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Prestigeprojekt bisher ein Flop: Googles Liebe zu Hotelplan ist verflogen

Vor zwei Jahren ging die Migros-Reisetochter eine Kooperation mit dem Silicon-Valley-Riesen ein. Die Hoffnungen waren gross. Doch nun ist Ernüchterung eingekehrt – aus verschiedenen Gründen.
Benjamin Weinmann
Die Einstiegsseite von Bedfinder.com. (Bild: Screenshot)

Die Einstiegsseite von Bedfinder.com. (Bild: Screenshot)

Im Herbst 2016 rieben sich Vertreter der Reisebüro-Branche verwundert die Augen. Die Migros-Tochter Hotelplan, wahrlich kein Riese im internationalen Vergleich, ging mit dem Silicon-Valley-Koloss Google eine Partnerschaft ein. Am Hotelplan-Hauptsitz in Glattbrugg ZH herrschte Stolz, auch bei Firmenchef Thomas Stirnimann. Über die US-Suchmaschine bot die Online-Tochterfirma Bedfinder Hotelbetten an, ohne mit eigenem Namen aufzutreten. Dies passte in Googles Strategie, zunehmend als eigenes Reisebüro aufzutreten – mit dem Schweizer Knowhow von Hotelplan.

Stirnimann frohlockte damals: «Für uns hat Google ein komplett neues Feld geöffnet: Wenn Mr. und Mrs. Smith aus Wisconsin auf Google ein Hotel in Kalifornien reservieren, läuft die Buchung je nachdem über uns hier in Glattbrugg. Wir machen das Inkasso. Fantastisch!» Natürlich sei Google um ein Vielfaches grösser. «Aber wir können gewisse Dinge, die Google nicht kann. Wir sind nicht niemand!»

Ist Google schuld?

Zweieinhalb Jahre später tönt alles anders: «Die Euphorie seitens Google hat deutlich nachgelassen», sagt Stirnimann vor einer Runde Journalisten in Zürich. Die Vision, Google mehr als nur einzelne Hotels oder Flüge anzubieten, so wie das die zigfach grösseren Online-Konkurrenten wie Booking.com oder Trivago tun, sei nach wie vor grossartig. «Aber es müssen alle mitmachen». Anders formuliert: Stirnimann schiebt Google die Schuld in die Schuhe, dass das Projekt bisher nicht abgehoben ist.

2018 resultierte bei Bedfinder ein Umsatz von 18 Millionen Franken. Dies sind allerdings reine Hotelvermittlungen ohne grosse Margen, im Gegensatz zu so genannten Packages, gebündelte Hotel- und Flugangebote also, bei denen Hotelplan mehr kassieren würde. Auch Kooperationen mit Kayak.com und Tripadvisor verblieben auf Sparflamme.

Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann. (Bild: Christian Beutler/Keystone, 15. November 2018)

Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann. (Bild: Christian Beutler/Keystone, 15. November 2018)

«Wir sahen uns deshalb gezwungen, unsere Strategie anzupassen», sagt Stirnimann. Hotelplan kreierte die neue Marke Bedfinder. Damit stelle man den neuen Eigenmarken-Partnern Weekend.com oder dem Flugvermittler Kiwi.com Packages zur Verfügung. «Aber auch da ist das grosse Volumen noch nicht eingetreten», sagt Stirnimann. Auf die Frage, wie lange er der Tochter Bedfinder noch Zeit gebe, gibt der langjährige Hotelplan-Chef keinen Kommentar ab. «Wer weiss, vielleicht klappt es ja mit Google doch noch irgendwann.»

Gewinn schrumpfte 2018

Branchenkenner spekulieren, dass Google möglicherweise vor Booking.com und anderen Konkurrenten eingeknickt ist bezüglich seiner Reisebüro-Strategie. Denn diese gehören gleichzeitig zu den wichtigsten Werbekunden des Suchmaschinen-Giganten.

Auch sonst war 2018 kein einfaches Jahr für die Migros-Tochter. Den Umsatz konnte Hotelplan zwar um 5,2 Prozent auf 1,448 Milliarden steigern. Doch der Gewinn – im Vorjahr waren es 5 Millionen Franken – sei gesunken, sagt Stirnimann. Gar in die roten Zahlen? «Kein Kommentar.» Zu schaffen machte Hotelplan der aggressive Preiskampf der Haupt-Mitbewerber in deutscher Hand, namentlich Kuoni und Tui.

Hinzu kamen Airline-Konkurse wie jene der Berner Fluggesellschaft Skywork und der zypriotischen Cobalt Air. «Wir spürten bei den Buchungen auch den heissen Sommer und die Fussball-WM, die viele Kunden dazu veranlassten, in der Schweiz zu bleiben.» Zufrieden zeigt sich Stirnimann dafür mit der Vermittlung von Ferienwohnungen mit den Marken Interhome und Inter Chalet. Hier resultierte ein Umsatz von 359 Millionen Franken – ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Angst vor Brexit-Folgen

Für das kommende Jahr gibt sich der Firmenchef zurückhalten, vor allem aus zwei Gründen. Im wichtigen England-Geschäft, in dem Hotelplan vor allem Winterferien verkauft, spüre man das Brexit-Chaos, das auf die Konsumentenstimmung drücke. «Es gab englische Zeitungen, die davor warnten, Ferien im Ausland zu buchen, weil man möglicherweise nach einem harten Brexit kein Visum erhält.» Zudem habe die Pfund-Entwicklung Ferien in der Schweiz rund 10 Prozent verteuert.

Die zweite Sorge gilt den Airlines. «Leider lässt sich nicht ausschliessen, dass es zu weiteren Groundings kommt», sagt Stirnimann, der weiterhin keine Tickets der Fluggesellschaft Germania verkauft, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Weil am Schluss die Reisebüros für die Tickets haften, bleibe das Risiko an den Firmen und nicht am Kunden haften.

Immerhin: Märkte wie Ägypten, Tunesien und die Türkei würden sich weiter erholen, hier sei die Buchungstendenz positiv, während die Zahlen für Spanien, Italien und Griechenland eher sinken würden, sagt Stirnimann. Und: «Wie schon im Vorjahr ist das USA-Geschäft auch 2019 auf Wachstumskurs.»

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