Novartis-Affäre
Holt der Novartis-Verwaltungsrat die Kohlen für Vasella aus dem Feuer?

Der Skandal um Daniel Vasella weitet sich zu einer Affäre des Novartis-Konzerns aus. Es geht nicht nur um die offensichtliche persönliche Gier von Daniel Vasella, sondern um das Aufsichtsgremium, das dieser keine Grenze setzte.

Isabel Strassheim
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Der Hauptsitz von Novartis in Basel

Der Hauptsitz von Novartis in Basel

Keystone

Im Fokus steht der gesamte Verwaltungsrat des Pharmakonzerns. Zweimal hat dieses Gremium dem 72Millionen Franken schweren Konkurrenzverbot zugestimmt, wie es aus Konzernkreisen heisst. Nicht nur der Entschädigungsausschuss, sondern auch der Gesamtverwaltungsrat von Novartis war informiert. Er segnete den Vertrag einstimmig ab. Zuletzt 2010. Der Vertrag ist schon Jahre vor Vasellas erwartbarem Abgang geschlossen worden.
Die vereinbarten sechs Jahre für das Konkurrenzverbot hätten so auch gegolten, wenn Vasella erst mit 70 Jahren den Konzern verlassen hätte, statt nun mit knapp 60.
Summe war bekannt
Im Geschäftsbericht für 2010 heisst es: «Für seine Dienste sowie für die Beachtung des Konkurrenzverbotes wird Dr. Vasella eine marktgerechte Vergütung erhalten.» Die Summe war jedoch bekannt. Sie sollte aber erst so spät wie möglich veröffentlicht werden, auch dies war im Vertrag festgelegt. Als ein an der Börse gelisteter Konzern hätte Novartis dies zwingend erst tun müssen, nachdem die erste Überweisung erfolgt war.
Nun brodelt es im Verwaltungsrat. Es gibt Hinweise darauf, dass vor allem die drei US-Verwaltungsräte nicht mehr bereit sind, für Vasella «die Kohlen aus dem Feuer zu holen». Dabei sind ausgerechnet William Brody und Srikant Datar Mitglieder des Entschädigungsausschusses: Sie waren von Anfang an bei der Vertragsaushandlung dabei. Doch sie haben nun einen Ruf zu verlieren, Brody ist Präsident des kalifornischen Salk Institutes für Biologie und Datar Wirtschaftsprofessor in Harvard. Beide sind in weiteren Verwaltungsräten vertreten. Ebenso wie die dritte Amerikanerin, Ann Fudge.
Verweigern ihnen die Novartis-Aktionäre diesen Freitag die Entlastung, könnte dies unangenehm für sie werden. Um Kompetenz und Reputation geht es auch bei Andreas von Planta. Er ist im Novartis-Verwaltungsrat für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) zuständig. Fragen der «Nordwestschweiz» hierzu beantwortete er nicht. Von Planta ist Partner bei der renommierten Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin in Genf und sitzt im Holcim-Verwaltungsrat. Ausserdem amtet er als Verwaltungsratspräsident der Nationalversicherung. Diese steht jedoch zu ihm: Sein Novartis-Mandat habe keinerlei Verbindung zu seiner Funktion bei Nationale Suisse, hiess es gestern offiziell.
«Wir werden diese Generalversammlung mit aller Professionalität absolvieren. Voraussichtlich wird es viele Fragen geben, und diese Fragen werden wir im Rahmen der anwendbaren Rechtsnormen selbstverständlich beantworten», sagt Novartis-Chefjurist Felix Ehrat.