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Im Zentralschweizer Revisionsmarkt herrscht Gedränge

Die «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfer wollen den regionalen KMU-Markt beackern. Doch die einheimischen Revisoren verteidigen ihr Revier.
Maurizio Minetti
Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)
Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)
Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)
Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)Die sogenannten «Big Four» der globalen Wirtschaftsprüfung: EY, PWC, KPMG und Deloitte. (Bilder: Getty)
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Kampf um Zentralschweizer KMU

Man nennt sie ehrfurchtsvoll die «Big Four». Gemeint sind damit die vier grossen Revisions- und Beratungsfirmen, die den grössten Teil des globalen Marktes unter sich ausmachen. Dazu zählen Ernst & Young (EY), PricewaterhouseCoopers (PWC), KPMG und Deloitte. Dieses Oligopol der Buchprüfer ist auch in der Schweiz insbesondere bei Grosskonzernen nicht wegzudenken.

Die Bilanzen kleiner und mittelgrosser Unternehmen (KMU) interessieren die «Grossen Vier» aber kaum – so die gängige Meinung. Stefan Rösch-Rütsche will dieses Bild korrigieren. Er ist seit dem 1. Juli dieses Jahres Chef von EY Schweiz. In einem Interview mit unserer Zeitung sagte er Ende Juli: «EY generiert 60 Prozent des Firmenumsatzes im sogenannten Mid-Market, also im Bereich der mittelgrossen Unternehmen. In Zukunft dürfte dieser Anteil noch weiter ansteigen. Die Erfahrung zeigt, dass sich aus dem Mid-Market heraus die zukünftigen Marktführer entwickeln – auch deshalb wollen wir hier unbedingt präsent sein.»

In der Region Zentralschweiz dürfte der KMU-Anteil schon heute «gegen 90 Prozent» betragen, schätzt Rico Fehr, der die Wirtschaftsprüfung in der Deutschschweiz sowie den Sitz in Luzern von EY leitet. Für EY zählen Firmen bis ungefähr 250 Mitarbeiter zum KMU-Sektor, «wobei es keine harten quantitativen Abgrenzungen gibt», so Fehr.

Schwyzer Bankenspezialist gegen die Grossen

Wenn EY auf KMU-Jagd geht, wie reagieren dann die Auditgesellschaften, die traditionell auf KMU spezialisiert sind? Das ­Luzerner Unternehmen Balmer-Etienne bedient nach eigenen Angaben praktisch nur KMU. CEO Werner Pfäffli sagt: «Wir spüren zwar die Konkurrenz der Grossen, aber nur bei mittelgrossen Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden.» Balmer-Etienne sei vor allem auf Firmen unter 250 Mitarbeitern fokussiert, sagt Pfäffli. Die «Big Four» sieht er nicht als Hauptkonkurrenz an. «Wir messen uns eher mit BDO», sagt er.

BDO generiert über 80 Prozent des Umsatzes mit KMU, sagt Heinz Vogel, Leiter Regionaldirektion Zentralschweiz. Auf die Aussagen von EY will er nicht weiter eingehen. Mit insgesamt 200 Angestellten in der Zentralschweiz ist BDO zwar die grösste Revisions- und Consultingfirma in der Region, zählt man aber nur die Mitarbeiter im Bereich Wirtschaftsprüfung, schwingt PWC obenaus (siehe Tabelle).

PWC-Luzern-Chef Norbert Kühnis sagt: «Bei den internationalen Grossfirmen sind wir auf dem Platz Luzern die Nummer eins.» Was die KMU betrifft, gibt Kühnis zu bedenken, dass der Begriff dehnbar sei. Er schätzt, dass PWC einen ähnlich hohen KMU-Anteil hat wie EY, wenn man die Kunden aus der Finanzbranche hinzuzählt. Im KMU-­Segment habe man im jüngsten Geschäftsjahr ein «hohes einstelliges Wachstum» erreicht. «Der Bereich Familienunternehmen und KMU ist in der Strategie von PWC Schweiz ein Fokusthema und als solches in der Geschäftsleitung durch meine Person vertreten», so Kühnis.

Ein direkter Konkurrent von PWC im Revisionsgeschäft mit KMU-Banken ist die SWA Swiss Auditors AG in Pfäffikon SZ. Das Unternehmen mit knapp einem Dutzend Angestellten gehört zur Schwyzer Revisionsfirma Mattig-Suter und Partner, die ausschliesslich KMU bedient. SWA-Direktor Walter Keck sagt: «PWC hatte als Folge früherer Akquisitionen im Bereich Regionalbanken lange Zeit beinahe ein Monopol, doch das beginnt nun zu bröckeln.» PWC-Luzern-Chef Norbert Kühnis entgegnet: «Wir dürfen viele Regionalbanken in der Region zu unseren Kunden zählen.» Keck von SWA hat allerdings die Erfahrung gemacht, «dass KMU, die primär in der Schweiz tätig sind, von KMU bedient werden möchten, welche die Probleme von KMU besser kennen als eine international und auf Grosskunden ausgerichtete Gesellschaft».

