Lehmann-Millionen
Hoffen auf die Lehman-Millionen

Das Konkursverfahren um die US-Investmentbank Lehman Brothers wird auch in der Region mit Spannung verfolgt. Mehrere Banken haben als Gläubiger Forderungen in Millionenhöhe eingereicht.

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BKB

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Schweiz am Sonntag

Daniel Ballmer und Franz Schaible

Die Liste des amerikanischen Konkursverwalters Epiq Systems ist lang, sehr lang. Über 100 000 Forderungen von Gläubigern aus aller Welt sind darauf aufgeführt. Dabei geht es um Ansprüche von Privatpersonen, Unternehmen sowie staatlichen und privaten Institutionen gegenüber der Mitte September 2008 Bankrott gegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers. Nebst den Grossbanken Credit Suisse und UBS befinden sich auch Banken aus der Region auf der Liste.

Mit fünf Forderungen in der Gesamthöhe von rund 6,63 Mio. US-Dollar macht die Basler Kantonalbank (BKB) Ansprüche geltend. Hinzu kommt eine Forderung der BKB-Pensionskasse von 166 000 Dollar. Für diese Ausstände sei eine vollumfängliche Rückstellung gebildet worden, erklärt BKB-Sprecher Michael Buess.

Die Verluste stammen allesamt aus dem Eigenbestand der Bank. Strukturierte Produkte von Lehman Brothers seien nie auf der Empfehlungsliste der BKB gestanden und den Kunden daher auch nie aktiv angeboten worden.

Dennoch hatten bei Konkurseröffnung insgesamt zwölf BKB-Kunden in ihren Kundendepots strukturierte Produkte der US-Investmentbank. Ihre Verluste haben sie selber zu tragen. Buess: «Wie bei anderen Anlagen trägt der Kunde auch bei strukturierten Produkten das Risiko eines Ausfalls der Gegenpartei.»

Auch die Bank Coop mit Hauptsitz in Basel stellt Forderungen von 5,27 Millionen Dollar. Und dies, obwohl die Bank bei Konkurseröffnung selber über keine Lehman-Wertpapiere verfügt habe, betont Banksprecherin Natalie Waltmann. Entsprechend habe die Bank Coop auch keine Abschreibungen vorgenommen.

Die Krux mit dem Kapitalschutz

Zahlreiche strukturierte Produkte (Derivate) der im September 2008 konkursgegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers waren auch in der Schweiz im Handel. Deren Rückzahlungswert wird jeweils von der Entwicklung eines Basiswertes abgeleitet. Beliebt sind Produkte mit Kapitalschutz; dem Käufer wird garantiert, am Ende der Laufzeit mindestens das eingesetzte Kapital zurückzuerhalten.

Viele Anleger glaubten fälschlicherweise, ihre Anlage sei durch die vermittelnde Bank gedeckt. Vielmehr trägt aber die Herausgeberin (Emittent) der Papiere,
in diesem Fall also Lehman, die Garantie. Falls diese zahlungsunfähig wird, trägt
der Anleger das Risiko. Das nennt sich Emittentenrisiko. Die verkaufende Bank ist dann haftbar, wenn sie beratend tätig war und dabei zu wenig über die «Risiken und Nebenwirkungen» informierte. Der Schaden aus dem Lehman-Crash wird
auf rund 50 bis 75 Milliarden US-Dollar geschätzt. (FS)

Doch: Die Bank hat ihren Kunden, die Anfang Oktober 2008 als kapitalgeschützt bezeichnete Lehman-Produkte hielten, auf Ende der Laufzeit den vollen Kapitalschutz garantiert, die Produkte also zu 100 Prozent übernommen. «Zur Entschädigung der Kunden wurde im Jahresabschluss eine Rückstellung gebildet», sagt Waltmann - genauso wie für die im Liquidationsverfahren angemeldeten Forderungen.

Einen allfälligen Verlust selber tragen müssen dagegen jene Kunden, denen die Bank Coop keinen Kapitalschutz garantiert hat. «Mit Kunden mit nicht kapitalgeschützten Lehman-Produkten wurden individuelle Lösungen getroffen, soweit ein Beratungsfehler der Bank Coop vorlag», sagt Waltmann.

Mit sechs Garantieforderungen ist die Bank Sarasin auf der Liste des US-Konkursverwalters vertreten. «Der im Epiq System erfasste Betrag von rund 112 Millionen Franken umfasst einerseits Bankforderungen, Forderungen der Fondsgesellschaften wie auch Kundenforderungen», erklärt Unternehmenssprecher Benedikt Gratzl.

«Über die Aufteilung unter oder innerhalb dieser Gruppen machen wir keine Angaben.» Die Bank Sarasin habe ihre ausstehenden Forderungen an Lehman vorsorglich im Jahresabschluss 2008 weitestgehend abgeschrieben. Konkrete Zahlen werden keine genannt. Klar aber ist: Hätten Kunden im Rahmen eines definierten Risikoprofils Lehman-Papiere erstanden, müssen sie einen allfälligen Verlust selber tragen.

Wie die anderen angefragten Banken geht auch die Bank Sarasin «sehr wohl davon aus, dass wir für einen Teil unserer Forderungen gegenüber Lehman eine Konkursdividende erhalten». Noch will sich aber niemand zu möglichen Beträgen äussern. Dafür sei es noch zu früh. Denn es sei mit einer mehrjährigen Verfahrensdauer zu rechnen.

In diesem Fall keinen Verlust ausweisen müssen die im Baselbiet angefragten Unternehmen. So habe etwa die Basellandschaftliche Pensionskasse (BLPK) bewusst aus Überlegungen des Risiko- und Kostenmanagements bis heute keine strukturierte Produkte eingesetzt, erklärt der Geschäftsleitungsvorsitzende Hans Peter Simeon. Sämtliche Anlagen der Vorsorgeeinrichtung würden nach einschlägigen Richtlinien zu Marktpreisen bewertet.

Positive wie auch negative Bewertungskorrekturen würden so jederzeit performancewirksam erfasst. Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) wie auch ihre Kunden hätten keine Lehman-Papiere in den Depots. «Wir haben hauptsächlich Schweizer Gegenparteien - und wenn es ausländische sind, dann nur solche mit höchstem Rating», betont Mediensprecher Christoph Loeb.

Vollständige Liste unter: http://chap11.epiqsystems.com/LBH/ Claim/search.aspx