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INDUSTRIE: Kurzarbeit bei Burckhardt Compression: Die versteckte Wirtschaftskrise

Burckhardt Compression ist eines der wenigen Grossunternehmen, die wieder kurzarbeiten lassen. Im KMU-Sektor sieht es anders aus.
Burckhardt Compression, nach eigenen Angaben der der weltweite Marktführer im Bereich von Kolbenkompressorsystemen, hat seinen Hauptsitz in Winterthur. (Archiv) (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Burckhardt Compression, nach eigenen Angaben der der weltweite Marktführer im Bereich von Kolbenkompressorsystemen, hat seinen Hauptsitz in Winterthur. (Archiv) (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Das Industrieunternehmen Burckhardt Compression führt im März für 200 der 700 Mitarbeiter in Winterthur Kurzarbeit ein. Diese Art von schlechten Nachrichten hat man sich in der Schweiz schon fast abgewöhnt. Trotz des zweifachen Frankenschocks ist die Nachfrage nach Krisenhilfe in den hiesigen Unternehmen seit dem düsteren Rezessionsjahr 2009 deutlich rückläufig. Damals liessen rund 5000 Unternehmen im ganzen Land mehr als 90 000 Angestellte kurzarbeiten. Die Auswirkungen der Frankenaufwertung hielten sich dank der Intervention der Nationalbank in Grenzen. Im September 2011 hatte das Noteninstitut den Euro-Mindestkurs eingeführt und der exportierenden Industrie den Wechselkursnachteil teilweise abgenommen. Im März 2012 beanspruchten nur noch knapp 1000 Betriebe für etwa 13 000 Mitarbeiter Kurzarbeit. Seither haben sich die Werte nochmals halbiert. Per Ende November nahmen nur noch 16 Grossunternehmen im ganzen Land diese Form der Krisenhilfe in Anspruch. Vor fünf Jahren waren es immerhin noch mehr als 80 Unternehmen gewesen.

Ausnahmesituation bei Burckhardt

Burckhardt ist denn auch ein Spezialfall. Die Firma, die 2002 vom Sulzer-Konzern abgetrennt worden war, ist auf Märkten mit besonderen Zyklen tätig. Die Winterthurer bauen Kompressionsmaschinen, unter anderem zur Verflüssigung von Gasen, die so auf dem Seeweg transportiert werden können. Die Schiffbauindustrie leidet derzeit an Überkapazitäten, was zu einem starken Einbruch der Nachfrage nach Kompressoren geführt hat. Schon im vergangenen Jahr musste das Unternehmen 100 Angestellte entlassen. Mit der Kurzarbeit soll ein weiterer Abbau der industriellen Basis verhindert werden. Es handelt sich offensichtlich um eine Ausnahmesituation. Andernfalls wäre Burckhardt gar nicht anspruchsberechtigt. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz lässt temporäre Entschädigungen ausgefallener Arbeitsstunden nur unter der Bedingung zu, dass die Unterauslastung nicht Teil des normalen Betriebsrisikos darstellt. Auch saisonale Schwan­kungen sind kein ausreichender Grund für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitsentschädigungen. Die Firma verkauft ihre Maschinen vorwiegend in Franken oder in Dollar; sie gehört damit nicht zu den typischen Opfern der Euroschwäche.

Vielen kleineren Betrieben geht es schlechter. Im März 2012 liessen 500 Betriebe mit weniger als 100 Angestellten kurzarbeiten. Mehr als 7000 Arbeitnehmer erhielten ihren Lohn von der Arbeitslosenkasse. Fünf Jahre später lässt sich feststellen: die Zahl der im Kurzarbeitmodus operierenden KMU beträgt immer noch 400 Betriebe, und sie ist damit weit weniger stark gefallen als jene der Grossfirmen.

Grossfirmen haben mehr Spielraum

Im Zug des zweiten Frankenschocks, der seit Januar 2015 als Folge der Aufhebung des Euro-Mindestkursregimes die Schweizer Wirtschaft durchschüttelt, verläuft die Entwicklung von Klein- und Grossunternehmen gegensätzlich. Das zeigt sich etwa darin, dass in dieser Zeitspanne wieder mehr KMU Kurzarbeit eingeführt haben. Zwar verläuft die Kurve nicht steil, und eine dramatische Verschlechterung ist statistisch nicht feststellbar. Dennoch ist offensichtlich, dass Klein­unternehmen, die ihre Produkte als Zulieferer an grössere, direkt im Export tätige inländische Abnehmer weiterreichen, unter einem anhaltend hohen, teilweise wohl weiter zunehmenden Druck stehen.

Die Mehrheit dieser Firmen dürfte in den letzten Jahren stetig an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konkurrenten eingebüsst haben. Während Grossfirmen die Währungssituation durch Produktionsverlagerungen oder Einkäufe von Vorprodukten im preisgünstigeren europäischen Ausland kompensieren konnten, stehen diese Türen hiesigen industriellen KMU nicht offen.

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

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