Senioren

Im Garten erwünscht, im Büro nicht

Rüstige Rentner finden nicht ohne weiteres eine Arbeit – ausser als Rasenmäher. Das zeigt das Beispiel von Peter Hiltebrand.

Irina Kisseloff
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Ältere Menschen

Ältere Menschen

Heute und morgen buhlen im Hauptbahnhof Zürich diverse Firmen an der Messe «Generation Gold» um die Vertreter der älteren Generation.

Einen kleinen Stand wird auch die Start-up-Firma Emeritus-Work betreiben. Der 30-jährige Firmenchef Fabio Babey hat sich zum Ziel gesetzt, ein professioneller Arbeitsvermittler für «aktive Menschen im Ruhestand» zu werden.

Inspiriert haben ihn und seinen Geschäftspartner Christian Wittmer die fitten eigenen Eltern: «Sie wollen noch nicht zum alten Eisen gehören», sagt Babey. «Durch sie haben wir realisiert, dass ein grosses Arbeitskräftepotenzial brachliegt.»

Seit kurzem können sich Senioren bei Emeritus-Work registrieren lassen. Knapp 40 haben das getan, die meisten (sehr) gut qualifiziert und auf der Suche nach einer interessanten Tätigkeit. Gleichzeitig haben Babey und Wittmer 200 kleinen und grossen Unternehmen ihre Dienstleistung angeboten.

Kein einziges Stellenangebot

Resultat: kein einziges Stellenangebot für die Senioren. «Einige sagen, sie würden mit ihren eigenen Pensionierten zusammenarbeiten, andere stellen aus Prinzip nur jüngere Menschen an und wieder andere haben Angst, dass die Älteren zu wenig flexibel sein könnten», erläutert Babey seine Erfahrungen.

Eine ähnliche Idee wie Babey hatte im letzten Dezember Peter Hiltebrand. Der Elektromonteur im Ruhestand hatte keine Lust, zu Hause zu sitzen. Er gründete die Internetplattform «Rent a Rentner» (Miete einen Rentner), auf der rüstige Senioren ihre Dienste anbieten können.

Hier geht es eher um einfachere Aufgaben wie Gartenarbeiten, Katzen füttern oder Ikea-Möbel zusammenbauen. «Die Nachfrage nach den Leistungen der Rentner auf unserer Plattform ist sehr gross», sagt Elsbeth Hiltebrand, die Frau des Firmengründers.

Allerdings seien es keine Unternehmen, sondern Privatpersonen, die an den Diensten interessiert sind. «Besonders gesucht sind Senioren, die den Rasen mähen.»

Der Stundenlohn ist Verhandlungssache. «Rent a Rentner» empfiehlt aber einen Richtpreis von 35 Franken pro Stunde. Die Rentner können sich kostenlos auf der Plattform registrieren lassen.

Peter Hiltebrand hofft, seine Auslagen für die Vermittlungsdienste über Werbung auf der Website wieder hereinzuholen. Auch Emeritus-Work ist für die Pensionierten kostenlos. Babey, der gerade sein Doktorat an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich abgeschlossen hat, würde bei erfolgreicher Vermittlung von den Unternehmen eine Provision von 50 Franken erhalten.

«Wenn eine Person dann zudem mehr als zwei Monate an der neuen Stelle arbeitet, muss das Unternehmen zusätzlich einen Monatslohn abzüglich der 50 Franken zahlen.» Babey glaubt an die Idee einer Senioren-Arbeitsvermittlung, doch sie seien damit wohl «einige Jahre zu früh». Er sieht die Senioren dabei nicht in Konkurrenz zu jungen Arbeitnehmern: «Es gibt viele Stellen, die sind für junge Arbeitnehmer undankbar, zum Beispiel, weil es sich um Übergangsstellen handelt.»

Schwarzarbeit ist verbreitet

Altersforscher François Höpflinger teilt die Ansicht, dass das Emeritus-Konzept einige Jahre zu früh kommt: «In der Schweiz ist die demografische Entwicklung bisher durch die Zuwanderung kompensiert worden.» Zudem holten Firmen in der Tat oft ihre eigenen Senioren zurück. Und schliesslich laufe vieles an einer professionellen Arbeitsvermittlung vorbei: «Pensionierte üben oft Schwarzarbeit aus.»