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In China und Japan werden reihenweise Roboter «entlassen» – weil sie zu ineffektiv arbeiten

Roboterkellner, Roboterjournalisten, Roboteranwälte – es gibt kaum noch ein Berufsfeld, das nicht von den Folgen der Automatisierung betroffen wäre. Roboter, so das Versprechen, arbeiten präziser, werden nicht müde, machen keine Fehler, fordern keine Lohnerhöhung und streiken nicht. Allein, dieses Effizienzversprechen scheint sich nicht immer einzulösen.
Adrian Lobe
«Wie kann ich Ihnen helfen?»: Roboter wie im japanischen Hotel Henn-na sind auf dem Vormarsch - oder doch nicht? (Bild: Imago Images)

«Wie kann ich Ihnen helfen?»: Roboter wie im japanischen Hotel Henn-na sind auf dem Vormarsch - oder doch nicht? (Bild: Imago Images)

Im Januar wurde bekannt, dass in dem japanischen Themen-Hotel Henn-na mehr als die Hälfte der Roboter entlassen wurden. Das weltweit erste «Roboter-Hotel» hatte 2015 unter grossem Interesse der Öffentlichkeit seine Pforten geöffnet. Gäste konnten rund um die Uhr bei einem Roboter einchecken, Service-Roboter brachten Getränke und Gepäck aufs Zimmer. Saug- und Putzroboter erledigten den Job von Reinigungskräften.

Vom virtuellen Assistenten aus dem Schlaf geweckt

Doch anstatt dem menschlichen Personal Arbeit abzunehmen, produzierten die Robo-Butler Mehrarbeit. Die Robotik war schlicht nicht so ausgereift, um als adäquate Service-Kraft zu fungieren. Die Gäste beschwerten sich, dass der virtuelle Assistent «Churi» ihre Fragen nicht beantwortete. Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» soll ein Hotelgast sogar alle paar Stunden von einem Roboter geweckt worden sein, weil dieser das Schnarchen für Fragen hielt. Das Hotel-Management sah sich daher gezwungen, die Roboter aus dem Verkehr zu ziehen. Ironie der Geschichte: Die Roboter werden nun durch menschliche Hotelangestellte ersetzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Roboter wegen ihrer Ineffizienz aussortiert werden. In einer Filiale der schottischen Supermarktkette Margiotta in Edinburgh wurde ein Roboter nach nur einer Woche bereits wieder entlassen. Der Service-Roboter Pepper, der von dem japanischen Unternehmen SoftBank produziert wird und auf Kreuzfahrtschiffen und in Einkaufszentren zum Einsatz kommt, unter anderem im «Glatt» in Zürich, sollte den Kunden dabei helfen, Waren oder Sonderangebote zu finden.

Doch der Roboter machte seinen Job nicht so gut wie gedacht. So lieferte er Kunden dubiose Informationsquellen («Danke, Internet») und legte ein unangemessenes Verhalten an den Tag. Zum Beispiel rief er «Hallo, wunderhübsch!» oder setzte mit seinen Greifarmen zu einem «High Five» an, was bei der Kundschaft gar nicht gut ankam. Die Folge: Die Kunden machten einen grossen Bogen um den Roboter.

Nicht effizient beim Verteilen von Häppchen

Auch in Sachen Produktivität blieb der Roboter hinter den Erwartungen zurück. Während die menschlichen Supermarktangestellten in der Fleischwarenabteilung jede Viertelstunde 12 Kunden ein Häppchen anboten, brachte es Pepper in der gleichen Zeit lediglich auf zwei Kunden.

Bereits 2016 waren in einem Restaurant im chinesischen Guangzhou Roboterkellner gefeuert worden, weil sie Chaos in der Küche produzierten. «Die Roboter waren nicht in der Lage, eine Suppe oder andere Gerichte stabil zu tragen und brachen häufig zusammen. Der Chef hat daher entschieden, sie nicht mehr einzusetzen», zitierte die Zeitung «Workers’ Daily» einen Mitarbeiter des Restaurants. Auch konnten die grobmotorischen Roboter keine Bestellungen aufnehmen oder Essen unfallfrei auf den Tisch platzieren.

Der Dienstleistungsroboter kostete 7 700 Dollar. Laut dem Portal «Salary Expert» kommt ein Kellner in Guangzhou auf einen Jahresbruttoverdienst von 51 500 Yuan, das sind rund 7 300 US-Dollar. Das heisst, der Roboter müsste bis zu seiner Amortisierung mindestens ein Jahr in Betrieb sein. Doch gemessen daran, dass der Roboter immer wieder aufgerichtet werden musste und Essen fallenliess, bedeutete seine Anschaffung eher einen Produktivitätsverlust. Immerhin: Einen Roboter kann man von der einen auf die andere Minute kündigen, indem man ihn einfach abschaltet.

Ablösung durch Roboter verläuft nicht linear

Während künstliche Intelligenz(KI) immer menschenähnlicher wird, mechanisiert sich der Mensch zunehmend selbst. Immer mehr Firmen greifen auf sogenannte «Pseudo-KI» zurück, um die Schwächen ihrer KI zu bemänteln. Beim Start-up X.ai, das einen virtuellen Büroassistenten entwickelt hat, waren die menschlichen Mitarbeiter gehalten, roboterhafte Antworten zu schreiben, um den Eindruck zu erwecken, dass wirklich ein Bot am anderen Ende der Leitung sitzt. Der Mensch mimt eine Maschine. Ein gigantischer Bluff.

Die Fallbeispiele zeigen, dass die Automatisierung keine lineare Entwicklung ist, bei der Menschen von Robotern ersetzt werden. Vielmehr kehrt sich die Entwicklung dialektisch um: Roboter werden durch Menschen ersetzt. Man kann dies im Kleinen, im Supermarkt oder beim Bäcker um die Ecke beobachten, wenn der Kassenautomat abgeschafft wird, weil er häufig defekt ist oder der menschliche Kassierer schneller sortiert.

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