Microsoft-Mitgründer Paul Allen ist verstorben

Zusammen mit Bill Gates legte Paul Allen in den Siebzigerjahren das Fundament für den Technologiekonzern Microsoft. Jetzt ist er im Alter von 65 Jahren verstorben.

Renzo Ruf, Washington
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Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Bild: Elaine Thompson/AP (Seattle, 17. September 2017)

Microsoft-Mitgründer Paul Allen.
Bild: Elaine Thompson/AP (Seattle, 17. September 2017)

Der Brief trug das Datum 31. Dezember 1982 und er besiegelte das Ende einer Partnerschaft, die buchstäblich die Welt veränderte. Wiewohl: Der Verfasser des Briefes, der damals 27-jährige Bill Gates, hatte eigentlich ganz anderes im Sinn. Er wollte seinen Kompagnon Paul Allen, mit dem er 1975 in Albuquerque (New Mexiko) das Technologieunternehmen Microsoft gegründet hatte, von einer Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit überzeugen – obwohl Gates in dem Brief an mehreren Stellen antönte, dass er sich von Allen nicht verstanden fühle. «Ich weiss, dass du darüber mehr nachgedacht hast als ich, aber wirst du wirklich als Einzelkünstler auftreten?» Seiner Meinung lägen die Stärken des 15 Monate älteren Allen in der Planung und Gestaltung, aber nicht in der Umsetzung von Aufgaben.

Allen, der über den Brief in seiner 2011 veröffentlichten Autobiografie schrieb, stritt nicht ab, dass sein alter Schulfreund ehrgeiziger war. Gates sei immer ein besserer Geschäftsmann gewesen, schrieb er später, «heftiger» und «skrupelloser». Er hingegen war der Visionär, der die technologische Feinarbeit leistete. Zu Beginn der Achtzigerjahre aber war Allen erschöpft, weil er unter einem bösartigen Tumor des Lymphsystems litt, und er hatte es satt, sich ständig mit Gates und dessen Nummer zwei, Steve Ballmer, zu reiben. Sein ­Vater habe immer gesagt: «Was auch immer du tust, stelle sicher, dass du es gerne machst.» Also entschied sich Allen zu Beginn des Jahres 1983, Microsoft zu verlassen und ein neues, glücklicheres Leben zu beginnen.

Zweite Karriere in Seattle

Ganz allerdings trennte er sich nicht von seiner Firma. Allen verblieb im Verwaltungsrat des Unternehmens als stellvertretender Vorsitzender und trennte sich auch nicht von seiner umfangreichen Beteiligung. Gemäss einem 1977 verfassten Vertrag besass Gates 64 Prozent von Microsoft und Allen 36 Prozent. Als Microsoft 1986 an die Börse ging, wurde Allen deshalb quasi über Nacht zum Milliardär. Dieses Vermögen nutzte der Junggeselle, um eine zweite Karriere zu starten und seine Heimatstadt Seattle an der Pazifikküste umzugestalten.

Als Vehikel diente Allen dabei seine Holding-Gesellschaft Vulcan Inc.: ein Gemischtwaren­laden, der sowohl das Football-Team Seattle Seahawks umfasste als auch das Immobilienunternehmen Vulcan Real Estate und das weltweit bekannte Museum of Pop Culture. Allen investierte zudem Milliarden von Dollar in die Wissenschaft: das nach ihm benannte Institut spezialisierte sich auf Zellbiologie und die Erforschung des Gehirns. Sein Vermögen wurde zuletzt auf 20 Milliarden Dollar geschätzt, er war Nummer 21 auf der Liste der reichsten Amerikaner. Und Obwohl er Millionen in Luxushäuser und Luxusjachten steckte, blieb er irgendwie doch ein unkomplizierter Mensch. 2013 erfüllte er sich einen alten Traum, als das Musikhaus Sony das Débutalbum seiner Rockband «The Underthinkers» veröffentlichte. Allen spielte Gitarre, während Stars wie Chrissie Hynde und Joe Walsh sangen.

Am Montag starb Paul Gardner Allen, der sich selbst als «Ideenmensch» bezeichnete, im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in Seattle. Gates erklärte, der Tod von einem seiner ältesten und liebsten Freunde breche ihm das Herz. Von der gemeinsamen Schulzeit über die Gründung von Microsoft bis hin zu gemeinsamen wohltätigen Projekten sei Paul Allen ein «wahrer Partner» gewesen. Ohne ihn würden Personal-Computer heutzutage nicht existieren. «Er hätte viel mehr Zeit verdient», so Gates weiter. «Wir werden ihn schrecklich vermissen.»