Luftfahrt
In 20 Jahren gibt es am Himmel doppelt so viele Flugzeuge

Immer mehr Flugzeuge werden um den Planeten kreisen: Bis 2032 sollen es laut Airbus-Angaben doppelt so viele sein wie heute. Damit steigt allerdings auch die Umweltbelastung massiv.

Stefan Brändle, Paris
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Kondensstreifen am Himmel über Zürich (Archiv)

Kondensstreifen am Himmel über Zürich (Archiv)

Keystone

Gute Nachrichten für die Luftfahrtindustrie: Laut dem europäischen Flugzeughersteller Airbus wird die Nachfrage nach zivilen Grossraummaschinen in den nächsten Jahren durchschnittlich um 4,7 Prozent steigen. Bis 2032 soll sich der Bestand mehr als verdoppeln, wobei in dieser Prognose die altersbedingt ausrangierten Flugzeuge berücksichtig sind. 36 650 Flugzeuge sollen dann im Einsatz sein, verglichen mit dem heutigen Bestand von 17 740.

Vor einem Jahr hatte eine ähnliche Langzeitstudie des europäischen Konsortiums für die gleiche Periode noch tausend Neuverkäufe weniger vorgesehen. Vor allem in Asien setzt sich der Boom stärker fort als bisher erwartet. 2032 wird der grösste Kontinent mit einem Anteil von 36 Prozent am internationalen Luftverkehr die beiden heutigen Hauptmärkte USA (19 Prozent) und Europa (20 Prozent) längst übertroffen haben. China und Indien werden dabei die grössten Zuwachsraten aufweisen.

Ein Billionen-Geschäft

Nutzniesser sind die grossen Flugzeugbauer: Sie werden in den nächsten zwei Jahrzehnten rund 4,4 Billionen Dollar umsetzen, um insgesamt 29 220 Flugzeuge zu bauen. Der Löwenanteil entfällt auf die Mittelstreckenjets wie den A320 von Airbus und den 737 von Boeing. Gleich hohe Gewinne versprechen aber auch die neuen Generationen A350 und der 787, auch «Dreamliner» genannt.

Eine ähnlich strahlende Sicht hat auch Boeing. Im Unterschied zum US-Hersteller – dessen 747 («Jumbojet») langsam ausläuft – glaubt Airbus aber auch an eine weitere Zunahme der Riesenflieger wie den A380 – wegen des ungebremsten Wachstums der asiatischen Megapole.

Nur über eins schweigt sich die Airbus-Prognose aus: die zukünftige Klimabelastung der verdoppelten Flugzeugflotte. Genaue Alternativzahlen gibt es nicht, sodass sich die Umweltverbände mit Hochrechnungen behelfen müssen. Die bis 2032 neu verkauften Flugzeugen dürften schätzungsweise 72 Milliarden Flugkilometer im Jahr zurücklegen. Das ergibt einen jährlichen CO2-Ausstoss von über fünf Milliarden Tonnen.

Bei dieser gigantischen Zahl ist in Betracht zu ziehen, dass die Passagierflüge gemessen am planetaren Verkehrsaufkommen für rund ein Viertel des Treibhauseffektes verantwortlich sein dürften. Die Luftfahrtindustrie stellt diese Schätzzahl in Abrede, lässt aber ausser etwas Betracht: Die CO2-Emissionen eines Flugzeugs sind besonders schädlich, da sie unter anderem in dünnerer Luft erfolgt. Laut dem sogenannten RFI-Faktor müsste sie im Vergleich zum Autofahren mindestens verdreifacht werden. Das relativiert auch die Werbung einiger Fluggesellschaften, ein Passagier verbrauche pro 100 Flugkilometer nur noch etwa drei Liter Treibstoff, also weniger als in seinem Auto. Lufthansa gab vergangene Woche im Rahmen eines Grossauftrages bekannt, dass die Flugzeuge im Schnitt nur noch 2,9 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer konsumieren würden.

Vergleich macht wenig Sinn

Ein solcher Vergleich zwischen Flugzeug und Auto macht allerdings bei den unterschiedlichen Dimensionen wenig Sinn. Das zeigt ein Beispiel: Auf der 6000 Kilometer langen Route von einem europäischen Flughafen in die USA verbraucht ein einzelner Flugreisender etwa 240 Liter Kerosin. Bei einer einzigen Stippvisite nach New York «verbrennt» ein Passagier also gleich mehrere Autotanks.

Trotzdem bleibt unbestritten, dass die Luftfahrtindustrie gewaltige Forschungsanstrengungen unternimmt, damit das Fliegen in Zukunft «sauberer» wird. Airbus enthüllte am Mittwoch in Peking eine leichtere Version des A330-Modells, das namentlich einen tieferen Spritverbrauch verspricht. Bessere Motoren, Biokraftstoffe wie Algen oder gar Treibstoff aus Erdgas oder Wasserstoff könnten den Kerosinverbrauch in der zivilen Luftfahrt langfristig um 40 Prozent senken, schätzen Wissenschafter. Wenn sie die weltweite Flugzeugflotte verdoppelt, bleibt aber unter dem Strich immer noch eine Zunahme des CO2-Ausstosses um 60 Prozent.