INDUSTRIE: Mit Fördergeldern Kosten gesenkt

Um nachhaltig Kosten zu sparen, investieren Firmen vermehrt in Energiesparmassnahmen. Ein Praxisbeispiel aus der Region.

Maurizio Minettimaurizio.minetti@luzernerzeitung.ch
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Ein Angestellter von Argolite arbeitet an einer neu installierten Anlage für Laminatplatten. Bild: Manuela Jans-Koch (Willisau, 11. November 2016)

Ein Angestellter von Argolite arbeitet an einer neu installierten Anlage für Laminatplatten. Bild: Manuela Jans-Koch (Willisau, 11. November 2016)

Die Energiestrategie 2050 gibt es vor: Die Schweiz muss auf erneuerbare Energien umschwenken, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Ein wichtiger Teil des Massnahmenpakets besteht aber auch darin, das Energiesparen zu fördern. Die Industrie spielt hierbei eine grosse Rolle. Über die Hälfte des Energiebedarfs der Industrie ist thermische Energie in Form von Wärme. Dieser Anteil wird oft unterschätzt. Gerade hier ist aber das Einsparpotenzial gross.

Das Bundesamt für Energie (BFE) vergibt spezialisierten Firmen Fördergelder, wenn sie ihren Kunden helfen, im Betrieb den Energieverbrauch nachhaltig zu senken. Eine der Firmen, die dieses Jahr ein solches Projekt in Angriff genommen hat, ist die Argolite AG in Willisau. Die Firma mit 70 Mitarbeitern produziert Laminatplatten, die zum Beispiel als Küchenabdeckungen verwendet werden. Heute setzt die Firma für die Produktion und für den eigenen Bedarf eine Ölheizung ein. «Wir wissen aber nicht, wie viel Energie der Produktionsprozess und wie viel die anderen Räumlichkeiten verbrauchen», sagt Geschäftsführer Markus Höchli.

Software der Hochschule Luzern

Hier kommt die Flimatec AG aus Horw ins Spiel. Die Firma analysiert, wo in einem Unternehmen wie viel thermische Energie verbraucht wird, und erarbeitet daraus Massnahmen, um die Energieeffizienz zu steigern. «Anhand dieser Daten wissen wir jetzt, wie viel Wärme pro Minute durch welche Röhre läuft», sagt Höchli. So habe man die Wärmeverluste genau lokalisieren und beheben können. Bei Argolite liegt ein Energiesparpotenzial von 20 Prozent vor. Parallel wechselt Argolite von der Öl- auf eine Pelletheizung, welche die Abfälle – den Schleifstaub – aus der Produktion verwendet. Bislang hatte Argolite diesen energiereichen Schleifstaub entsorgt. «Mich hat schon immer gestört, dass wir diesen energiereichen Schleifstaub nicht weiterverwenden konnten», so Chef und Inhaber Markus Höchli. Er sagt, man werde für die neue Heizung und die Massnahmen dieses und nächstes Jahr insgesamt über 2 Millionen Franken ausgeben. «Doch wir werden diese Investition in fünf bis zehn Jahren bereits wieder amortisiert haben», fügt er an.

Der Ansatz zur Optimierung des Energieverbrauchs von Prozessen nennt sich Pinch-Analyse. Mit dieser Analyse kann der thermische Energiebedarf um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Bei solchen Analysen übernimmt das BFE bis zu 40 Prozent der externen Ingenieurkosten. Bei Grobanalysen zur Klärung des Sparpotenzials beträgt die finanzielle Förderung durch das BFE maximal 60 Prozent der Gesamtkosten respektive maximal 5000 Franken. «Letztes Jahr hat das BFE zehn Grobanalysen unterstützt. Im laufenden Jahr sind es bis jetzt schon über 35», sagt eine BFE-Sprecherin. Unterstützt werden allerdings ausschliesslich Analysen von Fachleuten mit anerkannter Ausbildung in der Pinch-Methodik, die mit einer offiziellen Pinch-Software arbeiten. Eine davon ist die Software PinCH, die von der Hochschule Luzern entwickelt wird. Die Version 3.0 mit neuen Funktionalitäten zur Integration von thermischen Energiespeichern wird Anfang 2017 auf den Markt kommen.

Maurizio Minetti