HSG-Studie zeigt: Immer mehr Unternehmen wechseln zum schweizerischen Buchhaltungsstandard 

Eine aktuelle Studie, unter der Leitung von HSG-Prorektor Peter Leibfried, bestätigt den Trend bei den Schweizer Unternehmen, dass die Attraktivität des Rechnungslegungsstandards Swiss GAAP FER ungebrochen ist. Viele Schweizer Firmen kehren dem internationalen Standard IFRS den Rücken. 

Yusuf Barman
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Die aktuelle Studie wurde unter der Leitung von HSG-Prorektor und Präsident der Fachkommission der Stiftung FER Peter Leibfried durchgeführt. (Bild: PD)

Die aktuelle Studie wurde unter der Leitung von HSG-Prorektor und Präsident der Fachkommission der Stiftung FER Peter Leibfried durchgeführt. (Bild: PD)

Die Stiftung für Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (Swiss GAAP FER) hat die Ergebnisse ihrer aktuellsten Studie zur Rechnungslegung in der Schweiz bekannt gegeben. Die Studie ist eine Aktualisierung vergleichbarer Erhebungen aus den Jahren 2009 und 2014.

Im Rahmen einer umfangreichen Fragebogenaktion haben mehrheitlich wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität St.Gallen rund 5200 Unternehmen zu der von ihnen angewendeten Rechnungslegung befragt. Laut der Studie kommt bei 23% aller nicht kotierten Unternehmen Swiss GAAP FER zur Anwendung, was einem Anstieg von fünf Prozentpunkten im Vergleich zur vorherigen Erhebung entspricht.

Diese Verschiebung geht einerseits zu Lasten der IFRS-Anwendung. Die Anwendung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften haben seit 2014 um rund 4% abgenommen. Gleichzeitig scheinen sich gemäss der Studie viele Erstanwender, welche zusätzlich zum obligationenrechtlichen Jahresabschluss eine Berichterstattung nach «true and fair view» erstellen müssen, für Swiss GAAP FER zu entscheiden.

Swiss GAAP FER auf dem Vormarsch

Als Schweizer Besonderheit gibt es neben dem Handelsrecht (OR) und den internationalen Reporting-Standards (IFRS) auch die lokalen Standards zur Schweizer Rechnungslegung in Form der Swiss GAAP FER. Der Hauptunterschied zwischen den nationalen und den internationalen Vorgaben besteht im Umfang.

Die Schweizer Standards haben alle in einem kompakten «Heftchen» Platz, die IFRS hingegen umfassen über 3000 Seiten mit teilweise sehr detaillierten Regelungen. Die geringere Komplexität macht den Schweizer Standard vor allem für mittelständische Unternehmen interessant.

Die Schweizer Standards haben alle in einem kompakten «Heftchen» Platz (Bild: bor)

Die Schweizer Standards haben alle in einem kompakten «Heftchen» Platz (Bild: bor)

Jedoch kehren immer häufiger auch grosse und mittelgrosse Unternehmen IFRS den Rücken. Dabei begründen diese ihre Entscheidung meist darin, dass die internationalen Standards zu kompliziert sind und sich zu häufig ändern. Mit der Swatch Group hat im Oktober 2012 erstmals ein Konzern des Swiss-Market-Index (SMI) den Wechsel zu Swiss GAAP FER angekündigt.

Die Studienergebnisse bestätigen den Trend bei den grossen Firmen. Die grösste Zunahme der Anwender erfolgte seit 2014 bei den mittelgrossen und grossen Unternehmen. So schliessen heute gemäss der Studie rund 47% (2014: 27%) aller Unternehmen mit 250-500 Mitarbeitenden und 66% (2014: 32%) aller Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden nach Swiss GAAP FER ab.