Pferdefleisch-Skandal
Importiertes Pferdefleisch kommt vor allem aus «Qualproduktion»

Der Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch zieht weitere Kreise: Tierschützer kritisieren, dass das importierte Fleisch aus «Qualproduktion» stamme. Kranke und sterbende Tiere würden in den ausländischen Zuchtbetrieben sich selbst überlassen.

Merken
Drucken
Teilen
Kranke Tiere werden sich selbst überlassen

Kranke Tiere werden sich selbst überlassen

Screenshot Kassensturz

Der Tierschutzbund Zürich kritisiert, dass in die Schweiz importiertes Pferdefleisch aus den USA, Kanada, Mexiko und Argentinien aus «Qualproduktion» stamme.

Weder Haltung, Transport und Umgang mit Pferden noch deren Schlachtung entsprächen den EU- und Schweizer Standards, hiess es. Dies zeigen Recherchen der Tierschützer, die die Sendung «Kassensturz» am Dienstagabend veröffentlicht hat. Alle Verteiler – darunter Migros, Coop, Aldi, Denner, Volg und Lidl – sind demnach betroffen.

Von ungeschultem Personal gequält

So würden beispielsweise sterbende, kranke und verletzte Pferde sich selbst überlassen, ungeeignete Transportfahrzeuge eingesetzt, Pferde von ungeschultem Personal gequält, Transporter versiegelt oder Hunde bei der Verladung der Tiere eingesetzt, berichtete Sabrina Gurtner vom Tierschutzbund Zürich.

Laut Gurtner stammen 90 Prozent des verarbeiteten Pferdefleisches in der Schweiz aus ausländischen Betrieben, wo der Tierschutzbund «ausnahmslos tierquälerische Haltung» festgestellt hat.

Detailhändler nehmen Pferdefleisch aus Regalen

Als Reaktion hätten die Verteiler Aldi, Lidl, Denner und Volg alle Produkte mit Pferdefleisch aus dem Sortiment genommen. Coop verbannte Charcuterie-Produkte aus seinen Läden.

Betroffener Amtschef

Thomas Jemmi, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET), sagte im «Kassensturz», dass die Ergebnisse der Recherche «Folgen haben werden». «Die Bilder machen mich betroffen», sagte er weiter.

Er gab zudem zu bedenken, dass die Umsetzung der Tierschutzgesetzgebung in der Schweiz streng kontrolliert werde. «Leider hört unsere Gesetzgebung aber an der Schweizer Grenze auf», sagte Jemmi. (sda)