HOLZINDUSTRIE: Kronospan glaubt an Menznau

Kronospan baut für 80 Millionen Franken eine neue Produktionsanlage in Menznau. Eine Auslagerung von Arbeitsplätzen steht nicht zur Diskussion.

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Kronospan-CEO Mauro Capozzo (links) und Jürg Meier, Kaufmännischer Direktor, 
in der Produktionsanlage in Menznau. (Bild Eveline Beerkircher)

Kronospan-CEO Mauro Capozzo (links) und Jürg Meier, Kaufmännischer Direktor, in der Produktionsanlage in Menznau. (Bild Eveline Beerkircher)

Maurizio Minetti

«Wenn die Schweiz weiter so deindustrialisiert wird, haben wir bald nur noch Banken und Versicherungen.» Mauro Capozzo nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, den Produktionsstandort Schweiz zu verteidigen. Der 51-Jährige weiss, wovon er spricht. Seit bald dreissig Jahren arbeitet Capozzo bei der Kronospan in Menznau, die letzten acht Jahre als CEO der Schweizer Niederlassung. Mittlerweile beschäftigt der Holzverarbeiter 440 Personen im Luzerner Hinterland. Der Jahresumsatz beträgt geschätzte 250 Millionen Franken.

Neue Spanplattenlinie

Und jetzt steht der nächste Ausbauschritt bevor. Kronospan Schweiz will 80 Millionen Franken in eine neue Produktionsanlage investieren. Die Mittel werden aus der Kronospan-Gruppe geschöpft, die weltweit fast 5000 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich rund 2 Milliarden Franken umsetzt. Die bestehenden Anlagen für die Produktion von Spanplatten sind in die Jahre gekommen und müssen teilweise ersetzt werden. Mit der neuen Anlage soll die Produktion von leichteren und ressourcensparenden Produkten möglich sein. Eine potenzielle Nische wird die Herstellung von leichten Spanplatten sein. «Die Endkunden wollen leichtere Möbel», erklärt Mauro Capozzo.

Ausserdem wird die Werkstatt intern umplatziert. Allein der Bau der neuen Spanplattenlinie wird 60 Millionen kosten; 12 Millionen werden für eine neue Logistiklösung mit integriertem Hochregallager für Rohplatten investiert. Der Rest wird für ein neues Verwaltungsgebäude und andere Ausbauten in Menznau verwendet. Zudem wird in Menznau die Forschung und Entwicklung konzentriert, die bisher auf diverse Standorte der Gruppe verteilt war.

Holz wird knapp

Der Zeitpunkt des Vorhabens überrascht, denn seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank im Januar sind die Kosten eines produzierenden Betriebes in der Schweiz quasi über Nacht in die Höhe geschnellt. Gerade auch für Firmen wie Kronospan, die in den EU-Raum exportieren. Kommt hinzu, dass die Ressource Holz in der Schweiz derzeit eher knapp ist. Da importiertes Holz aufgrund des schwachen Euro billiger und gleichzeitig der Export deutlich schwieriger wurde, sind die Holzpreise um bis zu 15 Prozent gesunken. Die Preissenkung werde sich negativ auf die Ernte und die Einnahmen der Schweizer Forstbetriebe auswirken, heisst es in der kürzlich publizierten Forststatistik der Bundesämter für Statistik und Umwelt. Einerseits profitiert Kronospan von tieferen Einkaufspreisen bei den Forstbetrieben, andererseits ist die Firma aber darauf angewiesen, dass Schweizer Forstbetriebe genug Holz produzieren. Der Bau der neuen Anlage sei also auch als Massnahme zu verstehen, die Nachfrage nach Schweizer Holz anzukurbeln und langfristig zu sichern, sagt Mauro Capozzo.

Kronospan setzt auf Swissness

Zahlreiche exportorientierte Firmen aus der Region mussten in den letzten Monaten Arbeitszeiten verlängern oder haben gar Stellen ins billigere Ausland verlagert. Nicht so die Kronospan. «Wir haben in der Vergangenheit mehrmals antizyklisch investiert und waren parat, wenn die Konjunktur wieder anzog», sagt der Firmenchef. Man merkt im Gespräch schnell, dass Capozzo den Swissness-Faktor verinnerlicht hat: «Wir sind der weltweit einzige Holzwerkstoffproduzent, der von sich behaupten kann, 80 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz zu generieren.»

Wie geht dies angesichts gesunkener Margen für exportierende Betriebe auf? «Kronospan beliefert mit seinen Spanplatten zunehmend hochwertige Möbelproduzenten oder Händler, die bereit sind, für Qualität einen höheren Preis zu bezahlen», erläutert Capozzo. Der Anteil herkömmlicher Produkte, die auch andere genauso gut produzieren können, ist hingegen in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. Statt alles Mögliche zu produzieren, hat sich Kronospan auf hochwertige Nischen spezialisiert, die eine bessere Marge versprechen. «Wir wollen bei der Qualität eine Vorreiterrolle spielen», sagt Capozzo.

Während das Verwaltungsgebäude bereits im Bau ist, tut sich in der Produktionshalle nebenan noch nichts. «Da wir höher bauen, brauchen wir eine Baubewilligung. Wir hoffen, diese im Herbst zu bekommen», sagt Jürg Meier, der bei Kronospan als Kaufmännischer Direktor tätig ist. Ausserdem braucht es eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die kantonale Verwaltung nehme ihre Aufgabe aber speditiv und unbürokratisch wahr, beeilt man sich bei Kronospan zu betonen. Das Verhältnis mit den zuständigen Stellen sei hervorragend, und man gehe nicht davon aus, dass es Einsprachen geben werde.

2017 soll die Anlage fertig sein

Geht alles nach Plan, dürfte die neue Anlage Mitte 2017 fertiggestellt sein. «Das ist ambitiös, aber machbar», gibt sich Capozzo zuversichtlich. Die neue Anlage und die moderne Logistik erlauben es, Arbeitsschritte zu automatisieren. Wo heute acht Personen an einer Maschine stehen, werden es künftig vielleicht drei sein. Durch die neue Logistik verringert sich der Verkehr der Gabelstapler. Kronospan will aber an der aktuellen Mitarbeiterzahl festhalten und mit dieser Investition die Jobs langfristig sichern. Capozzo räumt ein, dass es künftig mehr Kompetenzen in Bereichen wie Beratung und Marketing brauche. Das Unternehmen hatte zuletzt nach der Finanzkrise vor sieben Jahren Abgänge von Mitarbeitern nicht ersetzt. Doch diese Zeiten sind vorbei. «Die Geschäftsleitung und die Inhaberfamilie Kaindl glauben an den Standort Schweiz und werden auch weiter investieren», betont Firmenchef Capozzo.