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HYPOTHEKENKRISE: Altlasten in den Büchern von CS und UBS

Zahlreiche Zivilklagen von privater und staatlicher Seite könnten die beiden Grossbanken noch Milliarden kosten. Dabei zeigt sich: Die gebildeten Rückstellungen dürften kaum genügen.
Daniel Zulauf
Hausverkauf in Florida: Die Folgen der Hypothekenkrise sind noch nicht ausgestanden. (Bild: Scott McIntyre/Getty (Miami, 19. November 2016))

Hausverkauf in Florida: Die Folgen der Hypothekenkrise sind noch nicht ausgestanden. (Bild: Scott McIntyre/Getty (Miami, 19. November 2016))

Daniel Zulauf

Neun Monate sind seit der Vereinbarung zwischen der Credit Suisse­ und dem US-Justizdepartement vergangen. Die CS ist mit der am 18. Januar besiegelten Vereinbarung über die Bezahlung einer Busse zuhanden der amerikanischen Staatskasse und über die Entrichtung von Entschädigungsleistungen für geprellte US-Hauskäufer im Gesamtwert von 5,3 Milliarden Dollar eine schwere Belastung losgeworden.

Die Aktionäre schluckten die bittere Pille ohne Murren, weil sie wussten, dass die Rechnung gut und gerne auch deutlich höher hätte ausfallen können.

CS-Vergleich mit Mutual Life

Seither sind die gravierenden Folgen der Hypothekenkrise aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch in den Büchern der beiden Grossbanken schlummern nach wie vor enorme finanzielle Risiken aus jenen Jahren. Einen Hinweis darauf gibt die vor Wochenfrist vermeldete aussergerichtliche Einigung zwischen der CS und Mutual Life. Der US-Versicherer hatte ursprünglich einen Schaden von 110 Millionen Dollar eingeklagt und grundsätzlich geltend gemacht, dass die von einer CS-Tochter ausgegebenen Hypothekenpapiere auf falschen oder unvollständigen Prospektinformationen beruht hätten. Ein Bezirksgericht im Bundesstaat Massachusetts akzeptierte 97 Prozent der eingeklagten Streitsumme (107 Millionen Dollar), wie dem letzten Jahresbericht der CS zu entnehmen ist.

Aus der offiziellen Mitteilung über die am 14. September erfolgte aussergerichtliche Einigung in dem Streitfall geht hervor, dass die Credit Suisse für die Bezahlung des nicht bezifferten Schadenersatzes eine zusätzliche Rückstellung von 79,5 Millionen Dollar zu Lasten des laufenden Geschäftsjahres vornehmen muss. Dies bedeutet, dass die CS höchstens 25 Prozent des vom Gericht zugelassenen Streitwertes vorsorglich zur Seite gelegt hatte. Warum die Bank so optimistisch war, obschon das Gericht fast die ganze anfänglich eingeklagte Streitsumme zugelassen hatte, ist nicht bekannt. Wenn es um die Rückstellungspolitik in Rechtsfragen geht, zeigen sich sich die Banken stets dünnlippig.

Doch die im Anhang zum Geschäftsbericht auf dreieinhalb Seiten dargestellten Verfahren und offenen Rechtsstreitigkeiten aus den Zeiten des High Noon im US-Immobilienmarkt sprechen auch so Bände. Bei der Credit Suisse sind noch mehr als 20 solcher Zivilverfahren hängig, in denen es um teilweise sehr hohe Schadenersatzforderungen geht. Die von den Gerichten zugelassenen Streitsummen dieser Forderungen belaufen sich auf insgesamt mehr als 5 Milliarden Dollar. Dabei ist in dieser Buchhaltung noch nicht einmal das hängige Verfahren der New Yorker Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2012 enthalten. Staatsanwalt Eric Schneiderman macht die Bank für Verluste aus nicht weniger als 64 grossen Hypothekartransaktionen haftbar. Eine konkrete Schadenersatzforderung ist zwar nicht bekannt, aber den Aussagen Schneidermans zufolge kann mit einer Milliardenklage gerechnet werden.

Einen Rückweisungsantrag der Credit Suisse hatte ein New Yorker Rekursgericht im Dezember abgewiesen. Zur Deckung von allfälligen Forderungen aus all diesen Streitfällen stehen der Credit Suisse lediglich geschätzte 1,2 Milliarden Dollar an Rückstellungen zur Verfügung. Mit Blick auf den Mutual-Life-Vergleich könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass diese Rücklage vorne und hinten nicht ausreichen wird. Auch der UBS drohen weiterhin Milliardenzahlungen für ihre Eskapaden im amerikanischen Immobilienmarkt. Im Mai konnte sie einen Vergleich mit der National Credit Union Administration treffen, die in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde der amerikanischen Genossenschaftsbanken die grösste Schweizer Bank wegen falscher und unvollständiger Prospektinformationen im Zusammenhang mit dem Verkauf von verbrieften Wohnbauhypotheken eingeklagt hatte. Die UBS zahlte in dem Vergleich 445 Millionen Dollar, was zwar deutlich weniger war als die ursprüngliche Forderung von 1,15 Milliarden Dollar. Trotzdem musste die UBS dafür eine Erhöhung der Rückstellungen zu Lasten der laufenden Rechnung vornehmen.

Die Schlussrechnung steht noch bevor

Vom gesamten Rückstellungsbestand von 3,2 Milliarden Franken, den die UBS per Ende Juni ausgewiesen hat, entfallen 2,4 Milliarden Franken auf die Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten. Davon sind schätzungsweise 1,1 Milliarden Franken für allfällige Schadenersatzleistungen aus dem früheren Geschäft mit verbrieften US-Hypotheken reserviert. Ähnlich wie die Credit Suisse muss auch die UBS für mögliche Bussen und allfällige weitere Wiedergutmachungsleistungen an die Justizbehörden vorsorgen. Die Bank steht noch in weiteren Gerichtsverfahren, in denen es um vertragliche Zusicherungen und Gewährleistungen im Zusammenhang mit verbrieften Wohnbauhypotheken geht. Als sogenannte Sponsorin solcher Papiere habe die Bank «grundsätzlich gewisse Zusicherungen bezüglich der Eigenschaften der zu Grunde liegenden Darlehen» abgegeben, heisst es im Geschäftsbericht.

Im Fall einer wesentlichen Verletzung dieser Zusicherungen wird die UBS unter Umständen verpflichtet, Darlehen zurückzukaufen oder gewisse Parteien zu entschädigen. Aus diesen Kontrakten besteht gemäss Geschäftsbericht eine ursprünglich strittige Restschuld von 4,1 Milliarden Dollar. Davon hält die Bank aber 2 Milliarden Dollar für erfüllt oder verjährt. Praktisch alle restlichen Forderungen würden zurzeit vor Gericht verhandelt, heisst es im Jahresbericht.

Die Schlussrechnung im Hypothekenstreit könnte die zwei Grossbanken noch teuer zu stehen kommen und das Thema zurück in die Schlagzeilen bringen.

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