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INDUSTRIE: Der Familienunternehmer des Jahres

Die Schurter-Gruppe wurde soeben für ihre Ausdauer ausgezeichnet. Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter erzählt, wie er den Luzerner Hersteller von Elektronikkomponenten führt. Und was ihn hässig macht.
Dominik Buholzer
Hans-Rudolf Schurter (67) im Herzstück der Schurter AG in Luzern: der Produktion von elektronischen Sicherungen. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Oktober 2016)

Hans-Rudolf Schurter (67) im Herzstück der Schurter AG in Luzern: der Produktion von elektronischen Sicherungen. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 26. Oktober 2016)

Nur wenige Stufen von Hans-Rudolf Schurter befindet es sich, das Herzstück der Firma Schurter AG. Hier, in einem oberen Stock in einem der Gebäude an der Werkhofstrasse in Luzern, produzieren Roboter pausenlos elektronische Sicherungen. Die Dinger sind mittlerweile so klein, dass sie nicht mehr von Menschen hergestellt werden könnten. Die kleinsten Sicherungen sind nicht einmal 0,4 Millimeter gross. «Selbst die Produktionsmaschinen sind eine Eigenentwicklung von uns», sagt Hans-Rudolf Schurter nicht ganz ohne Stolz.

In diesen Räumen entstehen auch die Sicherungen für Weltraumfahrzeuge, und hier werden auch die Sicherungen für Elektroautos produziert. Welche Automobilkonzerne beliefert werden, darf Hans-Rudolf Schurter nicht sagen. Noch nicht. Noch haben die Autokonzerne nicht ihr Einverständnis dazu gegeben. «Hier eröffnen sich uns ganz neue Möglichkeiten», sagt er lediglich.

Die Schurter AG ist ein klassischer Luzerner Familienbetrieb. Angefangen hatte alles vor über 80 Jahren. Am 15. November 1933 gründete Heinrich Schurter die Kommanditgesellschaft Schurter Cie. Heute ist die Firma mit 21 Gesellschaften in 16 Ländern vertreten.

Für ihren Erfolg und ihre Beständigkeit erntet sie nun nationale Lorbeeren: Am Freitag wurde die Schurter AG mit dem «EY Entrepreneur Of The Year» in der Kategorie Familienbetriebe ausgezeichnet. Die Auszeichnung kommt einem Ritterschlag gleich. Und für Hans-Rudolf Schurter ist es eine Genugtuung.

Hans-Rudolf Schurter ist 67 und verkörpert die dritte Generation der Schurters, die in den Hallen an der Werkhof­strasse in Luzern den Ton angeben. Seit zwei Jahren ist er ausschliesslich Verwaltungsratspräsident. Zuvor stand er dem Unternehmen während 30 Jahren gleichzeitig auch als CEO vor. «Noch bis 70 kann ich hier arbeiten. Dann scheide ich altershalber aus», sagt er und erweckt nicht den Eindruck, dass er diesen Tag herbeisehnt.

Im Gegenteil. Noch immer ist er am Morgen früh im Betrieb. Die Schurter-Gruppe ist sein Leben. «Ich befinde mich als Vertreter der Inhaberfamilie sozusagen in einer unkündbaren Stellung», sagt er. «Ich müsste schon eine miserable Leistung liefern, dass mir die Familie den Rücktritt nahelegen würde», schiebt er nach. Grund dazu gab es in den vergangenen Jahrzehnten nie.

Hans-Rudolf Schurter trat nach zehn Jahren beim damaligen Bankverein und Stationen in Luzern, Basel und den USA in den Familienbetrieb ein. Auslöser war sein Vater. «Er meinte eines Tages, ich müsse mich nun entscheiden. Er habe auch kein Problem, wenn er nicht im Familienbetrieb mitwirken wolle, aber er wolle jetzt Klarheit», sagt er. Hans-Rudolf Schurter entschied sich für das Familienunternehmen. Hat er es je bereut? «Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht», betont er. «Meine Aufgabe ist es, für das Unternehmen zu schauen.»

