INDUSTRIE: Ruag sucht ihr Heil im Ausland

Der Staatskonzern erwirtschaftet 2012 ein solides Ergebnis. Doch die Gewinne schrumpfen. Immer mehr Umsatz macht die Ruag ausserhalb der Schweiz.

Bernard Marks
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Mitarbeiter der Ruag Schweiz bei der Arbeit an einem Super-Puma-Helikopter in Emmen. (Bild Pius Amrein)

Mitarbeiter der Ruag Schweiz bei der Arbeit an einem Super-Puma-Helikopter in Emmen. (Bild Pius Amrein)

«Wir haben den Auftrag, die Versorgung der Schweizer Armee sicherzustellen», betonte der Verwaltungsratspräsident der Ruag, Konrad Peter, ­gestern an der Präsentation der Geschäftszahlen. Doch das wird für den Staatskonzern wegen sinkender Rüstungsausgaben zunehmend schwieriger.

Um technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, braucht der Schweizer Rüstungskonzern Auftragsvolumen und wird im Ausland fündig. 2012 erwirtschaftete die Ruag mit 56 Prozent deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland. Im Jahr zuvor lag dieser Wert erst bei 53 Prozent. Auch wandelt sich die Ruag immer weiter von einem reinen Rüstungskonzern zu einem zivilen Technologieunternehmen. 50 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftete die Ruag 2012 bereits im zivilen Bereich. Der Umsatz, den der Konzern mit Rüstungstechnologie machte, fiel im Jahr 2012 auf 50 Prozent zurück.

Trotzdem zeigte sich Konrad Peter zufrieden. Alle fünf Divisionen des Unternehmens arbeiteten 2012 profitabel. Besonders gut ist es in der Luft- und Raumfahrttechnik gelaufen. Die Ruag stellt Schalen für ESA-Trägerraketen wie die Ariane oder Vega her und rüstet Nasa-Satelliten mit hochpräzisen GPS-Receivern aus. Ausserdem baut die Ruag die Heckspitze und die Rumpfsektion für den Airbus Neo. Auch profitiert das Unternehmen von Grossaufträgen der Pilatus-Flugzeugwerke in Stans. Die Ruag baut die Flugzeugstruktur für die Pilatus-Flugzeuge PC-21 und auch die Inneneinrichtungen von Business-Jets vom Cockpit bis zum Gepäckraum.

Es fehlen Anschlussaufträge

Das Unternehmen verkaufte 2012 kleinkalibrige Munition im Wert von 32 Millionen Franken – mehr als ein Jahr zuvor. Die Sparte Verteidigung erlitt allerdings einen Dämpfer. In Emmen macht die Ruag die Schweizer Helikopter-Flotte des Super-Puma flott für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Aber der Umsatz in der Sparte sank 2012 um 11 Millionen Franken. «Es fehlen uns Anschlussaufträge vor allem beim Panzer Leopard», erklärte Peter. Unterm Strich erwirtschaftete die Ruag mit 1,74 Milliarden Franken zwar 1,6 Prozent mehr Umsatz als 2011. Der Reingewinn sank jedoch auf 81 Millionen Franken von 94 Millionen im Vorjahr.

Grosser Arbeitgeber in der Region

«Die Standorte in der Zentralschweiz sind gesichert», sagt Peter im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf die Frage, wie viele Mitarbeiter in Altdorf bei der Ruag beschäftigt sein werden, nachdem die Umstrukturierung dort abgeschlossen ist, sagt Peter: «Es verbleiben 200 bis 220 Arbeitsplätze.» Derzeit sind 375 Personen bei Ruag in Altdorf beschäftigt.

«Wir sind im Verkaufsprozess mit Mechanical Engineering», sagte Konrad Peter zum Stand in Altdorf. «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Sparte verkaufen können», so Peter. Der Bereich Werkstoffrecycling sowie die Munitionsentsorgung verbleiben in Altdorf. Was wenige wissen, die Ruag ist der grösste Kühlschrankrecycler der Schweiz. 1,5 Millionen Kühlschränke hat die Ruag bereits in Altdorf rezykliert.

Weitere Verkäufe innerhalb des Konzerns seien keine vorgesehen. Es kündigen sich aber Verlagerungen an. Anstatt in Brunnen werden künftig mehr Aufgaben in Zürich erledigt. Es ist möglich, dass es in Brunnen, mit derzeit 103 Arbeitsplätzen, auf lange Sicht weniger Arbeit geben wird. «Neue Projekte im Bereich Radar könnten nicht mehr in Brunnen abgewickelt werden, sondern in Dübendorf», sagt Peter. Aber das sei ein Prozess, der über die nächsten fünf Jahre gehen werde und noch nicht spruchreif sei. Der Standort in Emmen, dort sind derzeit 1220 Mitarbeiter beschäftigt, könnte hingegen von der boomenden Raumfahrtsparte profitieren. Die Schalen der ESA-Trägerraketen werden derzeit in Emmen und Zürich-Seebach montiert. «Es wird diskutiert, dass ein Teil der Fertigung von Seebach nach Emmen verlagert wird», sagt Peter. Für die weiteren Ruag-Standorte in der Zentralschweiz in Stans mit 130 sowie Alpnach mit 104 Mitarbeitern seien keine Änderungen vorgesehen.