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INDUSTRIE: Neue Impulse in der Autoindustrie durch E-Mobilität

Fast die gesamte Autoindustrie fährt auf den Liechtensteiner Zulieferer Thyssenkrupp Presta ab. Jetzt eröffnen sich dem Unternehmen ganz neue Möglichkeiten.
Gerhard Bläske
Ein Arbeiter montiert eine elektronische Autosteuerung. (Bild: Krisztian Boesil/Bloomberg (Mühlheim an der Ruhr, 22. Oktober 2014))

Ein Arbeiter montiert eine elektronische Autosteuerung. (Bild: Krisztian Boesil/Bloomberg (Mühlheim an der Ruhr, 22. Oktober 2014))

Gerhard Bläske

Liechtenstein ist vor allem als ­Finanzzentrum bekannt. Dabei ist die Industrie in dem Kleinstaat zwischen Österreich und der Schweiz viel wichtiger. Grösster Arbeitgeber im Land ist der Autozulieferer Thyssenkrupp Presta. Der nach eigenen Angaben weltgrösste Hersteller von Lenksystemen setzt auf den Standort Liechtenstein und investiert massiv in die E-Mobilität. Die Wachstumsziele sind ehrgeizig.

«Mehr als die Hälfte unserer Investitionen fliesst in das Wachstum der neuen EPS-Lenkungen, die uns vor grosse Herausforderungen stellen», sagt Unternehmenschef Guido Durrer. In Liechtenstein werden die zukünftigen Lenkungstechnologien entwickelt, neu wird jetzt auch noch ein Kompetenzzen­trum für E-Mobility geschaffen.

Das Unternehmen wurde 1941 in Eschen als Zulieferer für die deutsche Rüstungsindustrie gegründet. Im Laufe der Jahre machte es sich als Hersteller von Nockenwellen und Lenkwellen einen Namen. Die damalige Presta (Press- und Stanzwerk AG) gehörte lange zu Oerlikon-Bührle und wurde 1991 von Krupp Gerlach übernommen.

Nur in drei Automarken steckt Presta nicht drin

Thyssenkrupp Presta hat heute weltweit 17 Standorte, unter anderem in China, Mexiko, Ungarn, Polen, Japan und in der Schweiz. Der grösste Einzelstandort ist ein Werk bei Metz (Frankreich). In Deutschland gibt es zwei Werke, in Mülheim (Ruhr) und Schönebeck (Sachsen-Anhalt). «Mit Ausnahme von Toyota, Suzuki und PSA beliefern wir fast alle Autohersteller», berichtet Durrer. Im VW-Konzern sei das Unternehmen praktisch alleiniger Lieferant für Lenksäulen. In Liechtenstein beschäftigt Thyssenkrupp Presta 2300 der weltweit 8000 Mitarbeiter. Viele von ihnen pendeln täglich aus Österreich oder aus der nahen Schweiz ein.

Im Werkzeugbau in Oberegg sind es nochmals 200 Beschäftigte. Am Schweizer Standort entstehen Werkzeuge für die Kaltmassivumformung von Komponenten in Antriebssträngen und für Lenksysteme. Ausserdem werden sehr harte Stahle verarbeitet. Das Nockenwellengeschäft in Liechtenstein, wo Thyssenkrupp auch eine weltweit führende Rolle einnimmt, wurde vor einigen Jahren in die Thyssenkrupp Camshafts abgespalten.

Das Fürstentum ist zwar, ebenso wie die Schweiz, ein teurer Standort und leidet unter dem starken Franken. Die Steuern sind aber niedrig und der Spezialisierungsgrad ist hoch. Das Land ist hoch industrialisiert. Auch der Bohrhämmerhersteller Hilti hat hier seinen Sitz und produziert in dem Ministaat. «Unsere Mitarbeiter sind sehr kompetent und engagiert. Wir haben in der Produktion einen hohen Automatisierungsgrad», erklärt Durrer. Probleme bereitet dem Unternehmen der Fachkräftemangel. Durrer: «Wir konnten in den letzten Jahren den notwendigen Personalaufbau bewältigen. Dennoch haben wir im Headquarter in Eschen noch 200 offene Stellen.»

Umsatz soll auf 3 Milliarden gesteigert werden

Thyssenkrupp Presta wächst stark. Der Auftragseingang habe 2016/17 bei acht Milliarden Euro gelegen. «In den kommenden Jahren werden wir unseren Umsatz von heute 1,8 auf gegen 3 Milliarden Euro steigern», sagt Durrer. Konkurrenten sind etwa ZF im nahen Friedrichshafen am Bodensee, das derzeit mit internen Problemen kämpft, und die ebenfalls deutsche Getrag, die seit 2016 zum österreichisch-kanadischen Magna-Konzern gehört. Neue Wachstumsimpulse kommen laut Durrer aus den Bereichen E-Mobilität und autonomes Fahren. «Für das autonome Fahren braucht man absolut sichere Lenksysteme. Die Lenkung ist eines der komplexesten Systeme in einem Fahrzeug», sagt er.

Deshalb fliesse mehr als die Hälfte der Investitionen in diesen Sektor. +krupp Presta liefert Rotorwellen, Lenksysteme für Elektrofahrzeuge. In einer Art Start-up innerhalb des Unternehmens, dem Kompetenzzen­trum E-Mobility, werden Elek­troantriebe entwickelt, die besonders leistungsfähig sind und sich gut für den serienmässigen Einbau und Einsatz in Elektrofahrzeugen eignen. Der Motor ist Kern einer hochintegrierten Antriebsachse, zu der auch ein Getriebe und die Leistungselektronik gehören. Ein erster Prototyp der Antriebsachse soll Mitte 2019 vorliegen. Die Serienproduktion könnte 2020 starten.

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