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Holzbetriebe bangen um Nachschub: Neue Holzbau AG schlägt Alarm

Eigentlich könnte in der Schweiz viel mehr Holz geschlagen werden. Die Entwicklung geht aber in eine andere Richtung. Betriebe wie die neue Holzbau AG in Lungern bangen um Nachschub.
Raphael Bühlmann
Sascha Abplanalp, Chef der neuen Holzbau AG, am Sitz des Unternehmens in Lungern. (Bild: Manuela Jans-Koch (27. März 2019))

Sascha Abplanalp, Chef der neuen Holzbau AG, am Sitz des Unternehmens in Lungern. (Bild: Manuela Jans-Koch (27. März 2019))

Der Schweizer Wald sah schon bessere Tage. Nein, die Rede ist nicht von Nährstoffeintragungen, Borkenkäfer oder einem mysteriösen Waldsterben. Auch der Einfluss des Menschen hat im vorliegenden Fall nichts mit der Misere zu tun – im Gegenteil. Der Schweizer Wald ist unternutzt. Laut dem Branchenverband Wald Schweiz beträgt der jährliche Holzverbrauch rund 11 Millionen Kubikmeter. Nachhaltig könnten in der Schweiz eigentlich 7 bis 8 Millionen Kubik geschlagen werden – tatsächlich sind es 4,5 Millionen. Das Ergebnis: viele Bestände überaltern, werden so für die Verarbeitung uninteressant und der Wald wächst und wächst – hierzulande jährlich um 5400 Hektaren, die Fläche des Thunersees.

Sascha Abplanalp zieht ein ernüchterndes Fazit: «Das Problem ist, dass sich die Ernte für die Waldbesitzer kaum mehr rechnet.» Abplanalp ist Geschäftsführer der neuen Holzbau AG in Lungern und fürchtet, in ferner Zukunft nicht mehr genügend Schweizer Holz zu erhalten, um seinen Bedarf decken zu können. Die Gründe der Unternutzung seien vielschichtig, so Abplanalp. Zunächst sei da die ausserordentlich lange Zeitspanne von der Investition bis zum Profit. «Wer investiert schon in einen jungen Wald, der erst in ein paar Jahrzehnten ­einen Ertrag abwirft», so Abplanalp. Er plädiert deshalb für die Pflanzung von schneller wachsenden, alternativen Hölzer wie zum Beispiel der Douglasie.

Beitrag zur dezentralen Besiedelung

Doch der Zeitgeist sei derzeit ein anderer. «Der Wald wird heute in der dicht besiedelten Schweiz vor allem als Freizeit-, Erholungs- und Naturschutzgebiet verstanden. Die Nutzung geht völlig ­vergessen», so Abplanalp. Eine Nutzung, die beispielsweise gegenüber Importen aus Skandinavien bereits aus topografischen Gründen Wettbewerbsnachteile habe. Exemplarisch dafür steht auch Abplanalps neue Holzbau AG. Umringt von steilsten, felsbrüchigen Berghängen auf halbem Weg zum Brünigpass gelegen, ist die Waldbewirtschaftung hier eine echte Herausforderung. In Hanglagen, wo keine Vollernter zum Einsatz kommen und mit Seilbahnen oder gar Helikoptern gearbeitet werden muss, wird die Ernte teuer. Für Holzbauer Abplanalp ist deshalb klar: «Wir müssen der Entwicklung entgegenwirken. Holz ist der einzige Baustoff, welcher in der Schweiz in grossen Mengen nachwächst und zudem auch noch klimaneutral ist.» Es gehe nicht weniger als um die Existenz eines ganzen Branchenzweigs. Nachdem in den vergangenen Jahren immer mehr Waldbesitzer die Bewirtschaftungen aufgegeben hätten, stelle man nun fest, dass die Investitionen im Bereich der Sägereien stagnierten. «Eine gefährliche Entwicklung; wir müssen in der Schweiz die gesamte Holzkette haben und dafür sorgen, dass keine Lücken im Holzverarbeitungsprozess entstehen.»

Laut Abplanalp sei die Entwicklung auch von gesellschaftspolitischem Interesse. Mit jedem schliessenden Forst- oder Sägereibetrieb verschwänden auch wichtige Arbeitsplätze. Zusammen mit der Landwirtschaft sei die Holzbranche massgeblich für die dezentrale Besiedelung verantwortlich. So ist beispielsweise auch die neue Holzbau AG ein grosser Arbeitgeber in Lungern. Sascha Abplanalp: «Lungern ist kein Nachteil. Der Standort stellt für uns eines der besten Einzugsgebiete für die Rekrutierung von Fachkräften dar.» Insgesamt 60 Arbeitsplätze bietet der Betrieb inklusive einiger Planer und Ingenieure in Aussenbüros in der Deutschschweiz und im Tessin. «Wir können uns noch so gut mit Maschinen und Anlagen ausrüsten, das Wichtigste bleibt der Mensch, der solche Bauteile erschafft», sagt Abplanalp und deutet in der Produktionshalle in Lungern auf eine Brücken­konstruktion mit den eindrücklichen Abmessungen von 30 mal 5 Metern. Die Verbindungen der Fachwerkstäbe sucht man vergeblich. Man sieht weder Schraube noch Nagelblech.

«Unser Geheimnis ist die firmeneigene GSA-Technologie. Mit Epoxidharz ins Holz eingeleimte Gewindestangen ermöglicht uns, leistungsfähig und praktisch unsichtbar Holzbauteile miteinander zu verbinden», verrät Abplanalp. Man habe das System bis an die Belastungsgrenze und darüber hinaus getestet. «Die Verbindung ist so konzipiert, dass die schwächste Stelle in der Stahlgewindestange liegt. So können wir die Verbindung optimal bemessen und ausnutzen.»

Die Kunden der neuen Holzbau AG sind unter anderem Holzbauer, die solche Spezialanfertigungen in Lungern produzieren lassen. «Wir selbst montieren nicht. Unser Fokus liegt bei der Tragwerkslieferung inklusive dazugehörigen Dienstleistungen», so Abplanalp. Die Technik sei weit über die Landesgrenzen hinaus gefragt. Jüngst habe man Konstruktionen nach England, Australien oder Norwegen geliefert. Aber natürlich auch in der Schweiz realisiere man viele kleinere und grössere Objekte, wie etwa die neue Halle der Pilatus Flugzeugwerke, die zudem grösstenteils noch mit Schweizer Holz gebaut worden sei.

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