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HOCHDORF: Seetaler Maschinen für China

Der grösste Lokomotivhersteller Chinas bestellt Maschinen zur Kabelverarbeitung aus dem Luzerner Seetal. Für die kleine Firma Ramatech ist das eine grosse Sache.
Rainer Rickenbach
Ramatech-Chef Kaspar Randegger zeigt, wie die Maschinen der Hochdorfer Firma funktionieren. (Bild Dominik Wunderli)

Ramatech-Chef Kaspar Randegger zeigt, wie die Maschinen der Hochdorfer Firma funktionieren. (Bild Dominik Wunderli)

RAINER RICKENBACH

Es ging gestern schon fast feierlich zu und her im Ramatech-Gewerbegebäude an der Hochdorfer Hohenrainstrasse. Eine Delegation mit sieben Ingenieuren des chinesischen Staatskonzerns CRRC verfolgte aufmerksam, wie ein Ramatech-Mitarbeiter einen grossen Kabeltrommel-Abwickler in Betrieb setzte. Er gab am Display Daten ein, und das dicke Kabel lag Sekunden später eingeschnitten und in der gewünschten Länge vor. Der Demonstration entlockte den asiatischen Gästen ein anerkennendes Gemurmel. Sie waren zur Maschinenabnahme in die Schweiz geflogen.

Kabel mit grossem Durchmesser

Kabelverarbeitungsmaschinen sind die Spezialität von Ramatech Systems AG. Der kleine Betrieb wurde 1988 vom Ehepaar Kaspar und Erika Randegger in Hochdorf gegründet. Heute beschäftigt das KMU 20 Mitarbeiter und hat für sein Nischenprodukt Kunden in der ganzen Welt. Nebst dem Kabelgeschäft ist Ramatech auch im Verpackungsgeschäft für Lebensmittel tätig.

Abnehmer der Kabelmaschinen sind Schaltschrankhersteller, Liftbaufirmen, Kabelwerke oder eben die Eisenbahnindustrie. Im Gegensatz zu Komax in Dierikon, die sich auf Maschinen für dünne Autokabel spezialisiert hat, entwickelt Ramatech Apparate für grosse, dicke Kabel. «Diese Kabel mit beträchtlichem Durchmesser können viele Maschinenanbieter nicht bewältigen», sagt Ramatech-Chef Kaspar Randegger.

Deutsche Firma mit Aktienmehrheit

Randegger wird dieses Jahr 65 und bereitet den schrittweisen Rückzug von ihm und seiner Frau aus dem Tagesgeschäft vor. Die Nachfolgelösung fand er vor einem Jahr in einem mittelständischen deutschen Unternehmen, das ebenfalls Kabelverarbeitungsmaschinen herstellt. Es handelt sich um Metzner Maschinenbau in Neu-Ulm. Die Firma beschäftigt rund hundert Angestellte. Metzner verfügt über die Aktienmehrheit von Ramatech. Metzner-Verwaltungsratspräsident Gerhard Rauch weiss, was er an den Hochdorfern hat. «Ramatech ist eine Perle in der Branche. Die Firma ist klein und, wie bei den Perlen üblich, besonders wertvoll. Ihr Know-how hat sich nicht umsonst bis nach China herumgesprochen», lobt Rauch. Er beziffert das Auftragsvolumen der chinesischen CRRC auf rund 550 000 Franken.

Das Zusammengehen mit Metzner hilft Ramatech, mit dem Wettbewerbsnachteil des überbewerteten Schweizer Frankens auf dem europäischen Markt besser zurechtzukommen. «Wir haben aus Kostengründen einen Teil der Maschinenfertigung zu unserem deutschen Partner ausgelagert», erklärt Kaspar Randegger.

In Neu-Ulm hergestellt werden Standardmaschinen von Ramatech, die in Serie hergestellt werden. Die Spezialmaschinen, die eine lange Entwicklungsarbeit hinter sich haben, produziert aber weiterhin das Ramatech-Team im Luzerner Seetal. Gemeint sind damit Umspulanlagen, Kabelrollen-Lagersysteme und Spezialmaschinen, deren Herstellung in Grossserien nicht möglich ist. Randegger: «Diese Arbeitsteilung verläuft erfolgreich. Arbeitsplätze mit besonders gut qualifiziertem Personal können in Hochdorf erhalten und wohl bald sogar ausgebaut werden.»

China baut Eisenbahnnetz aus

Ramatech arbeitet trotz dem Zusammengehen mit Metzner weiterhin selbstständig und firmiert unter der eigenen Marke. Wie stark die Hochdorfer künftig wachsen, hängt nicht zuletzt vom Deal mit dem chinesischen Lokomotivenhersteller ab. «China baut sein Eisenbahnnetz stark aus; es sind umfangreiche Investitionen in Lokomotiven geplant. In einer modernen Lokomotive werden dreissig bis vierzig Meter Kabel verlegt. Der Markt bietet für uns sehr interessante Perspektiven», sagt Rauch von Metzner. Randegger von Ramatech ergänzt: «Beim Geschäft mit CRRC handelt es sich um ein Pilotprojekt. Wir gehen davon aus, dass weitere Aufträge folgen werden.»

Unternehmen mit 6000 Leuten

Die Ingenieure vom chinesischen Lokomotivenhersteller CRRC kamen durch Empfehlungen von anderen Ramatech-Kunden in ihrem Land und durch das Internet auf die Kabelverarbeitungsspezialisten im Luzerner Seetal. «Wir haben Vertrauen in die Qualität der Kabelverarbeitungsprodukte», liess sich der Direktor der Entwicklungsabteilung, Shi Jun, durch die Dolmetscherin der Gästegruppe übersetzen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Nähe von Peking, in Datong. Es beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter.

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