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Tessiner Privatbank im Visier italienischer Ermittler

18 PKB-Bankangestellte sollen lombardischer Kundschaft beim Steuerbetrug geholfen haben. Die Untersuchung ist der Beginn einer Offensive der Mailänder Staatsanwaltschaft gegen Auslandsbanken.
Gerhard Lob, Lugano
Der Sitz der Privatbank PKP in Lugano. (Bild: Karl Mathis/Keystone (15. Februar 2004))

Der Sitz der Privatbank PKP in Lugano. (Bild: Karl Mathis/Keystone (15. Februar 2004))

«60 Jahre internationale Präsenz – 13 Milliarden Franken an verwaltetem Vermögen» rühmt sich die PKB Privatbank mit Sitz in Lugano auf ihrer Homepage. Doch über dem Jubiläumsjahr 2018 sind schwarze Wolken aufgezogen. Vor wenigen Tagen hat die Staatsanwaltschaft Mailand mitgeteilt, eine Untersuchung gegen 18 PKB-Angestellte eröffnet zu haben. Die Vorwürfe sind happig: Geldwäscherei, Beihilfe zum Steuerbetrug und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Die Beschuldigten werden verdächtigt, Gelder von 198 Kunden aus dem Grossraum Mailand in die Schweiz transferiert zu haben. Der Mailänder Generalstaatsanwalt Francesco Greco ist überzeugt, dass die Bankangestellten gewusst haben, dass das Geld nicht versteuert war. Es kam zu Hausdurchsuchungen in der Lombardei, wo die meisten Beschuldigten wohnen. Die Finanzpolizei filzte aber auch die in Mailand ansässige Privatbank Cassa Lombarda, die vollständig von der PKB kontrolliert wird.

Selbstanzeige von Kunden lieferte den Hinweis

Die PKB bestätigte die Untersuchung und hielt fest: «Wir glauben, dass die Bank und ihre Mitarbeiter immer in Übereinstimmung mit dem geltenden Gesetz gehandelt haben.» Und verwies darüber hinaus darauf, in Italien über die Lizenz LPS zu verfügen (Libera Prestazione di Servizio). PKB-Sprecher Pascal Dubey erklärte zudem auf Anfrage: «Wir haben keine direkten Informationen von den italienischen Behörden erhalten.» Kunden seien auf alle Fälle nicht betroffen.

Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters kamen die mutmasslich illegalen Transaktionen im Rahmen der italienischen Voluntary Disclosure, des steuerlichen Selbstanzeigeverfahrens, das Steuersündern Straffreiheit gewährt, ans Licht. Die 198 Kunden hatten im Rahmen dieses Programms 409 Millionen Euro an im Ausland deponierten Geldern deklariert. Rund 50 PKB-Kunden wurden befragt. «Wir haben zudem 1,5 Millionen telefonische Kontakte analysiert, die Aktivitäten der Bankangestellten dokumentiert und die Existenz einer okkulten Organisation festgestellt», sagte Francesco Greco. Die Gratiszeitung «20minuti» zeigte das Bild von einem Luxus-Appartementhaus in der Mailänder Viale Majno, in der die Treffen zwischen Bankangestellten und ihren Kunden stattgefunden haben sollen. Im Gegensatz zur Schweizer Steueramnestie, welche keine Folgen für Banken und deren Mitarbeiter hat, werden Angaben aus der Voluntary Dis­closure von den italienischen Ermittlungsbehörden minutiös ausgewertet. Ausserdem sind die Angaben wesentlich umfangreicher als bei einer Schweizerischen Selbstanzeige, enthalten eben auch die Namen der Bankberater. Die italienische Steuerbehörde hat eine Datenbank angelegt, in der sich Daten von 130 000 italienischen Bürgern befinden, die an der Voluntary Disclosure teilgenommen haben. Während den Kunden Straffreiheit zugesichert ist, können die Ermittler gegen mutmasslich fehlbare Institute und Mitarbeiter vorgehen.

«Wir hören bei der PKB nicht auf»

Angesichts der grossen Datenmenge ist ein Insider des Bankenplatzes Lugano überzeugt, dass der Fall nur der Auftakt zu einer grösseren Welle von Strafuntersuchungen ist, welche der Bankenplatz Tessin zu erwarten hat. Denn bekanntlich nutzten viele Steuerhinterzieher aus der Lombardei Banken im Tessin, um ihr Geld zu verstecken. «Wir haben mehrere Banken unter Beobachtung, und wir hören bei der PKB nicht auf», sagte Generalprokurator Greco. Die Rede ist von Dutzenden von Auslandsbanken. Die Bundesanwaltschaft (BA) in Bern erklärt ihrerseits auf Anfrage, von den Untersuchungen in Mailand Kenntnis genommen zu haben. «Wir haben aber bisher kein Rechtshilfeersuchen in dieser Sache aus Italien erhalten und auch kein eigenes Verfahren eröffnet», meinte ein BA-Sprecher auf Anfrage. Der Fall PKB lässt Erinnerungen an die Credit Suisse (CS) aufkommen, die Ende 2016 einem Vergleich mit italienischen Behörden zustimmte. Die CS bezahlte für ihre Beihilfe zum Steuerbetrug im Falle Tausender italienischer Kunden insgesamt 109,5 Millionen Euro. Italienische Staatsanwälte hatten seit 2014 gegen die CS ermittelt. Sie waren überzeugt, dass die Bank ein betrügerisches System genutzt hatte, um mehr als 14 Milliarden Euro unversteuerter Kundengelder am italienischen Fiskus vorbei auf Offshorekonten zu schleusen und dabei Versicherungspolicen genutzt zu haben. Dabei waren rund 13 000 Kunden involviert.

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