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Im Osten viel Neues: So rüstet sich die Arbonia für die Zukunft

Der Gebäudezulieferer Arbonia treibt seine Verlagerung vom Westen in den Osten Europas voran. In Altstätten bleiben von der einst stolzen Ego Kiefer nur Fragmente, und die Roggwiler RWD Schlatter bereitet Sorgen.
Thomas Griesser Kym
Alexander von Witzleben, Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Arbonia, der früheren AFG Arbonia-Forster. (Bild: Benjamin Manser)

Alexander von Witzleben, Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Arbonia, der früheren AFG Arbonia-Forster. (Bild: Benjamin Manser)

Die neue Arbonia-Gruppe nimmt immer mehr Gestalt an. Neu bedeutet: Der Konzern fokussiert auf die Gebäudezulieferung und hierbei auf die vier Sparten Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK), Sanitär, Fenster sowie Türen. Neu bedeutet aber auch: Das Unternehmen investiert in seine Werke, wird digitaler, erhöht den Automatisierungsgrad – und verlagert zusehends seine Produktion vom Westen in den Osten Europas (siehe Karte).

«Osteuropa boomt», sagte an der Bilanzpressekonferenz denn auch Alexander von Witzleben, Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Arbonia mit Sitz in Arbon. «Die osteuropäischen Märkte wachsen im Bausektor ­ in den nächsten Jahren erheblichst und teils mit zweistelligen Raten», prophezeit er. Von Witzlebens Fazit: Diese Märkte dürften für Arbonia attraktiver werden als jene im Westen.

Seit 2015 arbeitet das Unternehmen daran, Teile seiner Produktion Richtung Osten zu ver­lagern. Nicht nur weil man dort lukrative Geschäftschancen wittert, sondern auch aus Kostengründen: Im Osten sind die Löhne, obwohl sie deutlich stärker wachsen als in der Schweiz und in Deutschland, nach wie vor viel tiefer als im Westen. Mittlerweile beschäftigt die Arbonia über die Hälfte der Belegschaft im Osten, während der Schweizer Anteil an der Konzernbelegschaft seit 2015 von 23 Prozent auf laut Finanzchef Felix Bodmer «bescheidene» 12 Prozent geschrumpft ist. Das spiegelt die Verlagerung der Heizkörperproduktion von Arbon ins tschechische Stribro sowie den Umzug des Fensterbaus der Ego Kiefer von Altstätten und Villeneuve in die Slowakei und den Osten Deutschlands.

Industriearbeiter und Handwerker sind gesucht

Die Verlagerungen sind verbunden mit erheblichen Investitionen in die Werke, um diese effi­zienter und produktiver zu ge­stalten. Das ist unabdingbar, wie von Witzleben sagt: Zum einen herrscht in den meisten Ländern Fachkräftemangel, und die Loyalität der Beschäftigten im Osten ist relativ gering. Finden sie woanders einen besser bezahlten Job, wechseln sie bald die Stelle. Die Folge sind Fluktuationsraten in den Fabriken im Osten von bis zu 15 Prozent, was die Arbonia zwingt, permanent neue Leute zu rekrutieren und einzuarbeiten. Darum erhöht das Unternehmen die Digitalisierung und Automatisierung. Dies wiederum hat zusammen mit den tieferen Löhnen im Osten dazu geführt, dass die Personalausgaben gemessen am Umsatz seit 2015 von 37,4 auf 33,1 Prozent gesunken sind. Im Weiteren ist die Bautätigkeit in den meisten Ländermärkten der Arbonia anhaltend hoch, was die Nachfrage nach ihren Produkten befeuert. Allerdings gibt es auch Hemmnisse: In Deutschland et­wa sind Baufirmen und Handwerksbetriebe derart ausgelastet, dass der Wohnbau nicht mit dem Bedarf Schritt halten kann.

Altstätten schrumpft, in Roggwil wird investiert

Ganz reibungslos läuft die Umschichtung indessen nicht. So hat die Produktion im thüringischen Langenwetzendorf, wohin grosse Teile des Ego-Kiefer-Fensterbaus verlagert wurden, einige Anlaufschwierigkeiten bekundet. Nun aber laufe die Produktion rund, und von Witzleben rechnet damit, dass ab dem dritten Quartal dieses Jahres in Altstätten, wo derzeit gegen 100 Mitarbeitende in gekündigter Stellung arbeiten, nur noch ein Service-Shop mit lediglich 15 bis 20 Beschäftigten übrig sein wird, die Fenster reparieren und Sonderanfertigungen vornehmen. In Roggwil wiederum, wo die RWD Schlatter Türen herstellt und 76 Millionen Franken umsetzt, bereitet die relativ niedrige betriebliche Marge von 3,4 Prozent Sorgen. Laut von Witzleben steht bei RWD Schlatter das Objektgeschäft auf dem Prüfstand, weil es «praktisch keinen Ertrag generiert». Demge­genüber operieren die Türenfabriken in Deutschland und Polen mit Margen zwischen 10 und 15 Prozent und hart an der Kapazitätsgrenze, weshalb sie nun modernisiert und ausgebaut werden. Aber auch für RWD Schlatter bestehen Investitionspläne: Das Thurgauer Unternehmen erhält 2019/20 eine moderne Lackierstrasse und ein neues, hochflexibles Bearbeitungszentrum.

Insgesamt dürften die Investitionen nach dem vorjährigen Rekord von 136 Millionen Franken dieses Jahr 100 Millionen erreichen. Der Konzernumsatz, der vergangenes Jahr 1,374 Milliarden Franken betrug, soll 2019 organisch um 3 Prozent (im Vorjahr 2,5 Prozent) wachsen, und das Betriebsergebnis vor Abschreibungen soll von 115 auf 128 bis 136 Millionen zunehmen. Für 2018 zahlt die Arbonia erstmals seit fünf Jahren eine Dividende.

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