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HYPOTHEKENMARKT: Umbau im Kreditgeschäft

Pensionskassen und Versicherungen drängen mit Wucht ins Geschäft mit Grundpfandkrediten zurück. Den Regulatoren kommt das gar nicht ungelegen.
Daniel Zulauf
Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel werden die Regulierungen ausgearbeitet, die für die Banken weltweit Gültigkeit haben. (Bild: Patrick Straub/Keystone (6. Januar 2012))

Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel werden die Regulierungen ausgearbeitet, die für die Banken weltweit Gültigkeit haben. (Bild: Patrick Straub/Keystone (6. Januar 2012))

Daniel Zulauf

Im Schweizer Hypothekarmarkt führt bis heute kein Weg an den Banken vorbei. Misst man ihren Anteil am Gesamtbestand der ausstehenden grundpfandgesicherten Ausleihungen, ist die Branche geradezu erdrückend mächtig. 2016 belief sich das Hypothekarkreditvolumen in der Schweiz auf rund 1000 Milliarden Franken. Davon hielten die Banken fast 95 Prozent.

Auf die Versicherungen entfielen gerade mal knapp 37 Milliarden Franken, und die Pensionskassen schafften nicht einmal die Hälfte davon (14,4 Milliarden Franken).

Banken vermitteln Hypotheken an die Kassen

Unter dem Eindruck dieser Zahlen mögen die sporadischen Berichte über den Vormarsch der Versicherer und Pensionskassen im Hypothekenmarkt vielleicht überzogen oder gar irrelevant ­erscheinen. Doch der Eindruck täuscht. Die Nicht-Banken wachsen in dem Geschäft mehr als doppelt so schnell wie die Platzhirsche und die Schätzung ist nicht allzu gewagt, dass im vergangenen Jahr jede vierte Neuhypothek in der Bilanz einer Vorsorgeeinrichtung oder einer Versicherung gelandet ist. Bei Lichte betrachtet ist das keine Überraschung. Die von Pensionskassen und Versicherungen offerierten Zinssätze sind im Durchschnitt deutlich tiefer als jene der Banken. Zehnjährige Laufzeiten sind im Vergleich der Vermittlungsplattform Hypothekenversteigerung.ch am günstigsten bei der Aargauischen Pensionskasse (1,35 Prozent), der Luzerner Pensionskasse (1,35 Prozent), der Pensionskasse Post (1,4 Prozent) sowie der St. Galler Pensionskasse (1,41 Prozent) zu haben. Zum Vergleich: Die Migros Bank folgt auf Platz 24 mit 1,7 Prozent.

Manche Banken verhelfen ihren neuen Konkurrenten sogar aktiv zum Erfolg. Die UBS beispielsweise gründete Ende 2016 die Hypotheken-Plattform «UBS Atrium», auf der die Bank eigene Kreditofferten auf Wunsch der Kunden öffentlich macht und angeschlossene Pensionskassen oder Anlagestiftungen zur Abgabe von Konkurrenzofferten eingeladen sind. Die Idee dahinter: Ist die UBS mit ihrer Finanzierung nicht konkurrenzfähig, verbleibt ihr immerhin eine Gebühr für die Strukturierung und Abwicklung des Kreditvertrages und die nachträgliche administrative Betreuung der Hypothek über die ganze Laufzeit.

Auch die Zürcher Kantonalbank vermittelt seit 2016 über ihre Anlagestiftung Swisscanto Hypotheken an Pensionskassen. Während die Kasse den Zins kassiert, verbleibt der Banken-Tochter eine Kommission für das Portfoliomanagement. Derartige Modelle dürften noch bei vielen Banken Schule machen, denn die Frage der Konkurrenzfähigkeit stellt sich dort je länger, je mehr. Während die Rechnung für Pensionskassen und Versicherungen im vorherrschenden Negativzinsumfeld im Prinzip schon mit einem Nullzinssatz aufgehen kann, leben die Banken davon, dass ihre Kreditkunden mehr Zins zahlen, als die Kundengelder kosten. «Die Kreditmargen werden schmaler, wenn die Zinsen steigen», sagt Matthias Wyder, Kreditportefeuille-Manager bei der Credit Suisse.

In Vorwegnahme einer Veränderung in der Zinslandschaft bauen derzeit vor allem die Grossbanken ihre Bilanzen um. Dabei werden auch Altbestände von Hypotheken an Pensionskassen und Versicherungen ausge­lagert. Diese spielen schon jetzt «eine grössere Rolle im Markt, als es bei einem oberflächlichen Blick auf die Verteilung der Kreditbestände scheinen mag», meint Wyder.

«Basel IV» zwingt Banken, Bilanzen zu verkleinern

Und der Spezialist erwartet, dass die Zukunft «grundlegende Veränderungen im Kreditmarkt» bringen wird. Es sind nicht nur die ultratiefen Zinsen, welche die händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchenden Vorsorgeeinrichtungen und Versicherungen in den Hypothekenmarkt treiben. Auch die verschärften Liquiditäts- und Eigenmittelvorschriften zwingen die Banken zum Umbau ihrer Bilanzen und zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

«Basel IV», wie die Banker den im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht unlängst verschärften internationalen Standard «Basel III» mit sarkastischem Unterton bezeichnen, wird nach Einschätzung der Kreditrating-Agentur Standard & Poor’s viele europäische Hypothekenbanken dazu zwingen, ihre Bilanzen zu verkleinern oder – was eher unwahrscheinlich ist – zusätzliches Eigenkapital aufzutreiben.

Viel Aufholpotenzial in der Schweiz

In den Niederlanden ist dieser Prozess bereits weit fortgeschritten. Die führende Hypothekenanbieterin Rabobank hat in den letzten zwei Jahren Hypotheken und andere Kredite im Wert von über 4 Milliarden Euro aus ihrer Bilanz entnommen und an Nicht-Banken weitergereicht. Auch die französische Crédit Agricole verfolgt ähnliche Pläne. S&P-Analyst Alexandre Birry spricht von einem «fundamentalen und langfristigen Trend». Volkswirtschaftlich sei der Aufstieg neuer wichtiger Akteure im Kreditmarkt zu begrüssen, meint Birry. Versicherungen und Pensionskassen haben im Gegensatz zu den Banken im Krisenfall keinen Schaltersturm zu befürchten. Auf das bestehende Finanzsystem wirken sie deshalb stabilisierend. Zudem sind den Versicherungen und Pensionskassen durch den Bestand an Kapitalanlagen auch natürliche Grenzen des Wachstums gesetzt, was sie als Hypothekaranbieter vor Übertreibungen schützt, denen die Banken vor der Finanzkrise auf fatale Weise verfallen waren.

Von dieser Grenze ist man in der Schweiz allerdings noch ein grosses Stück entfernt: Vom gesamten Pensionskassenvermögen in der Schweiz in der Höhe von 823 Milliarden Franken sind rund 32 Prozent in Obligationen aber nur gerade 1,7 Prozent in Hypotheken angelegt. Die 579 Milliarden Franken,welche die Versicherungen an Kapitalanlagen in der Schweiz verwalten, liegen zu 48 Prozent in Obligationen und nur lediglich zu 6 Prozent in Hypotheken.

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