«In den letzten 20 Jahren haben wir gut gearbeitet»

Die Fricktaler haben in den letzten Jahren die Qualität ihrer Weine sukzessive gesteigert. Das zahlt sich jetzt aus: Trotz Wirtschaftskrise läuft der Verkauf gut. Gut sei auch der Wein mit Jahrgang 2008.

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Aargauer Zeitung

Andreas Krebs

Der Weinkonsum trotzt der Krise

Die Schweizer kauften 2008 fast gleichviel Wein wie im Vorjahr.
Der Schweizer Weinbau behauptet sich in der Wirtschaftskrise. In der Schweiz sind im Jahr 2008 2,783 Millionen Hektoliter Wein konsumiert worden. Damit blieb der Konsum gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Der Konsum von Schweizer Rotwein und ausländischem Weisswein stieg, einen rückläufigen Verbrauch verzeichneten hingegen inländischer Weisswein und importierter Rotwein. Auf den Rotwein entfielen 69 Prozent des Gesamtkonsums.
2008 umfasste die Rebfläche in der Schweiz 14 841 Hektaren. Die mit roten Rebsorten bepflanzte Fläche breitete sich zu Lasten der weissen Rebsorten weiter aus und macht nun schon 58 Prozent der Gesamtfläche aus. Das Wallis ist mit 5092 Hektaren Rebfläche der grösste Weinbaukanton, gefolgt von Waadt (3830 Hektaren) und Genf (1297 Hektaren).
Bei den Rebsorten steht Pinot noir an der Spitze mit 4430 Hektaren, vor Chasselas (4152 Hektaren) und Gamay (1551 Hektaren). Wie bereits in den Vorjahren lässt sich ein flächenmässiger Rückgang der drei Sorten beobachten, namentlich zugunsten von Gamaret, Merlot, Garanoir, Savagnin blanc und Cornalin. Die Ernte belief sich 2008 auf 1,074 Millionen Hektoliter (+34 037 Hektoliter). Die Rotweinproduktion macht 53 Prozent der gesamten Weinproduktion aus. (krea)

Nein, reich werde er durch den Weinbau nicht, sagt Winzer Roland Schraner aus Kaisten. Aber es mache Spass, an den Weinen zu tüfteln, und wenn dann endlich «eine Bombe» in der Flasche ist, wie zum Beispiel der Kaister Pinot Noir fût de chêne aus dem Jahr 2003, dann gesellt sich zum Spass Stolz.

Goldener Herbst

Auch der Wein vom vergangenen Jahr komme «super gut», sagt Schraner - dem goldenen Herbst sei Dank. Überhaupt, in den vergangenen zehn Jahren habe es nie ein schlechtes Jahr gegeben, nur die Mengen seien eher zurückgegangen. Vom 2008er gebe es aber wieder mehr, sagt Schraner, der gerade Weisswein vom letzten Jahr abfüllt, rund 1700 Flaschen in der Stunde. Er steckt die Nase tief ins Glas. Er schlürft den Wein. Dann nickt er und lächelt dazu.

«Ich spüre nichts von der Wirtschaftskrise», sagt Schraner, der in Kaisten und Ittenthal knapp zwei Hektaren Reben bewirtschaftet und pro Jahr 20 000 bis 25 000 Liter Wein produziert. Diesen verkauft er fast ausschliesslich an eine Stammkundschaft: Leute aus dem Dorf, Vereine, an den Volg und einige Restaurants. «Unsere Kunden wollen den Bezug zum Winzer im Dorf. So wissen sie, was für eine Qualität sie bekommen.» Billige Importweine seien keine Konkurrenz.

Soweit er es einschätzen könne, laufe es den Fricktaler Weinbauern gut. «Wir haben die letzten 20 Jahre gut gearbeitet, die Qualität recht ‹obsi› getrieben und die Sorten der Kundschaft angepasst.»

Freude an alten Sorten

Wenn Weine Kopfweh machen Der Rat, nur guten Wein zu trinken, ist nicht nur ein snobistischer Tick, sondern auch ein Gebot der Gesundheit: Forscher fanden heraus, dass hohe Histamindosen meistens von schlechter Betriebshygiene und einem teilweise fehlerhaften Säureabbau herrühren. Histamin wird für das Kopfweh nach dem Weinkonsum verantwortlich gemacht. Aber natürlich gilt auch bei guten Wein: Die Menge machts. Santé! (krea)

Wenn Weine Kopfweh machen Der Rat, nur guten Wein zu trinken, ist nicht nur ein snobistischer Tick, sondern auch ein Gebot der Gesundheit: Forscher fanden heraus, dass hohe Histamindosen meistens von schlechter Betriebshygiene und einem teilweise fehlerhaften Säureabbau herrühren. Histamin wird für das Kopfweh nach dem Weinkonsum verantwortlich gemacht. Aber natürlich gilt auch bei guten Wein: Die Menge machts. Santé! (krea)

Aargauer Zeitung

Keine grossen Sorgen

Auch Reinhard Bachmann von Bachmann Weinbau in Wil spürt nichts von der Wirtschaftskrise. Allerdings sei er, da ein Hobbybetrieb, nicht repräsentativ. Seine Kundschaft kenne er weitgehend persönlich. Viel Wein werde im Sommer in der ehrenamtlich betriebenen, gut laufenden Buschwirtschaft verkauft. Bachmann baut auch alte Weinsorten an, aus «Freude, diese wiederzubeleben». Der Aufwand dafür sei gross, ein kommerzieller Betrieb könne sich das gar nicht leisten.

Mit 13,5 Hektare Reben und 70 000 bis 80 000 Liter Wein pro Jahr ist Fehr & Engeli in Ueken der grösste Weinproduzent im Fricktal. Auch Inhaber Urs Gasser spürt «bis jetzt» nichts von der Wirtschaftskrise. Er macht sich auch keine grossen Sorgen deswegen. «Ich befürchte, dass es hagelt, der Boden gefriert, überschwemmt. Was dann morgen wirklich ist, müssen Sie mich morgen fragen. Wir werden sehen.»