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IMMOBILIENPORTALE: Kriminelle nutzen Wohnungsnot

Auf den Internet-Immobilienportalen sind auch dreiste Betrüger unterwegs. Sie erleichtern leichtgläubige Opfer um mehrere tausend Franken.
Rainer Rickenbach
Auf der Internetseite eines Immobilienanbieters. (Bild Christian Beutler)

Auf der Internetseite eines Immobilienanbieters. (Bild Christian Beutler)

Rainer Rickenbach

Manchmal strahlt den Internet-Nutzern das wahre Glück aus dem Bildschirm entgegen. Etwa wenn sie in einem Immobilienportal auf eine neu hergerichtete, grosszügige Dreizimmer-Wohnung an guter Stadtlage stossen. Eine, die mit 1500 Franken Monatsmiete erst noch günstig ist.

Schlüssel gegen Geld-Depot

Geduld ist in Zeiten der Wohnungsknappheit so ziemlich die letzte Regung, die ein solches Inserat in einem Immobilien-Portal auslöst. Also sofort anklicken und das Interesse anmelden, um bei der zermürbenden Suche nach zahlbaren Mietwohnungen nicht hinten anstehen zu müssen. Was dann folgt, kann leichtgläubige Wohnungssuchende ziemlich viel Geld für nichts kosten. Etwa dann, wenn der Vermieter per Mail wissen lässt, er halte sich zurzeit unglücklicherweise im Ausland auf oder kümmere sich in einem andern Landesteil rührend um seine pflegebedürftige Mutter.

Leider, so heisst es im Mail weiter, sei es dem Wohnungsbesitzer in absehbarer Zeit nicht möglich, eine gemeinsame Wohnungsbesichtigung zu vereinbaren. Das sei aber nicht weiter schlimm, er würde zu diesem Zweck den Wohnungsschlüssel gerne zur Verfügung stellen. Die Interessierten könnten sich dann ohne Begleitung des Hausherrn ein Bild von den Zimmern und der Einrichtung machen, flötet es durch das Netz.

Der Haken dabei: Der Vermieter fordert für den Schlüssel ein Depot. Erst wenn das Geld überwiesen ist, steht der Besichtigung nichts mehr im Weg.

Geld auf Nimmerwiedersehen weg

Die Zahlungsmodalitäten stellten indes den letzten Kontakt mit dem Vermieter dar. Der Schlüssel trifft nie ein, das Geld ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden. «Einige der Leute auf Wohnungssuche liessen sich das Schlüssel-Depot mehrere tausend Franken kosten. Um später festzustellen, dass die preiswerte Traumwohnung gar nicht existiert oder bereits vermietet ist», sagt Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Im Kanton Zug mehren sich seit ein paar Monaten die Beschwerden von Betrogenen. Im Kanton Zürich schätzt die Polizei gemäss der «Neuen Zürcher Zeitung» die Zahl der gefälschten Immobilieninserate auf den Portalen sogar auf täglich über hundert Stück.

Auch für Wohnungen in Luzern und Umgebung ist schon seit einiger Zeit diese Betrugsmasche mit den fiktiven Wohnungen im Gange. «Als Köder dienen in erster Linie Domizile in der Stadt Luzern. Meistens nehmen die Betrüger ihren Opfern tausend Franken ab. Es können aber auch mehr sein», sagt Simon Kopp, Mediensprecher der Luzerner Strafverfolgungsbehörden. «Das Vorgehen der Täter ist hinterlistig und gemein», so Kopp. Nebst Zug und der Agglomeration Luzern haben es die Depotjäger in der Zentralschweiz auch auf den Kanton Schwyz abgesehen.

Täter handeln aus dem Ausland

Der Polizei sind die Hände gebunden. Denn die Spuren der Trickser versanden im Ausland. Die Korrespondenzsprache der Kriminellen in den Mails geben denn oft auch einen wichtigen Hinweis, der skeptisch werden lässt (Tipps siehe Kasten): Sie sind oft in lausigem Deutsch aus Internet-Übersetzungsprogrammen oder in Englisch verfasst. Darauf verlassen sollte man sich indes nicht: Die Internet-Raubritter lernen hinzu, ihre Inserate wirken zusehends professioneller.

Um ihre Spuren zu verwischen, übertölpeln die Depot-Abzocker die Immobilien-Interportale in der Schweiz. «Im Moment ist es immer die gleiche Masche. Der Betrüger schickt ein Mail an die Inserenten mit der Bitte, sein Passwort zu ändern. Über einen gefälschten Link geben die Kunden ihre Login-Daten an, die direkt beim Betrüger landen. Anschliessend werden bestehende Inserate zu Gunsten des Betrügers angepasst. So kommt er danach in Kontakt mit den Wohnungssuchenden,» erklärt Daniel Bruckhoff, Sprecher von Homegate.

«Zu schön, um wahr zu sein»

Ihre Opfer ködern die Betrüger gemäss Cornelia Magnin von Immo Scout 24 mit Angeboten, die «zu schön sind, um wahr zu sein». Magnin: «Es handelt sich um Anzeigen von Wohnungen, die so nicht existieren, oder Inserate, die mittels Phishing abgeändert wurden. Dabei ist das Inserat meistens auffällig attraktiv, die Liegenschaft in einem besonders beliebten Quartier, die Fotos wie aus dem Inneneinrichtungs-Katalog und die Miete liegt unter dem ortsüblichen Durchschnitt.» Die Kontaktangaben in den Inseraten seien zudem oft unvollständig. Der Vermieter lässt sich nur über Mails, nicht aber telefonisch erreichen.

Sowohl Immo Scout 24 als auch Homegate betreiben einen grossen und kostspieligen Aufwand, die Internet-Kriminellen gar nicht erst in ihre Plattformen eindringen zu lassen. Man habe neu Betrugsinserate «vollständig im Griff» und stehe kurz vor einer Lösung, die es verunmöglicht, seriöse Inserate zu manipulieren, heisst es bei Home­gate. Immo Scout 24 wendet mehrstufige automatisierte Prüfprozesse und manuelle Sicherheitskontrollen an.

Inserate: Darauf sollten Sie achten

rr. «Oft macht das scheinbare Glück die Opfer blind und unvernünftig», sagt Simon Kopp von den Luzerner Strafverfolgungsbehörden. Er, sein Zuger Kollege Marcel Schlatter und die Immobilienportale empfehlen den Wohnungssuchenden folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Nie Geld überweisen, bevor eine Immobilie persönlich besichtigt werden konnte und der Vertrag rechtsgültig unterzeichnet wurde.
  • Vorsicht bei äusserst attraktiven Angeboten.
  • Vorauszahlungen jeglicher Art vermeiden – ein seriöser Anbieter verlangt keine Vorauszahlungen für Besichtigungen.
  • Überprüfen der Kontaktangaben. Namen und Adressen stimmen oft nicht überein. Über Suchmaschinen lässt sich nach Verkäuferpseudonym, Firmennamen oder Personennamen suchen.
  • Auf Google Earth oder Google Maps überprüfen, ob an der angegebenen Adresse überhaupt Wohnungen stehen.
  • Keine 0900-Nummern und SMS-Dienste in Anspruch zu nehmen.
  • Im Zweifelsfalle über die Richtigkeit einer Anzeige immer beim Kundenservice des Seitenbetreibers nachfragen. Wer in die Falle getappt ist, sollte sich unverzüglich an die Verantwortlichen des Portals wenden.

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