Grolsch und Leffe
Hochzeit der Bier-Giganten: 92-Milliarden Fusion erhält grünes Licht

Es wird eine der grössten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte sein. Die EU hat der Milliarden-Fusion der Nummer 1 und 2 im weltweiten Biermarkt seinen Segen erteilt.

Remo Hess, Brüssel
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Prost! Die EU-Kommission gab grünes Licht für die Fusion der Hersteller von Grolsch (SABMiller) und Leffe (Anheuser-Busch InBev).

Prost! Die EU-Kommission gab grünes Licht für die Fusion der Hersteller von Grolsch (SABMiller) und Leffe (Anheuser-Busch InBev).

Keystone

EU-Wettbewerbskommissarin Margerethe Vestager beweist ein Herz für Biertrinker: «Selbst ein relativ geringer Preisanstieg könnte die Verbraucher schädigen», sagte sie am Dienstag in Brüssel. «Unser Hauptanliegen war es daher zu gewährleisten, dass die Übernahme von SABMiller durch AB Inbev nicht zu weniger Wettbewerb auf den europäischen Biermärkten führt», so Vestager. Damit geben die EU-Wächter der Hochzeit ihren Segen.

Die Fusion der Nummer 1 und Nummer 2 auf dem weltweiten Biermarkt fördert einen neuen Giganten zutage. Doppelt so viel Bier wie der nächstgrösste Konkurrent Heineken werden AB Inbev und SABMiller gemeinsam verkaufen. Jedes dritte weltweit getrunkene Bier wird vom neuen Brauerei-Riesen stammen. Um eine allzu grosse Marktmacht zu verhindern, muss SABMiller deshalb den Grossteil seines
europäischen Geschäfts verkaufen. Darunter fallen bekannte Namen wie Grolsch, Peroni oder Pilsener Urquell.

Ein gemeinsames Zuhause finden künftig Marken wie Corona, Budweiser, Becks, Miller oder Fosters, um nur einige zu nennen. Die Übernahme wird eine der grössten überhaupt in der Wirtschaftsgeschichte sein. 92 Milliarden Euro will der belgisch-amerikanische AB-Inbev-Konzern für SABMiller bezahlen. Wie der neue Konzern heissen wird, soll nach der Hochzeit in der zweiten Jahreshälfte feststehen, wie AB-Inbev-Chef Carlos Brito sagte.

Mit der Übernahme zielt AB Inbev unter anderem auf das Brauerei-Netz SABMillers in Afrika und Indien. Diese Märkte versprechen aufgrund der Demografie und steigenden Einkommen grosse Wachstumschancen. Auf der anderen Seite widerspiegelt die Fusion einen seit längerem anhaltenden Trend in der globalen Brauerei-Branche. In den Kernmärkten Europa und Amerika stagniert die Nachfrage. Konfrontiert mit steigenden Rohstoffpreisen, suchen die Konzerne Synergien durch Zusammenschlüsse. Neben einer gewissen Marktsättigung machen den Biergiganten der Trend zu Spezialitäten-Bier und der Siegeszug der Mikrobrauereien zu schaffen.

Auch in der Schweiz sind die Klein- und Kleinst-Brauereien seit einiger Zeit auf dem Vormarsch. Ihre Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Ende 2015 waren insgesamt 664 Brauereien registriert. Deren Marktanteil bleibt jedoch bescheiden. Nur gerade einer von hundert Litern wird in einer Klein-Brauerei hergestellt. Der Rest entfällt auf die 50 grössten Brauereien. Unter denen sind die Grosskonzerne Heineken (Eichhof) und Carlsberg (Feldschlösschen) mit einem gemeinsamen Marktanteil von 70 Prozent klar dominierend.