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Geldwäscherei-Fall bei der Danske Bank: «Ich hoffe, das war ein Weckruf»

Die Niederländerin Hennie Verbeek Kusters jagt Kriminelle im Finanzsystem. Sie erwartet, dass nach dem Fall Danske Bank andere europäische Finanzinstitute ihre Kundenlisten genau prüfen.
Interview: Daniel Zulauf
Hennie Verbeek.

Hennie Verbeek.

Hennie Verbeek, Sie sind in Ihrer Funktion als Leiterin der niederländischen Anti-Geldwäsche auch Präsidentin der Egmont-Gruppe, wo Sie mit anderen Behörden weltweit Ihre Erfahrungen austauschen. Wird Geld in Amerika, Europa, Afrika und Asien immer gleich gewaschen?

Jedes Finanzsystem ist in der Welt auf seine eigene Weise dem Risiko ausgesetzt, für die Zwecke der Geldwäsche missbraucht zu werden. Die Geldwäscher wissen, wie sie aus den unterschiedlichen Systemen Nutzen ziehen können. Das ist auch ein Grund, weshalb kriminelle Gelder bisweilen über grosses Distanzen hinweg verschoben werden. Letztlich geht es immer darum vorzutäuschen, dass kriminelles Geld aus einer legalen Quelle stammt und dass es rechtmässig ausgegeben oder transferiert wird.

Die Täter versuchen nicht zwingend die Herkunft, sondern vielmehr das illegale Ziel der Geldflüsse zu verstecken.

Seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York beschäftigten sich Behörden wie die Ihrige auch intensiv mit dem Kampf gegen die Terrorismusfinanzierung. Wo liegen die Unterschiede zur Geldwäsche?

Im Fall der Geldwäsche ist die Herkunft der Gelder eigentlich immer illegal. Bei der Terrorismusfinanzierung kann die Geldquelle ebenfalls illegal sein. Aber sie kann genauso gut auch legal sein. Die Geldmittel können zum Beispiel aus Spenden oder Zuwendungen kommen oder von regulären Einkommen aus bezahlter Arbeit. Die Täter versuchen nicht zwingend die Herkunft, sondern vielmehr das illegale Ziel der Geldflüsse zu verstecken.

Über die estnische Filiale der Danske Bank könnten kriminelle Gelder von bis zu 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. Ist das der Eisberg oder nur seine Spitze?

Die Summe der gewaschenen Gelder ist per Definition eine Dunkelziffer. Ohne hier meine eigene Schätzung abgeben zu wollen, sollten Sie einfach bedenken, dass die meisten kriminellen Handlungen finanziell motiviert sind und einige Verbrechen sind einfach Big Business. Kürzlich wurde in den Niederlanden ein Bericht publiziert, nach dem die Herstellung und der Verkauf synthetischer Drogen in den Niederlanden jährlich einen Umsatz von mindestens 18 Milliarden Euro generiert. Man weiss auch, dass im weltweiten Menschenhandel jährlich ungefähr 150 Milliarden Dollar umgesetzt werden. Wir reden also nicht über kleine Zahlen. Das zeigt, dass wir mit unserer Arbeit nichts zu verlieren und alles zu gewinnen haben.

Steht im Zentrum der europäischen Geldwäscherei-Affäre: die Danske Bank. (Bild: Mads Claus Rasmussen/Keystone (Kopenhagen, 25. September 2)

Steht im Zentrum der europäischen Geldwäscherei-Affäre: die Danske Bank. (Bild: Mads Claus Rasmussen/Keystone (Kopenhagen, 25. September 2)

Der Danske-Fall bestärkt Kritiker, die das Anti-Geldwäsche-Dispositiv vieler Banken für nicht mehr zeitgemäss halten. Aufschlussreicher als die Identität einzelner Kontoinhaber seien die Muster verdächtiger Geldflüsse. Wie stellen Sie sich zu dieser Position?

Ich kann das bisherige Danske-System nicht kommentieren. Aber unabhängig von jeder Kritik bleibt es wichtig, dass die Banken ihre Kundenlisten laufend nach Namen bekannter Krimineller und ihrer Helfer durchforsten. Allerdings weiss man auch von den grössten Geldwäsche-Systemen, die bisher offengelegt und untersucht werden konnten, dass es in diesen keine direkten Bezüge zu den Namen bekannter Krimineller gab. Die Systeme waren ohne direkte und sichtbare Bezüge zu diesen Kreisen aufgebaut. Die Personen konnten allein durch die Überwachung der Geldflüsse, hauptsächlich der grenzüberschreitenden Geldflüsse und durch die Offenlegung ungewöhnlicher Zahlungsmuster identifiziert werden. Solche Analysen der Geldströme haben sich als sehr wirkungsvoll erwiesen. Sie sind aber auch aufwendig und brauchen viele Ressourcen.

Die niederländische Grossbank ING hat sich kürzlich in einem grossen Fall von Geldwäsche mit den niederländischen Strafbehörden auf die Zahlung einer für europäische Verhältnisse bislang beispiellose Strafe von 775 Millionen Euro geeinigt. Wie bewerten Sie diese Strafe?