Viel Potenzial im Consulting-Bereich

Traditionell auf grosse internationale Konzerne fokussiert ist Deloitte. «Inzwischen stellen wir uns aber breiter auf», sagt Reto Savoia, der seit Juni Deloitte Schweiz leitet. Deloitte ist das einzige Unternehmen unter den «Big Four», das keine Niederlassung in der Zentralschweiz hat. Die hiesigen Kunden werden von Zürich aus bedient.

Auch KPMG vernachlässigt den KMU-Markt nicht: «Der Regionalmarkt ist für KPMG von hoher Bedeutung. Schweizweit beträgt der Umsatzanteil von Regionalkunden seit Jahren konstant rund 40 Prozent», sagt Stefan Pfister, CEO von KPMG Schweiz. In den einzelnen Regionen sei der KMU-Anteil höher, je nach Bereich und Region zirka 60 bis 80 Prozent. «Die reine Steigerung dieses Anteils ist kein Ziel für uns. Vielmehr wollen wir in der Zentralschweiz, wie auch in den anderen Regionen, weiterhin profitabel wachsen, was uns in der Vergangenheit sehr gut gelungen ist», sagt Pfister.

Alle angefragten Firmen haben die Belegschaft in den letzten Jahren markant gesteigert, zum Teil sogar verdoppelt. Doch im angestammten Geschäft mit Buchprüfungen scheint eine Grenze erreicht: «Der Revisionsmarkt ist gesättigt, hier ist kaum mehr Wachstum möglich», sagt etwa Balmer-Etienne-CEO Werner Pfäffli. Die Firmen konzentrieren sich deshalb vermehrt auf ihr Beratungsstandbein. Nachgefragt werden Dienstleistungen im Bereich Steuern, Recht, Nachfolgeplanung, Treuhand oder Digitalisierung. Bei Deloitte zum Beispiel ist das Beratungsgeschäft nach eigenen Angaben «bedeutend grösser als bei der Konkurrenz».

Die angefragten Firmen berichten unisono, dass neue gesetzliche Bestimmungen wie die im Mai vom Stimmvolk angenommene AHV-Steuer-Vorlage (Staf) für reichlich Aufträge sorgen im Consulting-Bereich – nicht nur, aber auch von Seiten der regionalen KMU.

Dätwyler war 60 Jahre bei der gleichen Revisionsstelle

Schweizer Firmen ab einer Grösse von zehn Mitarbeitern müssen eine Revisionsstelle haben. Eine solche Audit-Firma prüft im Wesentlichen, ob Bilanz und Erfolgsrechnung des Unternehmens den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Um zu verhindern, dass die externe Revisionsstelle mit der Zeit «betriebsblind» wird, muss hierzulande der leitende Revisor alle sieben Jahre ausgewechselt werden – die Revisionsfirma selber muss nicht gewechselt werden.

Es gibt Schweizer Unternehmen, die über mehrere Generationen ihre Bücher von der gleichen Firma prüfen lassen. Dazu gehörte bis vor kurzem auch der börsenkotierte Urner Industriekonzern Dätwyler. Knapp 60 Jahre lang war PWC beziehungsweise deren Vorgängerfirma Revisionsgesellschaft der Dätwyler Holding AG mit Sitz in Altdorf. Erst im Herbst 2017 entschied sich Dätwyler, das Revisionsmandat neu auszuschreiben – zum Zug kam dann KPMG.

In der EU wäre eine solch lange Dauer nicht möglich. Dort muss der Prüfauftrag nach zehn Jahren neu ausgeschrieben werden. Unter bestimmten Bedingungen kann die maximale Dauer auf bis zu 20 Jahre verlängert werden. Die EU-Richtlinie wirkt sich auch auf die Schweiz aus. Wenn Prüfmandate neu verteilt werden, wechseln in der Regel auch die Mandate der Schweizer Tochtergesellschaften.

Gesetzesänderungen sind hierzulande aber nicht geplant. «Eine starre gesetzliche Regelung ist aus unserer Sicht nicht zwingend», sagt Frank Schneider, Direktor der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde RAB. Er ist der Ansicht, dass die geprüften Gesellschaften selber festlegen sollten, in welchem Rhythmus die Revisionsgesellschaft auszuwechseln ist.

Auf freiwilliger Basis hat sich in den letzten Jahren aber einiges getan. Die Anlagestiftung Ethos, die institutionelle Anleger wie Pensionskassen berät, verweigert an den Generalversammlungen die Wahl der Revisionsstelle, wenn diese seit mehr als 20 Jahren im Amt ist.

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