«In Deutschland herrscht Konfusion»

Ernst Meier
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Ferdinand Dudenhöffer (66) aus Karlsruhe ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort seit 2008 das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft. (Bild: PD)

Ferdinand Dudenhöffer (66) aus Karlsruhe ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort seit 2008 das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft. (Bild: PD)

Ferdinand Dudenhöffer, eine neue Software für Dieselmotoren und eine Umstiegsprämie für ältere Autos: Die Autokonzerne scheinen sich glimpflich aus der Dieselaffäre zu retten. Sehen Sie das auch so?

Ja und nein. Die deutschen Autokon­zerne – Volkswagen ausgenommen – haben ja nichts Illegales gemacht. Die zugelassenen Dieselfahrzeuge von Daimler, BMW oder Porsche erfüllen die gesetzlichen Anforderungen. Die am Dieselgipfel beschlossenen Massnahmen sind freiwillige Leistungen der Konzerne. Die geschätzten 300 bis 500 Millionen Euro, die das kostet, können die Konzerne verkraften. Ich verstehe, dass man nicht zu grösseren Konzessionen bereit ist. Die Autofirmen sind ihren Aktionären verpflichtet und müssen nicht die Verfehlungen der Politik ausbaden.

Wie sehen Sie die Zukunft des Dieselmotors?

Diese Zukunft ist noch ungewisser als vorher. Weiterhin drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Und von den 15 Millionen Dieselautos in Deutschland sollen ja nur 5 Millionen umgerüstet werden – freiwillig! Es werden am Schluss wohl weniger Autos sein, die das Softwareupdate haben. Der Verband der deutschen Autobauer ist ja nicht mal sicher, was die Umrüstung genau bringt.

Es mehren sich die Meldungen, wo­nach immer mehr Autobauer und Regierungen auf den Elektromotor setzen. Was macht Deutschland?

In Deutschland herrscht Konfusion. Die Regierung versucht alles gleichzeitig zu machen, wie die Kanzlerin sagt: das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Man will weiter Dieselfahrzeuge produzieren und verstärkt E-Autos entwickeln. Wenn man sich nicht klar entscheidet, geht beides schief.

Was bedeutet die Krise für den Wert der heutigen Dieseloccasionen?

Das kommt darauf an, wo der Diesel gefahren wird. Auf dem Land spielt es weniger eine Rolle. In Städten wird es für ihn sehr schwer. Die Occasionspreise sind schon stark gesunken. Die Händler kaufen fast keine Diesel mehr. Sie können den Diesel nach Russland verkaufen. Händler raten, ihn privat selbst zu verkaufen.

Tesla liefert in den USA seinen neuen Mittelklassewagen serienmässig aus. Welche Folgen hat dies für die deutsche Autoindustrie?

Es ist ein weiterer Schlag für die klassischen Autobauer. Tesla ist auf der Erfolgsspur. Immer mehr reden über die Marke und gleichzeitig immer weniger über VW, BMW, Audi oder Porsche. Tesla liegt im Trend wie Apple. Deutsche Autos wirken da bieder. Wenn die Konkurrenz fünf Jahre später kommt, dann ist die Gefahr gross, dass man nur nachbaut und nichts Besonderes mehr ist.

Interview: Ernst Meier

Hinweis

Ferdinand Dudenhöffer (66) aus Karlsruhe ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort seit 2008 das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft.