«Ich bin fast vom Stuhl gefallen»: Was steckt hinter den Gerüchten einer Fusion von CS und UBS?

Die Meldung des Finanzblogs «Inside Paradeplatz» geht um die Welt und hat die Mitarbeiter von UBS und CS völlig überrascht. Die CH-Media-Redaktion erreichte UBS-Konzernchef Sergio Ermotti auf dem Handy, doch er zeigt sich bedeckt.

Patrik Müller, Daniel Zulauf, Niklaus Vontobel und Andreas Möckli
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Hauptsitz der CS am Zürcher Paradeplatz, unweit davon ist die UBS: Wie nahe kommen sich die beiden Grossbanken?

Hauptsitz der CS am Zürcher Paradeplatz, unweit davon ist die UBS: Wie nahe kommen sich die beiden Grossbanken?

Bild: Philipp Schmidli

Spätestens als die Börsenkurse zu steigen begannen, konnten die Spekulationen auf «Inside Paradeplatz» nicht mehr ignoriert werden. Im vorbörslichen Handel waren die CS- und UBS-Titel noch stabil gewesen, doch nach der Börseneröffnung und der Publikation der Gerüchte auf dem Finanzblog zogen die Aktien – bei insgesamt flacher Börsenentwicklung – um rund 2 Prozent an. Die CS etwas mehr als die UBS.

Die Meldung ging um die Welt: Internationale Finanzportale griffen die sensationelle «Paradeplatz»-Story auf. Nichts weniger als eine Grossfusion der beiden Schweizer Grossbanken soll nächstes Jahr vollzogen werden. Das Projekt habe bei UBS und CS bereits einen Namen: «Signal».

UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber sei die treibende Kraft hinter dem Projekt «Signal», schreibt das Finanzportal unter Berufung auf «eine Auskunftsperson». Weber habe schon mit Finanzminister Ueli Maurer über «Signal» gesprochen.

Und, so Inside Paradeplatz weiter, Weber habe einen ehrgeizigen Zeitplan. Anfang 2021 soll die Fusion vereinbart werden und schon Ende des gleichen Jahres soll es so weit sein: Die Schweiz hätte eine globale Megabank.

Es würde eine Bank entstehen, die eine Bilanzsumme von 1,7 Billionen Franken auf die Waage brächte und über 116'000 Mitarbeiter zählen würde. Was die Börsenkapitalisierung anbelangt, wäre die fusionierte Bank mit einem Wert von rund 65 Milliarden Franken noch immer ein Leichtgewicht. Dies zumindest im Vergleich mit den drei grossen Novartis, Roche und Nestlé. Allein der Nahrungsmittelkonzern weist eine Bewertung von knapp 317 Milliarden Franken auf.

Die Kommunikationsstellen von UBS und Credit Suisse werden heute von Medien aus aller Welt bestürmt. Was ist dran an den Spekulationen? «Wir nehmen zu Gerüchten keine Stellung», liessen sowohl UBS wie CS unisono verlauten. Zumindest die Kommunikation – sie war abgesprochen.

UBS-Präsident Axel Weber (rechts) soll treibende Kraft der Fusion sein. Konzernchef Sergio Ermotti (links) sagt zu den Gerüchten: «Kein Kommentar.»

UBS-Präsident Axel Weber (rechts) soll treibende Kraft der Fusion sein. Konzernchef Sergio Ermotti (links) sagt zu den Gerüchten: «Kein Kommentar.»

Bild: Walter Bieri, Keystone

Die CH-Media-Redaktion versuchte es um den Mittag bei UBS-Konzernchef Sergio Ermotti direkt. Auch er liess sich nicht mehr als ein «Kein Kommentar zu Gerüchten» entlocken, als er das Handy abnahm. Auf die Nachfrage, ob bei einer so grossen Sache wie einer Fusions-Spekulation nicht ein Dementi nötig wäre, sollte nichts dran sein, wiederholte Ermotti: «Kein Kommentar.»

