Im Fenstergeschäft herrscht ein harter Verdrängungskampf – so behauptet sich 4B aus Hochdorf

Mehrere Schweizer Fensterhersteller haben in den letzten Wochen ihren Betrieb eingestellt und Hunderte von Stellen gestrichen. 4B aus Hochdorf hingegen hat Umsatz und Gewinn gesteigert.

Maurizio Minetti
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4B-Chef Jean-Marc Devaud am Hauptsitz des Fensterherstellers in Hochdorf.

4B-Chef Jean-Marc Devaud am Hauptsitz des Fensterherstellers in Hochdorf.

Bild: Nadia Schärli (11. März 2020)

500 Arbeitsplätze. So viele Jobs verschwinden, weil drei Schweizer Fensterhersteller in den letzten Wochen in Not geraten sind. Die Pleite des Thuner Fensterbauers Ruchti Aerni betrifft 220 Mitarbeiter, zuvor musste bereits der rund 180 Mitarbeitende zählende St.Galler Hersteller Swisswindows das Handtuch werfen. Swisswindows gehörte zur Steinhauser Swisspor-Gruppe der Brüder Bernhard und Georges Alpstaeg und war immerhin einer der vier grössten Fensterhersteller der Schweiz. Und auch die Favorol Papaux in Freiburg entlässt fast hundert Angestellte.

Was ist los in der Fensterbranche? Für Jean-Marc Devaud kommen diese Pleiten nicht überraschend. Er ist seit letztem August CEO des Hochdorfer Fensterbauers 4B und damit Chef des Schweizer Marktführers von Holz-Metall-Fenstern. Dieses Segment macht fast die Hälfte des Schweizer Marktes aus. Härter umkämpft ist der Markt für Kunststofffenster – hier sind auch die Preise tiefer. «Ich kenne zwar die individuellen Gründe für die Geschäftsaufgaben nicht, doch die Tendenz ist klar: In der Schweiz gibt es immer noch Überkapazitäten und der Verdrängungskampf ist hart. Entsprechend sind die Gewinnmargen tief.»

Auslagerung ins Ausland ist kein Allheilmittel

Aus der Fensterbranche ist zu hören, dass die Abnehmer nicht mehr bereit sind, kostendeckende Preise zu bezahlen. Für Devaud greift diese Betrachtungsweise aber zu kurz. Ihm zufolge offerieren gewisse Fensterhersteller zum Teil so tiefe Preise, um einen grossen Auftrag zu gewinnen, dass sie damit kaum mehr etwas verdienen. Devaud kennt Mitbewerber, die «Aufträge kaufen», also bewusst in Kauf nehmen, Geld zu verlieren, um einen grossen Kunden zu angeln. «Auf Dauer kann das nicht gut gehen, darum machen wir das nicht. Wir kleben keine Geldnoten an unsere Fenster; das wär der Anfang vom Ende», sagt der 55-jährige Basler.

Um Kosten zu sparen, schielen viele Fensterhersteller ins Ausland. Der direkte 4B-Mitbewerber Ego Kiefer, der zum Arbonia-Konzern gehört, produziert schon seit einigen Jahren teilweise in Deutschland und Osteuropa. Doch der Grossteil der Schweizer Fensterhersteller produziert nach wie vor im Inland. Grund dafür ist, dass der grösste Teil der Kosten im Fenstergeschäft ohnehin erst bei der Montage auf der Baustelle anfällt, eine reine Verlagerung der Produktion also nicht die Wirkung hat, die man gemeinhin annehmen könnte. So hat sich etwa die Hagendorner Firma Baumgartner Fenster erst vor zehn Tagen zum Standort Zug bekennt und eine angedachte Verlagerung nach Tschechien verworfen.

4B verbessert Ergebnis und investiert in Digitalisierung

Wie sieht es bei 4B aus? «Eine Auslagerung der Produktion ins Ausland kommt für 4B nicht in Frage, wir sind in der Schweiz schneller und flexibler», sagt der Geschäftsführer. Das Unternehmen beschäftigt heute insgesamt 670 Personen schweizweit, davon rund 400 am Hauptsitz in Hochdorf.

Die Strategie von 4B scheint aufzugehen. Denn das 1896 gegründete Unternehmen, das heute Mark und Otto Bachmann gehört, ist finanziell gut unterwegs: Letztes Jahr stieg der Umsatz um 3 Prozent auf 182,5 Millionen Franken. Auch den Gewinn habe man wie schon ein Jahr zuvor «deutlich verbessert», sagt Devaud. Vor allem im Renovationsgeschäft konnte 4B markant zulegen. Und zu Beginn dieses Jahres verzeichneten die Hochdorfer einen «rekordhohen Auftragseingang».

Devaud glaubt, dass sich der Strukturwandel in der Fenster- und Fassadenbranche weiter akzentuieren wird, vor allem auch, wenn sich die Konjunktur abkühlt. «Womit sich für 4B neue Chancen in der Marktbearbeitung ergeben», wie er sagt.

4B hat in den letzten Jahren auf den Standort Schweiz gesetzt und mehr als 15 Millionen Franken investiert. Ein signifikanter Teil davon ist in die Digitalisierung geflossen. Erste Feldversuche der «Smartifizierung» von Fenstern seien erfolgreich umgesetzt worden. «Wir werden in absehbarer Zeit innovative Fenstersysteme auf den Markt bringen, die neben einer Top-Energieeffizienz dem Trend zum ‹Smart Living› gerecht werden», stellt 4B-CEO Devaud in Aussicht.

Fensterbauer streben an die Spitze

Der Fenster- und Fassadenspezialist 4B hat 13 Millionen Franken in seine Produktionsstätte in Hochdorf investiert. Jetzt fasst das Unternehmen in der Westschweiz und in St. Gallen Fuss. Ziel von 4B ist es, die Nummer eins im Fenstergeschäft zu werden.
Rainer Rickenbach