Was tun, wenn's im Homeoffice zu eng wird?

Diverse Coworking-Betreiber rühren derzeit aktiv die Werbetrommel für ihre Angebote. Sie glauben, dass das Interesse bald stark zunehmen könnte.

Gregory Remez
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Besucher des Coworking-Anbieters 6280.ch in Hochdorf arbeiten aktuell mit einem Sicherheitsabstand.

Besucher des Coworking-Anbieters 6280.ch in Hochdorf arbeiten aktuell mit einem Sicherheitsabstand.

Bild: Boris Bürgisser (27. März 2020)

So allmählich dämmert uns, die wir derzeit tagtäglich im Homeoffice sitzen: Daheim zu arbeiten, ist nicht immer einfach. Wer alleine lebt, den holt früher oder später die Einsamkeit ein. Und wer einen Partner und zudem noch Kinder hat, die in diesen ausserordentlichen Tagen ebenfalls zu Hause sind, merkt irgendwann, dass es in den eigenen vier Wänden auf Dauer ganz schön eng werden kann.

All jene, denen die Decke im Homeoffice schon jetzt auf den Kopf fällt oder die sich einfach nur nach einem Tapetenwechsel sehnen, werden von einigen Coworking-Betreibern derzeit mit speziellen Angeboten angelockt. Der Begriff Coworking steht für eine Form der Zusammenarbeit, bei der Kleinstunternehmer, Kreative und Start-ups zwecks Austausch und Flexibilität einen Platz in einem Grossraumbüro mieten. In Zeiten von Corona werden die Arbeitsflächen aber auch schlicht als Alternative zur Arbeit im eigenen Zuhause angepriesen.

«Wir bewerben unsere Coworking-Plätze seit ein paar Tagen auf diversen sozialen Plattformen», sagt etwa Zsuzsa Schärli, Leiterin von 6280.ch in Hochdorf, dem grössten Coworking-Betreiber im Kanton Luzern. Im Vorfeld habe sie natürlich abgeklärt, ob die Plätze überhaupt weiterbetrieben werden dürfen. Das Luzerner Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement habe schliesslich grünes Licht gegeben – unter der Voraussetzung, dass die aktuellen Schutzmassnahmen des Bundesamts für Gesundheit eingehalten werden. Im Fall von Grossraumbüros heisst das: mindestens zwei Meter Abstand zwischen den Arbeitsplätzen. «Bei einer Bürofläche von tausend Quadratmetern ist das für uns gar kein Problem», sagt Schärli.

Coworking: Ein Rezept gegen Virusverbreitung?

Ein anderer Coworking-Betreiber aus der Stadt Luzern geht noch weiter. Seit rund einer Woche lockt der Coworking-Space am Hirschengraben mit einem «Corona-Spezialangebot» zu vergünstigten Konditionen. Noch sei die Resonanz bescheiden, sagt Hirschengraben-Coworking-Präsident Manuel Brun. In den letzten Tagen hätten fünf Leute einen Arbeitsplatz gemietet, weil sie nicht von Zuhause aus arbeiten wollten. Er glaube aber, dass das Interesse in den kommenden Wochen stark zunehmen könnte.

Die Werbetrommel rührt derzeit auch Office Lab, der grösste Coworking-Anbieter der Schweiz, der unter anderem Arbeitsflächen im Zuger Freiruum betreibt. Auf der Website des Unternehmens wird Coworking gar als mögliches Rezept gegen die stärkere Ausbreitung des Coronavirus bezeichnet: «Trotze dem Virus mit Office-Splitting. Falls du dafür nicht über die nötigen Räumlichkeiten verfügst, stellt sich Coworking als die geeignete Massnahme dar», heisst es in einer Passage.

Unter Office-Splitting ist dabei die Praxis zu verstehen, Angestellte in unternehmenskritischen Funktionen auf verschiedene, notfalls auch externe Büros aufzuteilen, wie sie beispielsweise bereits von der UBS, der Credit Suisse oder dem Schwyzer Logistikkonzern Kühne + Nagel umgesetzt wird. «Da nicht alle Unternehmen über entsprechende Räumlichkeiten verfügen, um die aufgeteilten Abteilungen unterzubringen, sind Coworking-Anbieter derzeit überaus gefragt», sagt Office-Lab-CEO Roger Krieg.

Die Betreiber von Coworking-Plätzen rechnen denn auch damit, dass es nach der Lockerung der bundesrätlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie einen regelrechten Ansturm auf Coworking-Angebote geben dürfte. «Es findet gerade ein Umdenken sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite statt», sagt Jenny Schäpper-Uster, Verwaltungsrätin der Genossenschaft Village Office und ehemalige Präsidentin von Coworking Schweiz. «Die Akzeptanz für neue Arbeitsformen dürfte nach Corona um einiges grösser sein.»

Arbeiten im Hotelzimmer

Die Zeichen der Zeit haben beispielsweise auch kreative Hotelbetreiber erkannt. Seit Mitte März bietet etwa das Lofthotel Murg am Walensee im Kanton St. Gallen seine Zimmer als Büroflächen an – um zumindest einen Teil der eingebrochenen Einnahmen zu kompensieren. Bei einer Umfrage unter Luzerner Hotels, die derzeit ebenfalls stark unter Druck sind, zeigt sich: Beinahe alle, die noch geöffnet haben, sind ebenfalls bereit, ihre Zimmer an Leute zu vermieten, die einen Arbeitsplatz suchen. «Konkrete Anfragen hatten wir zwar noch nicht, aber wenn jemand Interesse hat, finden wir sicher eine Lösung. Platz haben wir ja», sagt Brigitte Heller, Direktorin des Hotels Monopol. «Das ist eine schöne Idee, die wir bei Bedarf gerne auch bei uns umsetzen», heisst es bei der Kette Ibis. (gr)

«Mein Chef mag kein Homeoffice. Was soll ich tun?»

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Nadja Rohner und Noemi Lea Landolt