Die Interpretation eines «no comment»

Kann man in diesem Fall, wie bei einem Gerücht über eine kleine Restrukturierung oder eine Klage, auch einfach mit «kein Kommentar» kommunizieren? Bankintern wird dieses Statement als Bestätigung für irgendeine Form der von Gesprächen zwischen CS und UBS gedeutet. «Es muss nicht gleich eine wirkliche Fusion sein», sagt ein CS-Mann, «aber wenn gar nichts wäre, dann würde eine solche Meldung irgendwann im Verlauf des Tages dementiert werden.»

Ein weiterer CS-Manager, der dem höheren Kader zuzuordnen ist, sagt: «Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich die Story las.» Eine Fusion käme völlig überraschend und werde von niemandem erwartet. Sie sei auch nie ein Gesprächsthema gewesen. Und weiter:

«Wenn da was dran ist, muss das bislang im engsten Kreis der Verwaltungsratspräsidenten besprochen worden sein.»

Als gesichert kann gelten: Weber schaut sich europaweit nach möglichen Fusionspartnern um. In deutschen Medien wurde über eine mögliche Fusion von UBS und Deutsche Bank berichtet. Aus verlässlicher Quelle weiss CH Media, dass Weber tatsächlich ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank ausgelotet hat. Doch die Deutsche Bank war letzten Endes zu angeschlagen, um den UBS-Aktionären eine Übernahme verkaufen zu können.

Auch ist es ein offenes Geheimnis, dass die europäischen Behörden die Entstehung von Megabanken fördern wollen. Solche europaweiten Champions sollen helfen, die europaweite Konsolidierung des Bankensektors zu ermöglichen. Von der Krise der Eurozone geschwächte Banken sollen in die Arme solcher Champions getrieben werden. Eine UBS/CS würde beispielsweise eine deutsche Commerzbank übernehmen.

Hohe Auflagen der Wettbewerbsbehörden

Doch in der Schweiz hätte Weber einige Probleme zu lösen. Im Schweizer Retailbanking würde ein Zusammengehen von UBS und Credit Suisse wohl eine zu hohe Marktkonzentration zu Folge haben. In vielen Regionen hätten die Kunden nicht mehr allzu viele Auswahlmöglichkeiten. Die Wettbewerbsbehörden würden wohl hohen Auflagen machen.

Auch wäre eine neue Schweizer Megabank endgültig «too big to fail». Sie käme auf eine Bilanzsumme von etwa 2.5 Mal des schweizerischen Bruttoinlandprodukts. Die Schweiz wäre als Standort einer solchen Megabank international unglaubwürdig. Im Falle einer Schieflage wäre sie endgültig überfordert, auch wenn ihr die Rettung der UBS noch gut gelang.

Doch Weber dürfte mehr die internationale Logik im Auge haben: Die UBS würde ihre weltweit führende Vermögensverwaltung vergrössern können, um die Kundschaft der Credit Suisse. Diese wiederum würde ihre deutlich stärkere Investmentbank in das neue Gebilde einbringen.

Kommen die Regulatoren ins Schwitzen?

In dieser Konstellation könnte die neue Schweizer Megabank auch eher im amerikanischen Markt einen neuen Versuch wagen. Auch wenn den Schweizer Regulatoren wohl nur schon beim Gedanken daran die Schweissperlen auf die Stirn kommen. Die UBS musste 2008 vor allem deswegen gerettet werden, weil sie mit überambitionierten Plänen in den USA krachend gescheitert war.

UBS und CS müssen irgendwie wachsen. Ihre Börsenkurse siechen seit Jahren dahin. Was sie einsparen an Personal, müssen sie wieder ausgeben für Sachaufwand. In der Schweiz sind die Gesamtkosten aller Banken in den letzten zehn Jahren mehr oder weniger gleich geblieben, obschon die Banken heute deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen und der Personalaufwand fast einen Fünftel tiefer liegt.

Ein grosser Posten unter diesem stark gestiegenen Sachaufwand sind Investitionen in die IT. Solche Kosten auf mehr Kunden verteilen zu können - das muss das Ziel aller Banken sein. Also braucht es Zusammenschlüsse, mitunter vielleicht gar eine Megafusion von einer UBS und einer Credit Suisse.

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