HOTELS: Dieser Schweizer verwirklicht Karl Lagerfelds Hotelprojekt

Jonas Schürmann machte in Asien Karriere bei der Luxushotelkette Mandarin Oriental. Jetzt wartet eine noch viel grössere Herausforderung auf ihn.

Dominik Buholzer
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Jonas Schürmann im Grand Lisboa in Macau. (Bild: Dominik Buholzer (Macau, 2. November 2016))

Jonas Schürmann im Grand Lisboa in Macau. (Bild: Dominik Buholzer (Macau, 2. November 2016))

Dominik Buholzer

Es ist ein herrlicher Abend in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau. Die Stimmung ist aufgeräumt und Jonas Schürmann äusserst gesprächig. Am nächsten Morgen geht es für Schürmann, den gebürtigen Solothurner, zwar bereits früh wieder los. Auf dem Programm steht in Hongkong ein wichtiges Treffen an mit den Verantwortlichen der Sociedade de Jogos de Macau (SJM), die mehrere Hotels und Casinos betreibt und für die der 53-Jährige seit 2016 als Managing Director Hospitality Services den Hotel- und Gastrozweig leitet.

Doch das kümmert Schürmann jetzt wenig. Er will die Gäste aus der Schweiz ausführen; im Grand Lisboa, einem der markantesten Hotelkomplexe in der Glücksspielmetropole, hat er einen Tisch reserviert. Den Wein lässt er das Servicepersonal auswählen. Keine leichte Aufgabe, schliesslich umfasst die Weinkarte nicht weniger als 700000 Flaschen und wiegt stolze 3,5 Kilogramm – Weltrekord! Aber Schürmann kann sich auf seine Leute verlassen. «Die wissen genau, was ich liebe», sagt Schürmann nach dem ersten Schluck und lacht herzhaft.

Das Grand Lisboa ist mit seinem Turm in Form einer Lotusblume ein Blickfang. Schürmanns Fokus ist derzeit aber auf ein Gebäude gerichtet, das erst noch hochgezogen wird: das Grand Lisboa Palace. Ein Megaprojekt für Schweizer Massstäbe. Drei Hotels mit gegen 2000 Zimmern, 30 Restaurants, ein grosses Casino, 3 Fitnesscenter, 3 Spas, 3 Outdoor- und 3 Indoor-Schwimmanlagen, ein Hochzeitspavillon, ein multifunktionales Theater sowie mehrere Einkaufsläden. 4 Milliarden Dollar werden verbaut. Eröffnungstermin ist Ende 2017. «Hier kann man schöne Sachen machen», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Das Prunkstück des Komplexes ist zweifellos das Karl-Lagerfeld-Hotel, das weltweit erste vom deutschen Modezar entworfene Haus. Sociedade de Jogos de Macau ist damit ein Coup gelungen. Laut offizieller Version sind die Investoren zum richtigen Zeitpunkt an Lagerfeld gelangt. Die inoffizielle ist, dass die Zusammenarbeit in erster Linie Schürmanns guten Verbindungen zu verdanken sei. Schürmann bestreitet dies. Lagerfeld habe schon vor seiner Anstellung zugesagt. Es hätte aber genauso gut anders sein können.

Gault Millau bezeichnet ihn als «Star im Ausland»

Schürmann, der 1979 als Kellner im Hotel Kreuz in Balsthal begann, ist eine internationale Kapazität im Hotel- und Restaurantbusiness. Der Gastroführer Gault Millau schmückte ihn mit der Auszeichnung «Star im Ausland». 22 Jahre lang war er für die renommierte Hotelkette Mandarin Oriental in Asien tätig, zuletzt während sechs Jahren als General Manager Mandarin Oriental in Hongkong. Dort hatte er es mit vielen Leuten aus der Finanzwelt zu tun, aber auch mit Politstars wie Bill Clinton oder Tony Blair. Sein Erfolgsrezept: der Gast. «Als Hotelier braucht man keinen Unternehmensberater, man muss bloss mit den Gästen reden und zuhören», sagt Schürmann. Und: Ein Hotel muss eine Geschichte erzählen. «Nur wegen eines Bettes kommt niemand zu ihnen.»

Karl Lagerfeld bietet Stoff für tolle Geschichten. Doch wie muss man sich das Hotel aus der Hand des Modeschöpfers vorstellen? Schürmann will nicht zu viel preisgeben: «Es wird sehr residential. Er arbeitet mit vielen hellen Farben und schwarzen Zwischentönen. Es ist wunderschön, was er gemacht hat.» Mehr gibt es nicht zu hören. Und schon gar nichts will er über die Zusammenarbeit mit Lagerfeld erzählen. Es wird kolportiert, dass Schürmann den Modeschöpfer bislang zweimal getroffen hat. Immer waren die Treffen sehr speziell. So fertigte Lagerfeld während des Gesprächs immer wieder Skizzen an, von denen er einen Grossteil zerknüllte und hinter sich auf den Boden warf. Lagerfelds Entourage sorgte dafür, dass niemand die Skizzen an sich nehmen und für teures Geld verkaufen konnte. Aber eben, Schürmann will dazu nichts sagen. Viel lieber spricht er über seine Ideen. So zum Beispiel jene einer Kochschule für 6 bis 12 Personen, die er zusammen mit dem Küchengerätehersteller Miele in einem seiner Häuser auf die Beine stellen will. Wenn sich der Erfolg dann nicht gleich einstellt, ist es auch nicht so schlimm. «Ich bin lieber ein wenig zu früh, als dass ich anderen hinterherlaufen muss», betont er.

Seit über 20 Jahren lebt Jonas Schürmann nun in Asien. Ist eine Rückkehr in die Schweiz, nach Europa, ein Thema? «Wenn es etwas Interessantes gäbe, müsste ich mir dies überlegen», sagt er. Kontakte diesbezüglich gab es mal, zumindest in einem Fall. Konkret wurde aber nichts. Und auf einmal lenkt Schürmann das Gespräch auf den Bürgenstock, will wissen, wie es seinem Kollegen Bruno Schöpfer geht. Der Bruno mache das gut, sagt er. «Der Bürgenstock ist eine riesige Geschichte, das kommt zu hundert Prozent gut», sagt Schürmann. Was ihn so sicher mache? Jonas Schürmann lächelt und antwortet dann: «Es gibt sehr, sehr viele wohlhabende Leute.»

Jonas Schürmann ist im Element. Der Abend zieht sich in die Länge. Wir kommen auf die chinesischen Touristen und die Schweiz zu sprechen. Die seien eine riesige Chance, meint er. «Aber nur auf Uhren zu setzen, bringt nichts», wendet er ein. «Der Chinese sucht authentische Geschichten, beispielsweise einen Buchbinder, einen Schlüsselproduzenten, Kaffeehäuser ...» Jonas Schürmann hätte noch so manche Idee. Auf einmal wird es aber auch für ihn Zeit aufzubrechen.

Zum Abschluss ruft Schürmann seinen Schweizer Gästen noch zu: «Macau wird unterschätzt. Kommt wieder!»