbeiter hatte vor drei Jahren die Aktienmehrheit dieses Babynahrungsspezialisten übernommen, der vor allem in den Regionen Mittlerer Osten und Afrika vertreten ist. Doch der Geschäftsgang im Bereich Baby Care entwickle sich in den Schwellenländern weiterhin unerfreulich, betonte Hochdorf am Mittwoch erneut. Bei der Tochtergesellschaft Pharmalys sei das Geschäft «weitgehend eingebrochen». Ende August hatte Hochdorf-Interimschef Peter Pfeilschifter den Chefposten bei der kriselnden Tochter übernommen. Er folgte damit auf Pharmalys-Gründer Amir Mechria, der kurz davor von allen Funktionen bei Pharmalys zurückgetreten war.

Bereits im Frühjahr war es zu einem Wechsel im Verwaltungsrat gekommen, als unter anderem Präsident Daniel Suter abgewählt und Bernhard Merki an die Spitze des Aufsichtsgremiums gewählt worden war. Seitdem arbeitet der ehemalige Chef des Hochdorfer Fensterbauers 4B am Turnaround.

Neue Probleme in Sulgen

Doch Pharmalys ist nicht das einzige Problem von Hochdorf. Zusätzlich seien im Betrieb der neuen Sprühturmlinie «neue technische Herausforderungen» entstanden, teilt Hochdorf mit. Die Sprühturmlinie steht nicht am Sitz in Hochdorf, sondern im thurgauischen Sulgen.

Als Folge dieser Probleme müsse per Jahresende mit «bedeutend höheren Wertberichtigungen gerechnet werden, mit entsprechend negativem Einfluss auf das Unternehmensergebnis», heisst es in der Mitteilung von Hochdorf.

Grosse Verunsicherung bei Hochdorf

Die ungewisse Zukunft des Milchverarbeiters zeigt Wirkung. Einige Führungskräfte haben bereits gekündigt.
Stefan Borkert, Maurizio Minetti