HORW: Massgeschneiderte Skischuhe aus dem 3D-Drucker

Ein Start-up baut Sohlen und neu auch Skischuhe um den Fuss herum. Dazu scannt Tailored Fits Füsse millimetergenau und druckt dann den massgeschneiderten Schuh.

Raphael Bühlmann
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Das Horwer Start-up Tailored Fits druckt unter anderem Innenschuhe für Skiboots. (Bild:)

Das Horwer Start-up Tailored Fits druckt unter anderem Innenschuhe für Skiboots. (Bild:)

Raphael Bühlmann

Schnell ist klar: «Tailored Fits» hat sich voll und ganz dem 3D-Druck verschrieben. Sogar der Kaffee wird beim Jungunternehmen in einer gedruckten Tasse serviert. 2016 als Aktiengesellschaft gestartet, bearbeitet das Start-up den Markt heute von einem Büro in Horw aus. «Unsere Kernkompetenz liegt im Druck von thermoplastischem Polyurethan – einem weichen Kunststoff», erklärt Gründer und Inhaber Reto Rindlisbacher beim ­Besuch unserer Zeitung.

Klassischerweise entstünden im 3D-Drucker eher festere ­Materialien. Nach zweijährigem Tüfteln sei es Rindlisbacher nun gelungen, auch Materialien zu produzieren, die nach dem Druck flexibel bleiben. «Damit können wir den Anwendungsbereich um ein Vielfaches erweitern», so Rindlisbacher.

Steifigkeit und Dämpfung lassen sich anpassen

Der studierte Marketingspezialist arbeitet unter anderem bereits für Zahnbürstenhersteller Trisa sowie die Wintersportfirmen Völkl oder Nordica. Letzteres ­Engagement hat ihn auf die Idee gebracht, auch Skischuhe zu drucken. Denn gerade hier biete der Druck Vorteile. «Jeder Skifahrer kennt das Problem, dass ein Skischuh nicht richtig sitzt. Spätestens nach einem ganzen Tag auf der Piste merkt man Druckstellen oder aber, dass man im Schuh rutscht», so Rindlisbacher. Bei Tailored Fits werde aber jeder Fuss im Vornherein millimetergenau ausgemessen. Dies geschehe direkt im Sportfachgeschäft, welchem Tailored Fits die Vermessungstechnik zur Verfügung stelle. «Der berührungslose Scanprozess, der die Fussgeometrie des Kunden erfasst, dauert nur ein paar Minuten», so Rindlisbacher. Zusätzlich zu dem Scan erfasse der Fachhändler Gewicht und Sohlenlänge und weitere Präferenzen des Kunden.

«Der Entwurfsprozess der ­inneren Skischuhgeometrie ist auch voll automatisiert. Durch den individuellen Scan und die Gewährleistung einer Einzel­anfertigung können wir auch auf die jeweiligen Vorlieben des ­Kunden in die Produktion des Innenschuhs Rücksicht nehmen», sagt Rindlisbacher weiter. Denn neben der Verwendung eines flexiblen Materials zeichne sich der Schuh auch durch die miteingedruckten Hohlräume aus. Die Steifigkeit oder Dämpfung lasse sich so ebenfalls dem einzelnen Kundenwunsch anpassen.

Rindlisbacher sieht in dem Geschäftsmodell auch Vorteile für den Handel, denn man produziere nur auf Bestellung. «Fachgeschäfte müssen keine Produkte vor Ort an Lager halten und haben nicht das Risiko, dass sie auf Waren sitzen bleiben. Nichtverkaufte Artikel zählen bei Sportfachgeschäften zu den grössten Risiken», so Rindlisbacher.

Der gedruckte Skischuh wird 1500 Franken kosten

Sind die Daten beim Kunden erst einmal erfasst, werden diese an einen 3D-Druckspezialisten nach Belgien digital übermittelt, welcher den massgeschneiderten ­Innenschuh binnen zehn Tagen druckt. «Passgenauer geht es nicht», sagt Rindlisbacher weiter. Die harte Schale stamme ebenfalls von einem erfahrenen Zulieferer. Der komplette Skischuh werde im Verkauf rund 1500 Franken kosten.

Bereits heute auf dem Markt präsent ist Tailored Fits mit gedruckten Einlegesohlen. Je nach Gebrauch und Bedürfnissen produziert Tailored Fits bereits solche für die individuellen Ansprüche. «Ob Biken, Laufen oder Skifahren, jede Aktivität stellt andere Herausforderungen an eine Sohle», so Rindlisbacher. Eine 50 Kilogramm schwere Person, die Golf spielt, braucht ihre Füsse ganz anders als ein Jogger von 80 Kilogramm Körpergewicht. Die Sohle kostet knapp 200 Franken pro Stück.