In Schweden liegt ein Grossauftrag für Stadler auf Eis – Konkurrent Bombardier hat Beschwerde eingelegt

Sechs neue Grossraumzüge im Wert von 220 Millionen Franken – dieses Rollmaterial will die schwedische Bahngesellschaft Skånetrafiken beim Thurgauer Bahnbauer Stadler bestellen. Doch der unterlegene Mitbewerber Bombardier hat beim Verwaltungsgericht in Malmö Beschwerde eingelegt gegen die Auftragsvergabe.

Thomas Griesser Kym
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Hofft auf den definitiven Zuschlag des Schweden-Auftrags: Stadler-Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär Peter Spuhler.

Hofft auf den definitiven Zuschlag des Schweden-Auftrags: Stadler-Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär Peter Spuhler.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Bussnang, 19. März 2019)

Der Reiseverkehr zwischen Dänemark und Südschweden nimmt seit geraumer Zeit zu. Im Herbst 2017 hat deshalb der Regionalrat Skåne beschlossen, in neue Hochleistungszüge für die Strecke Helsingborg - Landskrona - Lund - Malmö - Kopenhagen-Flughafen - Kopenhagen-Österport zu investieren.

2018 wurde der Beschaffungsprozess eingeleitet mit der Absicht, Züge mit insgesamt 18 Wagen zu bestellen. Skånetrafiken erhielt daraufhin Angebote von drei Schienenfahrzeugherstellern, und zwar von Stadler, der kanadischen Bombardier und der spanischen CAF.

Stadler-Züge für jeweils rund 850 Fahrgäste

Die Bewertung ergab, dass das Angebot von Stadler alle Anforderungen erfüllt und dies zum tiefsten Preis. Konkret soll Stadler sechs dreiteilige Regionalzüge des Typs SYS 3 liefern, die Sitzplätze für jeweils rund 850 Passagiere bieten. Die Züge sollen Ende 2022 in Betrieb gehen.

Dieser Zeitplan ist nun ebenso in Gefahr wie die ganze Auftragsvergabe vom 17. Februar 2020 an Stadler. Denn Bombardier hat innerhalb der  zehntägigen Beschwerdefrist beim Gericht in Malmö beantragt, die Auftragsvergabe zu überprüfen.

Die Vertragsunterzeichnung muss warten

Die Beschaffung der Züge beruht auf einer Rahmenvereinbarung aus dem Jahr 2014 zwischen der schwedischen Leasinggesellschaft Transitio und den drei vorqualifizierten Bahnbauern Stadler, Bombardier und CAF. Diese Vereinbarung enthält die Lieferung von Zügen mit 18 Wagen, verbunden mit einer Option für bis zu 60 weitere Wagen.

Der Antrag auf Überprüfung bedeutet, dass der Vertrag mit Stadler noch nicht unterzeichnet werden kann. Stattdessen wartet Skånetrafiken erst  auf das Resultat der Überprüfung durch das Verwaltungsgericht. Maria Nyman vom Skånetrafiken-Management demonstriert Zuversicht: «Wir fühlen uns mit der Beschaffung auf der sicheren Seite.»

Am Donnerstag, 5. März, hält Stadler seine Jahresmedienkonferenz ab.