HOTELLERIE: Hotel Palace Luzern: Das Pokern geht weiter

Keine Klarheit im Übernahme-Poker um die Victoria-Jungfrau Collection. Während der chinesische Investor Yunfeng Gao inzwischen abgesprungen ist, liegt nun die Familie Manz vorne.

Bernard Marks
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Ein neuer Besitzer für das Luzerner Palace-Hotel wird weiter gesucht. (Bild Philipp Schmidli)

Ein neuer Besitzer für das Luzerner Palace-Hotel wird weiter gesucht. (Bild Philipp Schmidli)

Die Spannung steigt im Bieterstreit um die Luxushotelgruppe Victoria-Jungfrau Collection (VJC), die neben dem Grand Hotel & Spa in Interlaken, dem Bellevue Palace in Bern, dem Eden au Lac in Zürich auch das Luzerner Palace-Hotel führt. Von drei Investoren sind nur zwei übrig geblieben. Die Swiss Private Hotel AG der Familie Manz hatte kürzlich das Angebot der Aevis Holding für die Belle-Epoque-Paläste um 5 Franken auf 310 Franken pro Aktie überboten. Kurz zuvor hatte sich der chinesische Investor Yunfeng Gao zurückgezogen. «Auch Gao wollte den Aktionären 310 Franken pro Aktie bieten», sagte Toni Bucher, CEO der Sarner Eberli-Bauunternehmung und Geschäftspartner von Gao. Weil die Kapitalvorschriften in China aber komplex seien, hätte Gao für das Investment aber mehr Zeit benötigt. Ein offizielles Angebot hat Gao nie abgegeben.

Schweizer Hoteldynastie

Die Familie Manz hat nun im Poker um die Hotelkette die Nase vorne. Die Schweizer Hoteldynastie betrieb einmal ein Imperium mit über 50 Hotels und Gastbetrieben. Derzeit gehören zu den Manz Privacy Hotels das Fünf-Stern-Boutique-Hotel De La Paix in Genf, die Viersternhäuser St. Gotthard in Zürich, Euler in Basel und Continental in Lausanne sowie das Dreisternhotel City Inn in Basel. Zudem ist die Familie Manz an der südamerikanischen Hotelkette Oro-Verde-Gruppe mit fünf Luxushotels in Ecuador beteiligt. Chefin Ljuba Manz will jetzt 51 Prozent der VJC-Aktien. Dazu muss sie aber einen Teil der VJC-Grossaktionäre auf ihrer Seite haben. «Die VJC hat schwierige Zeiten und Verluste hinter sich», sagte sie. Die Familie Manz wolle sich für die Luxushotellerie der Schweiz engagieren und neue Konzepte umsetzen. Der VJC-Verwaltungsrat will allerdings eigentlich mehr Geld für das Unternehmen: Man sehe den fairen Preis für die Häuser bei 300 bis 325 Franken pro Aktie und begründet dies mit dem wirtschaftlichen Potenzial, das in den vier Häusern steckt. Wie Aevis jetzt auf das Angebot der Familie Manz reagiert, ist noch offen.

Gao weiter an Hotels interessiert

Yunfeng Gao zeigt sich auf Anfrage nach seinem Ausscheiden im Bieterstreit weiterhin interessiert an Hotels in der Zentralschweiz. Der 46-jährige Unternehmer besitzt in der Zentralschweiz das Hotel Frutt Lodge in Melchsee-Frutt und das Hotel Europäischer Hof/Europe in Engelberg. Zudem ist Yunfeng Gao an der Sarner Bauunternehmung Eberli beteiligt. Es gebe aber auch andere Chancen, die man nutzen müsse, so Gao. Die Zukunft würde zeigen, wo er investieren werde, sagte Bucher.