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HOTELS: Wo bleiben die Schweizer Investoren?

Unternehmer und Fonds aus dem Ausland stecken Hunderte von Millionen Franken in Hotelprojekte der Region. Der Ökonom Christoph Lengwiler zu den Gründen und der Rolle der Schweizer.
Abdelhamid Ghanem deckt im Luzerner Fünfsternehotel Palace im Frühstücksraum die Tische. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Abdelhamid Ghanem deckt im Luzerner Fünfsternehotel Palace im Frühstücksraum die Tische. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Interview Rainer Rickenbach

Christoph Lengwiler, hinter den grossen Investitionen in die Zentralschweizer Luxushotels stehen fast ausschliesslich kapitalstarke Ausländer. Wo bleiben die Schweizer?

Christoph Lengwiler*: Die gibt es sehr wohl. Ein Blick auf die Luxushotellerie in der gesamten Schweiz verdeutlicht, dass durchaus auch Schweizer in Fünfsternhäuser investieren. Um nur einige Beispiele zu nennen: Thomas Schmidheiny und das «Grand Resort» in Bad Ragaz, die Sandoz-Stiftung und das «Beau Ri­vage» in Lausanne, die Familie Hauser und der «Schweizerhof» in Luzern, Urs Schwarzenbach und das «Dolder Grand» in Zürich oder Thomas Straumann und das «Les Trois Rois» in Basel. Ausländische Investoren stehen stärker im Rampenlicht als diese soliden Schweizer Investoren, die, ohne grosse Schlagzeilen zu produzieren, viel Geld in Hotelprojekte stecken.

Müssten es nicht mehr sein? In der Schweiz mangelt es nicht an zahlreichen reichen Leuten auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten. Schrecken sie die oft mühsamen Bewilligungsprozedere ab?

Lengwiler: Die Bewilligungsprozedere sind nur eine von zahlreichen Überlegungen, die vor einem Investment angestellt werden. Investitionen in Hotels und besonders in solche im Luxussegment wollen gut überlegt sein. Sie bilden für die Investoren nur eine unter vielen Möglichkeiten. Wer sich für ein Fünfsternhaus entscheidet, legt sein Geld langfristig an und hat in der Regel einen speziellen Bezug zur Region oder zum Hotel selbst. Manchmal läuft das finanzielle Engagement auf Mäzenatentum und Liebhaberei hinaus.

Die Schweizer Investoren würden hinter schnellen Renditen nachrennen, sagte der Obwaldner alt Ständerat Hans Hess vergangene Woche an der Hoteleröffnung in Melchsee-Frutt. Die Schweizer standen einmal für solide, langfristige finanzielle Engagements.

Lengwiler: Ein Investor strebt mit seinen Finanzanlagen eine dem Risiko angepasste Rendite an. Eine Anlage in die gehobene Hotellerie ist vergleichsweise riskant, da tatsächlich nur auf sehr lange Frist eine ausreichende Rendite zu erzielen ist. Das verdeutlicht zum Beispiel das sehr gut positionierte «Grand Resort», Bad Ragaz: Dieses erreicht eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 2 und 3,2 Prozent. Ohne das Casino, das zur Unternehmensgruppe gehört, wäre dieser Wert sogar deutlich tiefer. Das «Grand Resort», Bad Ragaz, ist etabliert und im Moment etwa mit beachtlichen 64 Prozent ausgelastet.

Wenn es so schwierig ist, mit Luxushotels Geld zu verdienen – was macht diese Investitionsziele für ausländische Millionäre so attraktiv?

Lengwiler: Ausländische Investoren haben eine andere Optik als die Schweizer. Da ist einmal die starke Schweizer Währung. Hätte beispielsweise ein ausländischer Investor vor acht Jahren 1 Million Euro in der Schweiz investiert, so wäre der Wert dieser Investition alleine wegen des stärkeren Schweizer Frankens seither um über 50 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum hätte es für einen Dollar-Investor eine währungsbedingte Wertsteigerung von immerhin noch 15 Prozent abgeworfen.

Spielt die Investitionssicherheit des Standortes Schweiz noch eine Rolle?

Lengwiler: Sie spielt immer noch eine Rolle, wie alleine schon die Hotelinvestitionen deutlich machen. Für ausländische Investoren sind Geldanlagen in der Schweiz attraktiv, weil sie hier ihre weltweit getätigten Kapitalanlagen diversifizieren können. Eine Investition in handfeste Werte in der sicheren, stabilen Schweiz mit ihrer starken Währung ist für sie attraktiv.