Unter Hans-Rudolf Schurter legte der Elektronikkomponentenhersteller eine beeindruckende internationale Expansion an den Tag. 1998 wurde in Indien eine Niederlassung eröffnet. Seit 2003 betreibt die Schurter-Gruppe auch ein Produktionswerk in China. Und den Osten Europas hat das Familienunternehmen eh fest im Griff. In Tschechien steht eine der wichtigsten Produktionsbetriebe. Heute zählt die Schurter AG weltweit rund 1600 Mitarbeiter und in Luzern noch genau so viele, wie bei Hans-Rudolf Schurters Antritt: gut 300.

Luzern spielt auch in Zukunft wichtige Rolle

Luzern war den Schurters schon immer wichtig. Hier haben sie ihre Wurzeln. Natürlich haben sie immer wieder mal mit einem anderen Standort geliebäugelt. Beispielsweise mit Willisau, als sich der dänische Spielzeughersteller Lego Mitte 2006 von dort zurückzog. Oder zuletzt mit dem Littauerboden, als jüngst John Lay die Segel strich. Aber dem Kanton Luzern den Rücken zu kehren, kam nie in Frage. Nicht nur der Heimatliebe wegen. «Das Know-how, das wir uns in Luzern aufgebaut haben, ist unbezahlbar», betont Hans-Rudolf Schurter. Luzern spielt aus diesem Grund trotz des Kostendrucks weiterhin eine sehr wichtige Rolle bei der Schurter AG. Nicht umsonst ist an der Werkhofstrasse der Geschäftssitz sowie die Entwicklungsabteilung. Und Luzern wird laut Hans-Rudolf Schurter auch in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen. «Wir können uns keinen Pfusch leisten. Wir sind ein internationaler Hightech-Betrieb», untermauert er.

Auszeichnungen machen Angestellte stolz

Beleg dafür sind unter anderem auch die unzähligen Auszeichnungen, die den Eingangsbereich in Luzern prägen. Sie schmeicheln nicht nur der Firma, sie sind auch ein wichtiges Instrument bei der Mitarbeiterführung. «Wenn Sie ihren Kollegen erzählen, Sie arbeiten bei der Schurter AG, dann sagt niemand: Oh, wow, bei der Schurter AG! Unsere Produkte sind nicht sexy, haben nicht eine Ausstrahlkraft wie eine Rolex», gibt Hans-Rudolf Schurter zu bedenken. Deshalb suchte er immer wieder den direkten Vergleich mit anderen Betrieben, beteiligt sich an Wettbewerben. «Die Auszeichnungen steigern das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter, sie sind stolz, zu unserem Betrieb zu gehören», sagt er.

Das zahlt sich aus. Der Anteil der Mitarbeiter, die zehn und noch viel mehr Jahre für die Schurter AG tätig sind, ist hoch. In einer aktuellen Umfrage sagten 83 Prozent der Mitarbeiter, dass sie sehr zufrieden sind mit ihrem Job. Das sind überdurchschnittlich viele für einen Schweizer Industriebetrieb.

Konstanz – das ist es, was die Schurter AG auszeichnet. Das ist auch das, was die Stärken von Hans-Rudolf Schurter sind. «Ich habe gelernt, dass man ein solches Unternehmen nicht in einem Jahr auf den Kopf stellen kann. Veränderungen brauchen Zeit, Ausdauer und Geld», sagt er. Von Managern, die einem Unternehmen in zwei, drei Jahren eine neue Firmenkultur überstülpen wollen, hält er nichts. «Das macht mich phasenweise sogar hässig», gesteht er.

Dafür hegt Schurter eine umso grössere Bewunderung für Jungunternehmen, die erfolgreich sind. «Wer ein Start-up gründet, hat es ganz, ganz schwer. Das braucht nicht nur unglaubliches Stehvermögen und 120 Prozent Einsatz, sondern auch eine Portion Glück», gibt er zu bedenken und wendet ein: «Ich weiss nicht, ob ich dazu geeignet wäre.» Muss er auch nicht. Hans-Rudolf Schurter ist dafür ein umso besserer Familienunternehmer.

Dominik Buholzer

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