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Chinesischer Smartphone-Hersteller Huawei plant Ausbau in der Schweiz

Huawei hat soeben Apple als zweitgrössten Handy-Hersteller überholt. Nun will der chinesische Konzern in Zürich und Lausanne vermehrt in die Forschung investieren und neue Jobs schaffen.
Patrik Müller, Shenzhen
Doris Leuthard und die Schweizer Delegation bei ihrem Besuch im Huawei-Sitz in Shenzhen. (Bild: Uvek; 9. August 2018)

Doris Leuthard und die Schweizer Delegation bei ihrem Besuch im Huawei-Sitz in Shenzhen. (Bild: Uvek; 9. August 2018)

Die gute Nachricht fiel beiläufig beim Arbeitsbesuch von Bundesrätin Doris Leuthard am Hauptsitz von Huawei, dem chinesischen Smartphone-Hersteller und Software-Entwickler. Wie entwickelt sich der Konzern in der Schweiz, wo er heute – im zürcherischen Dübendorf – 350 Mitarbeiter beschäftigt? Diese Frage stellte unsere Zeitung dem CEO Eric Xu. Und der betonte nicht nur, dass die Schweiz ein wichtiger Standort sei für Huawei. Geplant sei sogar eine Expansion: «Wir werden mehr Leute anstellen, denn in Zürich und Lausanne werden wir Forschungs- und Entwicklungszentren eröffnen.» Damit nicht genug. Eric Xu ergänzte: «Wir brauchen ausserdem mehr Mitarbeiter, um unsere Dienstleistungen für Unternehmen zu vermarkten.»

Das klingt nach einer eigentlichen Schweiz-Offensive des Konzerns, der ein fast unheimliches Wachstum hinlegt. Eben hat er Apple als weltweit zweitgrössten Smartphone-Hersteller überholt, nun will er Marktführer Samsung vom Thron stossen. Wachsen soll der private chinesische Konzern, der 1992 ins Telekomgeschäft eingestiegen ist, auch in seinem zweiten wichtigen Standbein: Huawei rüstet Firmen mit Software und Infrastruktur aus, etwa die Telekomanbieter Swisscom und Sunrise. Deren Verwaltungsratspräsidenten Hansueli Loosli und Peter Kurer begleiteten Doris Leuthard auf ihrer zweitägigen China-Reise von Donnerstag und gestern Freitag als Mitglieder der Wirtschaftsdelegation.

Kampf zwischen China und den USA

Huawei-CEO Xu betonte, dass die globalen Wachstumspläne nur mit gewaltigen Investitionen möglich seien: Fast die Hälfte der insgesamt 180000 Mitarbeiter arbeitet in der Forschung und Entwicklung, und dieses Jahr werden umgerechnet fast 14 Milliarden Franken investiert. Nächstes Jahr sogar deren 20 Milliarden.

Diese enormen Investitionen zeigen exemplarisch das Machtstreben vieler Technologiekonzerne in Shenzhen, dem «Silicon Valley Chinas»: Früher galten die Chinesen als ruchlose Nachahmer westlicher Hightech-Produkte, heute setzen sie stark auf die Entwicklung eigener Systeme. Sie wollen den Amerikanern damit die Technologie-Führerschaft abjagen. Zum Leidwesen der US-Konzerne versucht Huawei beispielsweise, dem Standard der fünften Mobilfunk-Generation (5G) weltweit zum Durchbruch zu verhelfen. Wirtschaftshistoriker sehen im Kampf um die digitale Vorherrschaft zwischen amerikanischen und chinesischen Konzernen bereits eine Parallele zum Raumfahrt-Wettlauf zwischen den USA und der So­wjetunion in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Ausrüster von Swisscom und Sunrise

In der Schweiz wird kaum ein SMS oder E-Mail verschickt, das nicht mit Huawei-Technologie in Berührung kommt. In der Öffentlichkeit ist Huawei vorwiegend als Hersteller von Smartphones bekannt, die der Konzern auch mit Hilfe von Influencern wie Sänger Luca Hänni bekannt macht. Doch die Chinesen rüsten auch Firmen aus – so etwa Sunrise beim Fest- und Mobilnetz sowie Swisscom beim Festnetz. Huawei liefert auch die Geräte für SBB-Kondukteure. Und viele Krankenkassen und Versicherungen haben Huawei-Server. Die Chinesen gelten als günstig. In den USA steht Huawei in der Kritik, weil die Firma eng mit der chinesischen Regierung verbunden sei und Kunden ausspionieren würde. Huawei weist diesen Vorwurf zurück. (pmü)

Huawei hat sich bei den Forschungszentren für die Standorte Zürich und Lausanne entschieden, weil die beiden Städte die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) beherbergen. Die Verträge mit der Hochschule stehen kurz vor der Unterschrift. Huawei brauche hochqualifizierte Forscher, sagte der CEO, der veranschaulichte, in welchen Dimensionen Huawei dank der konsequenten Forschungsstrategie wächst: «Als ich im Jahr 1993 bei diesem Unternehmen anfing, beschäftigte es gerade mal 20 Mitarbeiter.»

Heute hat Huawei fast so viele Mitarbeiter wie die US-Giganten Apple und Google zusammen. Wie viele neue Arbeitsplätze Huawei in Zürich und Lausanne schaffen wird, gab Xu nicht bekannt. Gemäss einem Huawei-Kader, der in die Pläne eingeweiht ist, wird der Ausbau «massiv» sein, wenn auch nicht in der Grössenordnung von Google, in dessen Forschungszentrum in Zürich mehr als 2000 Mitarbeiter tätig sind. Der Kampf um die besten Talente wird sich aber mit Sicherheit zuspitzen, wenn hierzulande auch Huawei um sie buhlt.

Vision der vernetzten Städte

In den Forschungszentren tüftelt Huawei an Technologien, die weit über das Smartphone hinausgehen. Eine Vision heisst «Smart Cities»: Die Chinesen wollen Städte rund um den Globus vernetzen. Der Verkehr, die Stromversorgung, die städtischen Verwaltungen, die Zahlungssysteme und sicherheitstechnische Überwachungen – alles soll mit Huawei-Geräten und -Software gesteuert und abgewickelt werden können.

Der Schweizer Delegation wurden am Huawei-Hauptsitz bereits existierende Systeme vorgeführt. «Die Polizei mag das sehr», schwärmte ein Huawei-Manager mit Verweis auf die Kameraüberwachung von Passanten mittels Gesichtserkennung. «Möglich ist heute technologisch alles, aber wollen wir das wirklich?», fragte ein Schweizer Delegationsteilnehmer, der sich an Orwells düstere Dystopie «1984» erinnert fühlte.

Befürchtungen, wonach Huawei mit seinen Geräten und seiner Software westliche Handy-Kunden ausspioniert, wies CEO Eric Xu wortreich zurück. «Wir liefern Swisscom und Sunrise nur die Systeme, und wir helfen beim Betrieb – aber die Daten selbst, die bleiben bei Swisscom und Sunrise.» Sunrise-Präsident Peter Kurer ergänzte, dass die Alternative zu chinesischen Systemen letztlich amerikanische wären. «Die Amerikaner sind diesbezüglich aggressiver», sagte Kurer, «und sie haben eine klare machtpolitische Agenda.»

Lesen Sie am Montag: Das grosse Interview mit Bundesrätin Doris Leuthard über Chancen und Risiken in China.

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