Industrie-Ikone General Electric streicht nochmals 450 Jobs

General Electric baut in der Schweiz erneut Stellen ab. Dieses Jahr könnte aber ein Wendepunkt erreicht sein.

Niklaus Vontobel
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General Electric (GE) ist es bislang nicht gelungen, den Niedergang seines Gasturbinen-Geschäfts zu stoppen. Der amerikanische Konzern gab gestern erneut einen massiven Stellenabbau bekannt. 450 Arbeitsplätze werden im Kanton Aargau gestrichen. 350 sind es am Standort in Baden, nochmals 100 in Birr. Es ist bereits das dritte Mal, dass GE in der Schweiz eine Massenentlassung vornimmt.

Der Sitz von General Electric in Baden. (Bild: Sandra Ardizzone, 17. Juni 2019)

Der Sitz von General Electric in Baden. (Bild: Sandra Ardizzone, 17. Juni 2019)

Die Reaktionen wirkten hilflos. Der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann hielt GE vor, der nochmalige Abbau widerspreche früheren Aussagen. Die Gewerkschaften und Verbände der Arbeitnehmer gaben sich besorgt. Nach der erneuten Abbaurunde unterschreite die Energiesparte von GE in der Schweiz die kritische Grösse, warnte zum Beispiel die Gewerkschaft Syna.

GE gibt sich optimistisch

Offenbar sorgt sich die Gewerkschaft, dass auch die dritte Abbaurunde nicht genug sein könnte und es mit GE weiter abwärts geht. Unter den Mitarbeitern überwiegt ohnehin die Skepsis. Laut Gewerkschaften seien die Angestellten schlicht entmutigt vom anhaltend schlechten Geschäftsverlauf. Tatsächlich sind die Zahlen besorgniserregend, die GE für sein weltweites Energiegeschäft präsentierte. Im laufenden Betrieb wurde ein Verlust von einer Milliarde Dollar ausgewiesen. Öffentlich schlägt GE verhalten zuversichtliche Töne an. In einer Medienmitteilung sprach der Konzern von einer «flachen Entwicklung für das Gasgeschäft». Wenn es sich bewahrheitet, wäre 2019 ein Wendepunkt erreicht. Zuvor ging es drei Jahre lang abwärts. 2018 war der Markt noch knapp halb so gross wie 2015. Neu würde der Markt gleich gross bleiben wie bisher. Das wäre eine Stabilisierung. Gegenüber Investoren hatte sich GE im Frühling noch zuversichtlicher gegeben. In einem Vortrag schrieb der Konzern, 2019 sei ein «wichtiges Wendepunkt-Jahr» und fortan sei ein «signifikanter Ertragszuwachs» möglich. Demnach wäre das Schlimmste ausgestanden. Die dritte Abbaurunde wäre erfolgt, weil der Markt in den Jahren 2017 und 2018 nochmals deutlich nachgegeben hatte.

Dennoch wird sich erst zeigen müssen, was der Optimismus von GE für einen Wert hat. Er könnte auch zur Schau getragen sein, damit nicht noch mehr Investoren der Aktie den Rücken kehren. Der bisherige Niedergang von GE an der Börse ist enorm. Zuletzt war die Aktie knapp 10 Dollar wert, Anfang 2017 noch 30 Dollar.

Trend zu erneuerbarer Energie verschlafen

Generell gab es in den letzten Jahren wenig Anlass, Vertrauen in GE zu haben. Im Herbst 2015 hatte der US-Konzern der französischen Alstom die Energiesparte abgekauft. Im Wesentlichen baute GE damit sein Geschäft aus in der Herstellung von Turbinen, mit denen Strom produziert wird aus Erdgas und Kohle. Im Januar 2016 folgte die erste grosse Sparrunde. GE kündigte den Abbau von rund 1300 Stellen in der Schweiz an. Im Dezember 2017 trat GE erneut vor die Öffentlichkeit: 1400 Stellen sollten eingespart werden. Im Herbst 2018 musste GE den «hochgradig strategischen» 10-Milliarden-Deal auf null abschreiben. Damit war klar: GE hatte eine kolossale Fehlinvestition getätigt. Die Industrie-Ikone hatte den Trend hin zu erneuerbarer und dezentralisierter Energieherstellung schlicht verschlafen.

Wie viele Stellen bei GE mittlerweile genau verloren gingen, wollte der Konzern gestern nicht mitteilen. Derzeit beschäftigt man noch 3050 Mitarbeiter in der Schweiz. In den jeweiligen Abbaurunden wurden am Ende jeweils weniger Stellen gestrichen als ursprünglich angekündigt.