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HOTELLERIE: Marcel Thoma: «Das Umfeld macht es uns hier einfacher»

Der Ostschweizer Marcel Thoma (40) führt seit acht Jahren das Fünfsternehotel «The Upper House» in Hongkong. Er verrät, was in der Spitzenhotellerie zählt und wie wichtig für seine Branche Social Media und prominente Gäste wie Victoria Beckham sind.
Ernst Meier
Blick aus einem Zimmer des «Upper House» auf Hongkong. Das Fünfsternehotel gehört laut «Bilanz»-Ranking zu den drei weltbesten Stadthotels. (Bild: PD)

Blick aus einem Zimmer des «Upper House» auf Hongkong. Das Fünfsternehotel gehört laut «Bilanz»-Ranking zu den drei weltbesten Stadthotels. (Bild: PD)

Interview: Ernst Meier

Marcel Thoma, wie gelangt man aus dem kleinen Gossau nach Hongkong und wird Direktor eines der weltbesten Hotels?

Sehr viel im Leben geschieht aus Zufall. Mich hat die Hotellerie immer interessiert: Reisen, Leute kennen lernen, Neues entdecken – das hat mich fasziniert. Deshalb entschied ich mich für den Hotelberuf. Der Rest war Zufall.

Nur Zufall?

Natürlich braucht es auch sehr viel Leidenschaft. Die war bei mir immer da. Wenn man im Leben etwas will und bereit ist, alles dafür zu geben, dann kann man es erreichen. Als 18-jähriger Kantonsschüler habe ich in der Nähe von St. Gallen ein Praktikum in einem Hotel absolviert. Da wusste ich bereits, ich will einmal im Ausland in einem Hotel arbeiten. Dass ich kurz darauf – noch vor der Hotelfachschule in Lausanne – ein erstes Praktikum in Bangkok machen durfte, verdankte ich vor allem guten Beziehungen.

Sie führten vor Hongkong ein Hotel in New York. Wie unterscheidet sich die Hotellerie von jener hier in Hongkong?

Die Herausforderungen sind sehr unterschiedlich. Vom Wirtschaftlichen her betrachtet, ist die Hotellerie in New York teurer; man hat höhere Lohnkosten, auch der ganze Unterhalt eines Hotels ist kostspieliger. In Asien ist es einfacher, Angestellte zu finden, die mit Leidenschaft Gäste bedienen. Schwieriger hingegen ist es, hier Mitarbeiter zu finden, die auch unterhalten können. Hotelgäste wollen informiert, beraten und unterhalten werden. Die Menschen in Hongkong sind sehr korrekt, freundlich und immer sehr konform. Das unterscheidet sich stark von New York, wo sich die Menschen viel individueller und ausgefallener geben.

Könnten Sie sich vorstellen, nach New York und Hongkong ein Hotel in der Schweiz zu führen?

Nein, das würde mir schwerfallen. Natürlich gibt es auch in der Schweiz Top-Hotels. Ich denke da an das «Dolder» oder das «Baur-au-Lac» in Zürich, das «Badrutt’s Palace» in St. Moritz, aber auch das «Beau-Rivage» in Lausanne. Die Herausforderung, ein solches Hotel zu führen, ist jedoch ganz anders, denn die Schweizer Hotellerie befindet sich in einer ­anderen Zeit. Für sie ist es schwieriger, Gästen aus dem Ausland eine längere Aufenthaltsdauer schmackhaft zu machen. Das Geschäft ist sehr saisonal, am besten läuft es wohl noch während der Skiferien. Wer bucht schon im April eine Woche Aufenthalt in einem Schweizer Luxushotel? Die meisten Gäste bleiben nur ein paar Tage. In Millionenmetropolen wie Hongkong oder New York ist immer etwas los. Das macht es viel einfacher, Touristen länger zu beherbergen.

Ist die Schweiz zu langweilig?

Wenn man Schweizer Städte wie Zürich oder Genf mit internationalen Metropolen vergleicht, ja. Sehen Sie, ein fantastisches Hotel kann nicht allein existieren. Auch das Umfeld und das Angebot in der Region müssen stimmen. Ich war vor einem Jahr mit chinesischen Gästen in Zürich. Als wir um 21.15 Uhr in einem Restaurant noch etwas essen wollten, hiess es, die Küche sei geschlossen. Jemand, der sich Hongkong, Schanghai oder Singapur gewohnt ist, kann so etwas nicht verstehen.

Dafür ist die Konkurrenz in Hongkong wohl grösser. Wie unterscheidet sich das «Upper House» von anderen Spitzenhotels in der Stadt?

Unter den Stadthotels in Hongkong nehmen wir eine spezielle Stellung ein. Mit 117 Zimmern ist «The Upper House» eher ein kleines Hotel; wir sind das einzige Luxushotel in dieser Grösse. Wir unterscheiden uns auch mit der Umgebung und der Bedienung. Wir haben kein Frontdesk, legen grossen Wert auf persönliche Begrüssung und Bedienung. Wir vermitteln den Gästen ein entspanntes Lebensgefühl mit hoher individueller Servicequalität.

Was macht ein Trend-Hotel aus? Was ist für Sie «trendy»?

Trendy? Uii, das ist ein schwieriges Wort. Und die Gefahr ist, dass man «trendy» mit kurzfristigen Modetrends verwechselt. Solche sind meist ein halbes Jahr interessant und dann wieder out. Bei «The Upper House» legen wir Wert darauf, dass unsere Vorzüge zeitlos sind. Ruhige Farben, hochstehende Materialien wie Holz, Leder, Stoff. Ein gutes Bett, ein perfekt hergerichtetes Zimmer mit freier Sicht auf den Victoria Harbour und ein professioneller Service – vom Empfang übers Essen bis zur Freizeitberatung – sind wichtiger als kurzlebige Modetrends.

Was macht Hongkong aus?

Hongkong ist China und trotzdem anders. Sie finden fast niemanden hier, der nicht Englisch spricht. Gerade in der Hotellerie haben viele Arbeitskräfte im Ausland studiert – in den USA, in Australien oder auch in der Schweiz. Hongkong ist das Tor zu Asien. Dies trifft auf den Welthandel und den Tourismus zu. Die Geschäftstätigkeit auf kleinstem Raum ist einzigartig. In Hongkong finden Sie alles.

Sie sind sehr aktiv auf Social Media, selbst beim Interview blinkt Ihr Handy ständig auf.

Social Media ist als Werbe- und Kommunikationsplattform enorm wichtig. Pro Tag erhalte ich bis zu fünf Reservationen via Instagram oder Facebook. Und weltweit werden potenzielle Gäste dank Social Media auf uns aufmerksam. Naomi Campbell hat ein Bild von sich im Hotelzimmer auf Instagram gestellt. Dafür erhielt sie über 30000 Likes. Auch andere Stars wie Victoria Beckham verbreiteten Bilder aus «The Upper House» auf Instagram. Solche Werbung ist unbezahlbar.

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