Tourismus
Hotelier-Chef: «In der Krise sind wir Schweizer solidarisch»

Der erfahrene Bündner Hotelier Ernst Wyrsch über den Weg der Schweizer Hotels aus der Krise — und warum dabei die Touristen aus der Schweiz und aus China besonders wichtig sind.

Fabian Hock
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Optimistischer Hotelier

Optimistischer Hotelier

KEYSTONE

Herr Wyrsch, um den Tourismus aus der Krise zu führen, will der Tourismusverband nun besonders auf die Schweizer setzen und sie zum Urlaub im eigenen Land motivieren. Halten Sie das für richtig?

Ernst Wyrsch: Wir haben immer mehr Einwohner, die Schweiz wächst. Und wir haben genügend Geld. Ich halte es daher als Sofortmassnahme für folgerichtig.

Aber auf längere Sicht wird das kaum reichen.

Mittelfristig müssen wir neben dem einheimischen und den aufstrebenden Märkten in Asien auch die alten europäischen Märkte wieder bearbeiten. Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt.

Genau dort brechen die Zahlen gerade ein. Können Schweizer und Asiaten die Ausfälle kompensieren?

Wir können nicht alles kompensieren, aber einen Teil. In der Krise sind wir Schweizer solidarisch. Wir haben gelernt, mit solchen Situationen umzugehen. Mittel- und langfristig gesehen bin ich alles andere als pessimistisch.

Obwohl 2014 schweizweit mehr in Hotels übernachtet wurde als im Vorjahr, mussten viele Bergregionen einen Rückgang verkraften. Warum fiel er in Graubünden besonders hoch aus?

Wir haben mit Tirol und Vorarlberg starke und vor allem günstigere Konkurrenten, die für Zürcher, Basler und Aargauer auch gut zu erreichen sind. Ausserdem haben wir in Graubünden mehr Betten als andere, deshalb spüren wir den Rückgang noch deutlicher.

Nach Graubünden verirren sich verhältnismässig wenig Touristen aus Asien. Fahren Asiaten nicht gern Ski?

Ski fahren sie schon. Sie buchen aber vor allem Bustouren durch die Schweiz oder gar durch Europa. In der Schweiz besuchen sie Hot Spots wie die Jungfraubahn oder Ziele in Luzern. Dort bleiben sie eine Nacht und fahren dann weiter. Graubünden fehlt in vielen dieser Touren.

Was unternehmen Sie, um Touristen aus Asien anzulocken?

Aus China kommen immer mehr Urlauber ins Land. Unser Ziel ist, dass sie nach ihrer ersten Tour ein zweites Mal kommen und dann länger bleiben. Davon würden auch die Bergregionen profitieren. In St. Moritz und Davos wird schon viel unternommen, dort gibt es bereits chinesische Skilehrer und Personal.

Welche Rolle spielt der starke Franken für die Gäste aus China?

Einen kleineren als bei den Europäern. Die Chinesen sind nicht so preissensitiv. Bei ihnen spielt auch der Dollar eine wichtige Rolle — und dieser ist nicht so abgestürzt wie der Euro.

Sehen wir also bald mehr chinesische Touristen auf den Schweizer Skipisten?

Der Schweizer Tourismus veranstaltet heute schon Kongresse in China, um die Leute dort von Individualreisen in die Schweiz zu überzeugen.