Die Busse an sich belief sich auf 100 Millionen Euro. Über den Restbetrag haben sich die niederländische Staatsanwaltschaft und die Bank zur Beilegung einer Strafuntersuchung geeinigt. Ich vertraue darauf, dass die Staatsanwaltschaft die richtige Abwägung vorgenommen hat.

Werden wir in Zukunft in Europa noch mehr Strafen in diesen (amerikanischen)Dimensionen sehen?

Ich bin nicht in der Stellung, um eine solche Prognose machen zu können. Ich kann nur hoffen, dass alle Finanzinstitutionen diese jüngsten Fälle als Weckruf verstehen. Die beiden erwähnten Banken, die gerade im Rampenlicht stehen, sind renommierte Institute, die eine wichtige Rolle im Finanzsystem spielen. Dennoch sind die Verfehlungen passiert. Wenn andere Institutionen aus diesen Vorfällen ihre Lektionen lernen, dann gelangen wir in Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung in eine bessere Position.

Die lettische Grossbank ABLV wurde von der US-Anti-Geldwäschebehörde im Januar als Gefahr für die Integrität des internationalen Bankensystems an den Pranger gestellt. Kurz darauf wurde die Bank abgewickelt. Ist der Geldwäsche-Pranger heutzutage das Todesurteil für eine Bank?

Negative Publizität solcher Art wirkt sich in zweifacher Weise aus: Einerseits kann sie dazu führen, dass Kunden die Bankbeziehung beenden, weil sie mit Blick auf potenziell hohe Strafen gegen die Banken ihre Guthaben in ­Sicherheit wähnen wollen. Anderseits kann es für die Bank schwieriger werden, von anderen Instituten weiterhin als Korrespondenzbank akzeptiert zu werden. Das hat mit den Risikovermeidungsstrategien der Banken zu tun. Vertrauen ist essenziell für die Banken.

Das scharfe Sanktionsregime insbesondere der amerikanischen Behörden hat vor allem viele US-Banken veranlasst, ihre Beziehungen zu Banken aus Risikoländern abzubrechen oder einzuschränken. Wandern Finanzgeschäfte so in den Untergrund ab?

Eine Ausdünnung des Korrespondenzbanken-Systems führt im globalen System zu Problemen. Gewisse Finanzdienstleistungen, die im regulierten Bereich nicht mehr angeboten werden können, verschieben sich in den nicht-regulierten Bereich. Die Abwanderung in den Untergrund ist eine natürliche Reaktion.

Hinterlassen Kryptowährungen keinerlei Spuren im Finanzsystem oder gibt es trotz allem Fährten, die sich verfolgen lassen?

Die uns vorliegenden Berichte zeigen in verschiedenen Fällen, wie Kryptoguthaben an bestimmten Zeitpunkten immer wieder in reguläres Geld umgetauscht und die gelösten Summen in das regulierte Finanzsystem zurückgeführt werden. An diesen Zeitpunkten können die Banken und Finanzgesellschaften ungewöhnliche Transaktionen an die Anti-Geldwäschebehörde melden. Wir konnten solche Transaktionen schon in verschiedenen Fällen analysieren und die zugrunde liegenden kriminellen Aktivitäten aufdecken.

Gibt es neue regulatorische Vorgaben für den Krypto­bereich?

Ja. Nach der Implementierung der fünften EU-Anti-Geldwäsche-Direktive werden auch die Wallet Provider (treuhänderische Depotstellen für Kryptowährungen Anm. d. Red.) und die Crypto Currency Exchange Offices (Betreiber von Handelsplattformen, Anm. d. Red.) ungewöhnliche Transaktionen melden müssen. Das ist ein wichtiges neues Instrument, das nötig ist, um das bestehende Meldesystem zu ergänzen.

Geldwäsche im Kryptobereich

Das «Wall Street Journal» hat letzte Woche darüber berichtet, wie Krypto-Tauschplattformen für Geldwäscherei missbraucht werden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen weltweit insgesamt 88,6 Millionen US-Dollar aus undurchsichtiger Herkunft über 46 solcher Krypto-Tauschplattformen gewaschen worden seien. Davon seien 9 Millionen US-Dollar über die Zuger Firma Shapeshift geflossen. Eine Shapeshift-Spre­cherin sagte auf Anfrage unserer Zeitung, der Artikel im «Wall Street Journal» sei voller Ungenauigkeiten. Eine formelle Antwort auf den Bericht werde man in Kürze veröffentlichen.

Shapeshift tappt nicht zum ersten Mal in die Geldwäsche­falle. Im Mai 2017 sollen Hacker einen Teil der mit dem Schadprogramm «WannaCry» erbeuteten Bitcoins über Shapeshift gewaschen haben. Shapeshift sprach damals von einer «Missachtung der Nutzungsbedingungen». Alle Bitcoin-Konten, die mit der Hackergruppe assoziiert wurden, seien gesperrt worden. (mim)

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