Immobilien

In der Schweiz steigen die Preise für Immobilien fast wie in China

Neben dem starken Franken und der lahmenden Konjunktur in den meisten Industrieländern gibt es für die Schweizer Wirtschaftsentwicklung einen weiteren wichtigen Risikofaktor: die happigen Preissteigerungen bei den Wohnimmobilien.

Marcel Speiser
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Wüest & Partner sehen aktuell die grösste Gefahr im ungebremsten Neubau von Mehrfamilienhäusern. key

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Die Banken als Hypothekenfinanzierer geben in erstaunlicher Einmütigkeit seit Monaten Entwarnung. Man sei bei der Hypotheken-Vergabe so vorsichtig und konservativ wie eh und je, habe – notabene trotz rekordtiefer Zinsen – nicht an den Kriterien für die Tragbarkeit eines Immobilienkredits geschraubt, rechne nach wie vor mit den gleichen Zinssätzen wie vor dem grossen Zinstief. Zudem habe man kaum Kreditausfälle. Die gestiegene Nachfrage nach Hypotheken sei mit der anhaltenden Zuwanderung, den Tiefstzinsen und den steigenden Haushalteinkommen zu erklären.

Blase entsteht

Also mit realen Faktoren. Spekulative Immobilienkäufe respektive -verkäufe geben es praktisch nicht; in der Schweiz wohne man in seinen Immobilien, brauche sie nicht zur Vermögensvermehrung. Insgesamt bestehe kein Grund zur Sorge. Höchstens in einigen heiss begehrten Lagen – entlang dem Zürichsee, dem Genfersee und in einigen wenigen Tourismusorten in den Alpen – gebe es «Hotspots». Dort würden für Wohnungen und Häuser Fantasiepreise bezahlt. Aber eben nur dort.

Hält diese Argumentationslinie statistischen Daten stand? Kurze Antwort ist nein. Vielmehr zeigt die relative Entwicklung der Hauspreise seit Anfang 2008, dass in der Schweiz durchaus eine Blase in der Entstehung begriffen sein könnte. Wichtig: Die Daten des renommierten britischen Wirtschaftsmagazins «The Economist» basieren nur auf den Preisen für Einfamilienhäuser. Das in der Schweiz weit verbreitete Stockwerkeigentum – also Eigentumswohnungen – wird ausgeklammert. In diesem Segment aber war die Nachfrage in letzter Zeit besonders hoch.

Trotzdem sprechen die Daten eine deutliche Sprache: In der Schweiz sind die Preise für Häuser seit 2008 um rund 14 Prozent gestiegen. Das ist fast so stark wie im boomenden China. Und dort versucht die Regierung seit Jahren alles, um einer Immo-Blase entgegenzuwirken. Bislang allerdings mit wenig Erfolg.

Preise schneller als Einkommen

Zudem – und das wiegt schwerer als die Preissteigerungen – haben sich die Immobilienpreise in der Schweiz seit 2008 völlig von der Entwicklung der Einkommen abgekoppelt (siehe Grafik rechts). Konkret sind sie fast 15 Prozent schneller gestiegen als die durchschnittlichen Haushaltseinkommen. Im Klartext: Im Gegensatz zu China oder den USA werden Einfamilienhäuser bei uns für die Bevölkerung immer unerschwinglicher. Und dies erhöht das Risiko, dass sich diverse Hypotheken-Schuldner eben doch übernommen haben.

Können sie ihre Schulden nicht mehr bedienen, führt das über kurz oder lang zu sinkenden Immobilienpreisen. Weil eine gesunkene Nachfrage auf ein konstantes Angebot trifft. Dann hätte es die Blase gegeben und sie wäre geplatzt.