Auf Facebook-Kommentaren zum Verkauf des Hotels Palace wird in zahlreichen Einträgen der Ausverkauf der Heimat beklagt. Zu Recht?

Lengwiler: Man mag es bedauern, wenn renommierte Hotels oder Immobilien in den Besitz von ausländischen Investoren übergehen. Das «Palace» gehörte allerdings einem Immobilienfonds der Credit Suisse und war also nicht in klassischem Privatbesitz. Der chinesische Investor Gao kauft nun die Immobilie und ist bereit, Investitionen zu tätigen. Denkbar ist, dass es dem «Palace» auch dank dem neuen Eigentümer gelingt, die Auslastung zu steigern. Nicht zuletzt mit vermögenden asiatischen Gästen, die Gao ins «Palace» bringen könnte. Betreibergesellschaft bleibt die schweizerische Victoria Jungfrau-Collection mit ihrer Muttergesellschaft Aevis. Besitzer und Betreiber stehen vor einer grossen Herausforderung, weil die Auslastung des Hotels für einen rentablen Betrieb wohl noch gesteigert werden muss.

Was bedeutet es für die Zentralschweizer Hotellerie, wenn Ausländer mit der grossen Kelle anrichten?

Lengwiler: Sicher entsteht mit jedem Hotelprojekt zusätzliche Konkurrenz. Neue Hotels sind attraktiv und ziehen Gäste an. Damit besteht die Gefahr, dass traditionelle Hotels Gäste verlieren. Mehr Konkurrenz zwingt die etablierten Hotels ebenfalls zu Modernisierungen. Schliesslich profitiert aber die gesamte Region von den Investitionen – etwa in Form von Bauaufträgen – und vor allem vom grösseren Gästeaufkommen.

Wie beurteilen Sie das Engagement des chinesischen Unternehmers und Investors Gao in Melchsee-Frutt, Engelberg und Luzern?

Lengwiler: Jedes der Investments hat seine Eigenheiten. In Engelberg plant Gao ein Fünfsternhotel, es handelt sich um ein sehr ambitiöses Unterfangen. Auf der Melchsee-Frutt ist er in ein bereits bestehendes und geplantes Projekt eingestiegen, die Nachfrage dürfte dort positiv ausfallen. Mit dem «Palace» kauft der chinesische Unternehmer an bester Lage ein renommiertes Hotel in einer Tourismusstadt mit grosser Ausstrahlung. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich dieses Investment wirklich rentabilisieren lässt.

Sie hegen Zweifel?

Lengwiler: Sagen wir es so: Die Herausforderung bei solchen Vorhaben ist sehr gross.

Samih Sawiris kommt aus dem Tourismus-Geschäft. Er investiert in Andermatt aus andern Gründen als Gao.

Lengwiler: Ja, der ägyptische Unternehmer Sawiris betreibt den Bau von Resorts als Geschäftsmodell. Er verfolgt das Ziel, günstiges Land zu erwerben. Darauf entwickelt er ein Resort und erzielt durch den Verkauf von Häusern und Ferienwohnungen sowie durch Vermietungen und den Betrieb von Hotels langfristig Gewinne. Der chinesische Investor Gao hingegen ist eher ein klassischer Finanzinvestor, der seine Mittel in der Schweiz in solide Infrastrukturprojekte investiert.

Was ist die Motivation des katarischen Staatsfonds, 500 Millionen Franken in das Bürgenstock-Resort zu stecken?

Lengwiler: Der Staatsfonds von Katar investiert über 200 Milliarden US-Dollar weltweit in verschiedene Anlageklassen. Das Projekt auf dem Bürgenstock ist also nur ein Investment unter vielen. Ziel der Fondsstrategen ist es, die durch Erdölverkäufe generierten Einnahmen für künftige Generationen zu erhalten und zu vermehren. Dazu gehören Investments in Schweizer Unternehmen und eben in Immobilien- und Hotelprojekte. Das Resort auf dem Bürgenstock mit seiner Grösse und Lage mitten in der Schweiz passt offenbar in die Anlagestrategie des Staatsfonds.

Hinweis

* Christoph Lengwiler (56) leitet das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern. Er beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Unternehmensfinanzierung und mit Finanzierungsproblemen in der Tourismusbranche.

Bild: Grafik Lea Siegwart / Neue LZ

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