Industrie
Pandemie setzt dem Luzerner Liftbauer zu: Schindler hofft auf globale Megatrends

Nach pandemiebedingten Rückschlägen sieht sich der Liftkonzern wieder auf Wachstumskurs. Entwarnung gibt er aber noch nicht.

Gregory Remez
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Schindler-CEO Thomas Oetterli am Konzernhauptsitz in Ebikon.

Schindler-CEO Thomas Oetterli am Konzernhauptsitz in Ebikon.

Bild: PD

Langfristigkeit wird bei Schindler traditionsgemäss grossgeschrieben. Deshalb blieben Konzernchef Thomas Oetterli und Finanzchef Urs Scheidegger am Mittwoch einigermassen gelassen, als sie vor Medien und Analysten einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang für das Geschäftsjahr 2020 erklären mussten:

Bei den langfristigen Zielen sieht sich der Ebikoner Lift- und Rolltreppenhersteller nämlich unverändert auf Kurs. Gegen globale Megatrends wie den demografischen Wandel und die zunehmende Urbanisierung werde auch das stärkste Virus nichts ausrichten können, lautet die offensichtliche Überlegung des Managements. Dank dieser Trends dürfte die Nachfrage nach vertikalen Lebens- und Arbeitsräumen in Ballungsräumen künftig noch stärker zunehmen – was Schindler wiederum direkt in die Hände spielt.

Nachholeffekte erwartet

Gleichzeitig lässt sich allerdings nicht leugnen, dass die aktuelle Krise auch vor dem sonst so stabilen Geschäft mit Liften und Rolltreppen nicht haltgemacht hat. Mit Ausnahme von China hat sich die Pandemie auf alle Märkte rund um den Globus negativ ausgewirkt. Der Bausektor zum Beispiel, und damit die für Schindler wichtigen Märkte für Neuinstallationen und Modernisierungen, brach im vergangenen Jahr abrupt ein. Zwar hat sich die allgemeine Lage seit dem vierten Quartal wieder etwas aufgehellt, mit einer Erholung auf das Niveau von 2019 rechnet der Konzern aber nicht vor dem Jahr 2022.

Der Grund dafür sei simpel, erklärte Oetterli. «Mit Neuin­stallationen und Modernisierungen verhält es sich in der Krise ähnlich wie mit dem Autokauf. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten überlege ich zweimal, ob ich einen neuen Wagen wirklich brauche – und fahre vielleicht noch ein bisschen länger mit dem alten herum.» Man rechne allerdings damit, dass es gerade in diesen Märkten Nachholeffekte geben werde, sobald sich die Lage wieder beruhigt hat, ergänzte Finanzchef Scheidegger. Mit der Rückkehr der Leute in Büros, Hotels und Shoppingmalls würden auch die Investitionen zurückkommen.

Neue Generation soll alte ersetzen

Zwar hat Schindler 2020 im Vergleich zum Vorjahr wegen Corona weniger in Sachanlagen investiert (siehe Ergebnis oben), im Bereich Innovationen versuchte der Konzern aber, auf Trab zu bleiben. Beispielsweise wurde in den Schlüsselmärkten Europas und Asien-Pazifik eine neue, modulare Aufzugsgeneration lanciert. Diese kann mit der Cloud kommunizieren und soll in der Herstellung emissionsärmer sein. «Die neue Generation soll so schnell wie möglich die alte ersetzen», verriet Schindler-CEO Thomas Oetterli. Der Plan sei daher, diese per Ende 2021 auch in den Märkten Amerika und China einzuführen. Als Antwort auf die Pandemie hat der Konzern zudem sogenannte Clean-Mobility-Lösungen entwickelt, die Lifte und Rolltreppen hygienischer und sichererer machen sollen. Zum Einsatz kommen diese vor allem in Krankenhäusern sowie anderen systemrelevanten Institutionen. (gr)

Insofern ist es wenig überraschend, dass der Konzern im letzten Jahr bei Aufträgen und Umsatz einen Rückgang hinnehmen musste. Davor hatte Schindler gewarnt, Analysten hatten sich entsprechend darauf eingestellt. Wobei sich die Auftragslage nicht auf allen Märkten gleich entwickelte: Während sich der Auftragseingang etwa in den Regionen Amerika und Asien-Pazifik (ohne China) reduzierte, verzeichneten China und die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) ein Wachstum. Im vierten Quartal zeigte die Auftragsentwicklung gar über alle Märkte hinweg wieder nach oben.

Umfeld bleibt schwierig

Auch die Rückgänge beim Betriebsergebnis (Ebit) und beim Konzerngewinn fallen bei genauerem Hinsehen weniger dramatisch aus. Dass Schindler hier schlechter abschneidet als Konkurrenten wie der finnische Konzern Kone ist zu einem grossen Teil durch die Aufwertung des Frankens zu erklären.

Als Reaktion auf das verschlechterte Währungsumfeld sowie die rückläufigen Märkte hatte Schindler 2020 eine Reihe von Massnahmen ergriffen, die zwar Geld kosteten, mittelfristig aber die Wettbewerbsfähigkeit erhalten sollen: Im spanischen Saragossa wurde eine Fabrik geschlossen, zudem wurden Initiativen zur Effizienzsteigerung sowie ein Kostenoptimierungsprogramm gestartet, das einen weltweiten Abbau von rund 2000 Stellen innerhalb von zwei Jahren vorsieht.

Die Restrukturierungskosten belaufen sich nach Konzernangaben auf insgesamt 135 Millionen Franken und schlagen entsprechend auf das Ergebnis, das ohne die Massnahmen deutlich näher an jenem vom Vorjahr gewesen wäre. An der Generalversammlung im März will der Verwaltungsrat daher eine Dividende von 4 Franken je Namenaktie und Partizipationsschein beantragen. Auf die Nachfrage hin, wo man aktuell bei der Umsetzung des Sparprogramms stehe, von dem auch der Hauptsitz in Ebikon betroffen ist, hielt sich Oetterli bedeckt, sagte aber, man habe «beim Stellenabbau ungefähr die Hälfte erreicht».

Für das laufende Jahr peilt das Schindler-Management wieder ein Umsatzwachstum zwischen 0 und 5 Prozent an; es handelt sich dabei um dieselbe Wachstumsprognose wie zu Beginn des letzten Jahres – bevor sie wegen Corona zurückgenommen wurde. Derweil rechnet Schindler auch weiterhin mit einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld. Die durch die Pandemie ausgelöste globale Rezession, die politischen Spannungen und der rückläufige globale Handel in einem historisch tiefen Zinsumfeld würden die Märkte auch 2021 belasten, so Oetterli.